Die Kelten

Naturverbundene Schmiedekünstler und Pflanzenkundige Europas

Die Kelten waren ein weit verzweigtes Volk indogermanischen Ursprungs, das zwischen ca. 1200 v. Chr. und 400 n. Chr. große Teile Europas von Irland und Iberien über Gallien bis nach Böhmen, Süddeutschland und sogar Anatolien (Galater) besiedelte. Anders als Griechen oder Römer hinterließen sie keine eigenen Schriftquellen, aber eine reiche materielle Kultur, mündliche Überlieferungen und Spuren in den Landschaften.
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Wer waren die Kelten?

Die Kelten waren keine einheitliche „Supernation“, sondern ein Mosaik miteinander verwandter Stämme. Sie prägten ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. große Teile Mittel-, West- und Südeuropas. Archäologen unterscheiden eine ältere Hallstatt-Kultur (Urnenfelder, Salzbergbau) und die elegante La-Tène-Kultur mit kunstvoll geschwungenen Tier- und Rankenmotiven. Zeitgenössische Griechen nannten sie Keltoi, Römer Celtae oder Galli und staunten über ihre prunkvollen Halsreifen, bunt gemusterten Stoffe und ringförmigen Festungsanlagen auf Bergspornen.

Keltische Gemeinschaften wie Helvetier, Boier, Aremoricer oder Tylänger sprachen indogermanische Dialekte, die heute als Vorstufen des Irischen, Walisischen oder Bretonischen gelten. Ihr Sozialgefüge bestand aus freien Kriegerbauern, kunstfertigen Handwerkern und einer geistigen Elite von Druiden, die Recht, Astronomie und Kult hüteten. Letzterer fand unter freiem Himmel oder in heiligen Hainen statt; Opferkessel, Wagengräber und Torques zeigen den reichen Kosmos symbolischer Objekte, dem Pferd, Mistel oder Eber besondere Bedeutung zukam.

Im 4. Jh. v. Chr. dehnten keltische Söldnerzüge sich bis Kleinasien (Galater) aus; andere überschritten die Alpen und plünderten 390 v. Chr. Rom. Ab dem 2. Jh. v. Chr. wurden ihre Territorien jedoch schrittweise in das römische Imperium integriert: Gallien, Iberien, Britannien. Dabei verschmolzen keltische und römische Lebensweisen durch eine lateinisch-keltische Mischsprache (Gallo-Romanisch) und Göttersynkretismus (Cernunnos – Mercurius).

Trotz Romanisierung und später angelsächsischer Expansion blieben keltische Sprachen und Bräuche an den „Rändern“ Europas lebendig. Irische Mönche bewahrten keltische Mythen, moderne Nationalbewegungen entdeckten im 19. Jahrhundert ihre ornamentale Kunst neu, und das heutige „keltische Revival“ spiegelt sich in Musik, Festivals und einem anhaltenden Interesse an einer faszinierend vielfältigen Kultur, die Europa tief geprägt hat.

Abgrenzung Kelten, Germanen und Wikinger

Die Kelten werden häufig mit Germanen oder Wikingern gleichgesetzt, obwohl es sich um unterschiedliche Kulturen und historische Epochen handelt. Die Kelten prägten bereits während der Eisenzeit weite Teile West- und Mitteleuropas und entwickelten eine eigenständige Kultur mit Druiden, befestigten Siedlungen (Oppida), weitreichenden Handelsnetzwerken und einer ausgeprägten Kunsttradition.

Die Germanen lebten überwiegend nördlich und östlich der keltischen Kerngebiete. Ihre Gesellschaft war stärker von Stammesverbänden, Waldlandschaften und regionalen Gemeinschaften geprägt. Während sich Kelten und Germanen über Jahrhunderte hinweg begegneten und gegenseitig beeinflussten, blieben sie eigenständige Kulturkreise mit unterschiedlichen Traditionen und gesellschaftlichen Strukturen.

Die Wikinger wiederum traten deutlich später auf. Sie entstammten den nordgermanischen Gesellschaften Skandinaviens und wurden vor allem zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert durch ihre Seefahrt, Handelsreisen und Entdeckungsfahrten bekannt. Zwar reichen viele kulturelle Wurzeln der Wikinger auf ältere germanische Traditionen zurück, doch die Wikingerzeit stellt eine eigenständige Epoche der europäischen Geschichte dar.

Die Kelten waren also weder Germanen noch Wikinger. Sie bildeten einen eigenen Kulturraum Europas, dessen Einfluss bis heute in Archäologie, Mythologie, Handwerkskunst und traditionellem Pflanzenwissen sichtbar ist.

Pflanzennutzung bei den Kelten

Heilung, Magie und Alltagsleben

Die keltischen Druiden und Heiler verfügten über detailliertes Pflanzenwissen, das in der späteren Volksheilkunde Westeuropas weiterlebte. Pflanzen wurden sowohl praktisch-medizinisch als auch symbolisch-rituell genutzt, oft im Einklang mit Naturzyklen und Sonnenfesten.

Zentrale Pflanzen und ihre Bedeutung:

  • Mistel: heiligste Pflanze der Druiden, galt als „vom Himmel gefallen“
  • Eiche: Als Eichenlaub & Eichenrinde, Baum des Donar/Taranis, Stärke, Schutz
  • Beifuß: Ritualpflanze zur Reinigung und Orakelhilfe
  • Schafgarbe: Wundheilmittel und magisches Schutzkraut
  • Eisenkraut (Verbena): Zauberpflanze bei Schwüren & Weissagung
  • Brennnessel: Fruchtbarkeits- und Schutzsymbol
  • Holunder: Baum der Übergänge, Ahnenkontakt
  • Johanniskraut: Sonnensymbol, Schutz bei Sommerfesten
  • Weide: mit Mond und Wasser assoziiert, gegen Schmerz
  • Hasel: Baum der Weisheit, Quelle keltischer Dichtung
  • Klee & Farn: Glücks- und Sichtbarmacher in Feenriten
  • Huflattich, Kamille, Baldrian: bei Erkrankungen wie Husten, Fieber, Unruhe

Viele dieser Pflanzen wurden zu den Festtagen des keltischen Jahreskreises (Samhain, Imbolc, Beltane, Lughnasadh) gesammelt und mit Zaubersprüchen oder Mondzyklen als eine frühe Form von Naturmagie kombiniert.

Agrarwirtschaft bei den Kelten

Das Agrarwesen der Kelten war hochentwickelt, aber regional sehr unterschiedlich, abhängig von Klima, Landschaft und Stammeskultur. Es bildete die wirtschaftliche Grundlage der meisten keltischen Gesellschaften, vor allem zwischen dem 6. Jh. v. Chr. und der römischen Eroberung. Dabei betrieben die Kelten gemischte Landwirtschaft mit Tierhaltung, Ackerbau, Obstgärten und Wildsammlung.

Hauptnutztiere:

  • Rinder: Zugtiere, Fleisch- und Milchlieferanten, Statussymbol
  • Schafe & Ziegen: Wolle, Milch, Leder
  • Schweine: wichtige Fleischquelle, oft halbwild gehalten
  • Pferde: Reit- und Wagentiere, teils rituell verehrt
  • Hunde & Hühner: Alltagsnutzung, Bewachung, Eier

Angebaute Feldfrüchte:

  • Emmer, Einkorn, Dinkel, Gerste: Hauptgetreidearten
  • Hirse: anspruchslos, weit verbreitet
  • Hafer & Weizen: in späterer Latène-Zeit nachweisbar
  • Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Bohnen): eiweißreich, bodenverbessernd
  • Lein (Flachs): für Textilproduktion und Öl
  • Mohn, Rüben, Kohlarten: in Gärten und Beeten
  • Obstbäume: v. a. Äpfel, Beeren, Holunder, Hasel

Technik & Werkzeuge

  • Pflug (Hakenpflug): aus Holz mit Metallspitze, gezogen von Ochsen
  • Sicheln & Sensen: aus Eisen, vielfach archäologisch nachgewiesen
  • Vorratsspeicher: Pfahlbauten, Silogruben und Vorratsgefäße (Dolium)
  • Getreidemühlen: Handmühlen (Reibsteine), später auch rotierende Mühlen

Agrarische Rituale und Symbolik

  • Jahreskreisfeste wie Imbolc, Beltaine, Lughnasadh und Samhain hatten direkten Bezug zur Saat, Ernte und Viehhaltung
  • Fruchtbarkeitssymbole: Tiere, Getreideähren, Spiralen in Kultobjekten
  • Pflanzenopfer: Getreide, Kränze, Früchte wurden Flüssen, Hainen oder Quellen geopfert
  • Grabbeigaben mit Pflanzen: z. B. Getreide, Kräuter, Früchte als Wegzehrung für das Jenseits
  • Bauern waren hoch geachtet: in manchen Gesellschaften fast gleichrangig mit Kriegern

Ernährung & Verarbeitung

  • Brot & Brei: aus Getreidemehl, in Tonformen oder am Feuer gebacken
  • Milchprodukte: Butter, Käse (v. a. aus Ziegen- und Schafsmilch)
  • Gegorene Getränke: Met, Bier (aus Gerste oder Hirse), später auch Fruchtwein
  • Pflanzenöl: aus Lein, Haselnüssen oder Rapsarten (in geringen Mengen)

In befestigten Siedlungen (oppida) wurden oft große Speicherstrukturen gefunden, die ein Hinweis auf arbeitsteilige, organisierte Agrarwirtschaft sind.

Wichtige Heil- und Ritualpflanzen der Kelten

In der folgenden Übersicht findest du eine Auswahl keltischer Pflanzen mit ihrer rituellen Bedeutung und den bekannten oder überlieferten Heilwirkungen. Das Wissen darüber stammt aus archäologischen Funden, aus der späteren Volksmedizin sowie aus literarischen Quellen zu den Kelten.

Pflanze Rituelle / Symbolische Bedeutung Medizinische / Praktische Wirkung
Mistel Heiligste Pflanze der Druiden, Lebenssymbol, geschnitten bei Neumond Immunstärkend, entzündungshemmend, blutdrucksenkend
Eiche / Eichenrinde Baum des Donar/Taranis, Stärke, Mittelpunkt vieler Haine Adstringierend, bei Haut- und Schleimhautproblemen
Beifuß Reinigung, Schutz vor Geistern, Orakelriten Verdauungsfördernd, krampflösend
Schafgarbe Schutz- und Wundheilpflanze, bei Liebes- und Kriegssprüchen Blutstillend, antibakteriell, bei Menstruationsbeschwerden
Eisenkraut (Verbena) Pflanze für Eide, Schwüre und Weissagung Fiebersenkend, schmerzlindernd, wundheilend
Johanniskraut Sonnensymbol, Schutz bei Sonnenwende & Samhain Antidepressiv, wundheilend, nervenstärkend
Holunder Tor zur Unterwelt, Ahnenkontakt, in Todesriten Schweißtreibend, fiebersenkend, schleimlösend
Brennnessel Schutz vor Flüchen, Fruchtbarkeitssymbol Entzündungshemmend, eisenreich, blutreinigend
Weide Symbol für Wasser, Mond und Wandlung Schmerzlindernd (Salicylsäure), fiebersenkend
Hasel Baum der Weisheit, Inspiration, Dichtung Nerventonikum, kräftigend, Frucht als Nahrungsmittel
Farn Unsichtbarmachung, Übergangszauber In der Volksmedizin: entwässernd, antiparasitär
Klee Glückssymbol, besonders vierblättrig Mineralstoffreich, antioxidativ
Huflattich Schutz gegen „böses Wort“, für Atemrituale Schleimlösend, reizlindernd bei Husten
Baldrian Ruhige Träume, Schutz vor Nachtgeistern Beruhigend, schlaffördernd, angstlösend
Kamille Friedens- und Frauenpflanze Entzündungshemmend, magenstärkend

Diese Pflanzen waren tief verwoben mit dem spirituellen und heilkundlichen Alltag der Kelten. Viele Wirkweisen wurden später in klösterlicher Medizin, Volksheilkunde und modernen Kräuterlehren übernommen.

Nutzpflanzen der Kelten

Neben den Heil- und Ritualpflanzen hatten in der agrarisch geprägten Lebensweise der Kelten auch vielfältige Nutzpflanzen hohen Wert. Doch auch den klassischen Alltags- und Nutzpflanzen wurde eine hohe Symbolik zugesprochen. Diese Pflanzen waren Nahrung, Medizin und Mythos zugleich.

Pflanze Verwendung Symbolik / Rituelle Bedeutung
Dinkel Brot, Brei, Grütze Ernteopfer, Teil ritueller Speisen
Emmer & Einkorn Frühe Getreidearten für Brei und Bier Fruchtbarkeitssymbol, Grabbeigabe
Gerste Bierherstellung, Brei, Viehfutter Bei Festen verwendet (z. B. Lughnasadh)
Hirse Brei, Fladenbrot, leicht lagerfähig Alltagskost, symbolisch für Einfachheit
Hafer Brei, Futtergetreide Weniger kultisch, eher praktisch genutzt
Weizen (später) Brot, Brei Bei reichen Stämmen verbreitet, Statussymbol
Linsen & Erbsen Eintöpfe, Eiweißquelle Spender von Lebenskraft, bei Übergangsriten
Bohnen Proteinquelle, auch für Tierfutter Symbol für Wiedergeburt (Samenform), Samhain-Opfer
Lein (Flachs) Textilfaser, Öl aus Samen Reinigung, Verbindung mit Mondsymbolik
Kohlarten Gemüsekost, Heilwirkung bei Magenproblemen Alltagspflanze, nicht direkt kultisch
Rüben / Wurzeln Grundnahrung, Suppen, Lagergemüse Ernteopfer, Symbol für Erdverbundenheit
Mohn Samen für Speisen, kultisch auch als Schlafsymbol Schlaf, Tod, Wiedergeburt – bei Samhain verwendet
Äpfel Frisch oder getrocknet, fermentiert (Apfelwein) Fruchtbarkeit, Unsterblichkeit (Avalon)
Haselnüsse Nahrung, Ölquelle, Futter Weisheitssymbol, orakelhafte Bedeutung
Beeren (Holunder, Brombeere, Himbeere) Nahrung, Färbemittel Übergang zwischen Welten, besonders Holunder
Kräuter (Beifuß, Schafgarbe, Minze) Gewürze, Heilmittel Reinigungs-, Schutz- und Orakelpflanzen

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Handwerk bei den Kelten

Mystisch, meisterhaft, metallisch

Keltisches Handwerk war zugleich praktisch und kunstvoll. Besonders in der Metallverarbeitung zählten die Kelten zu den Besten Europas in Ihrer Zeit. Ihre Arbeiten waren oft spiralförmig, mit Tier-Darstellungen (zoomorph) und symbolisch aufgeladen.

Typische Handwerksbereiche bei den Kelten

  • Bronze- & Eisenverarbeitung: Schwerter, Speerspitzen, Schmuck – oft mit Spiralen, Tieren, Gesichtern verziert
  • Goldschmuck: Halsschmuck (Torques), Armreifen, mit Granulation und Treibarbeit
  • Keramik & Töpferei: Gebrauchskeramik, rituelle Gefäße, mit eingedrückten Mustern
  • Textilherstellung: Wolle, Leinen, mit Pflanzenfarben (z. B. Waid, Krapp), kunstvoll gewebt
  • Holz- & Lederbearbeitung: Kessel, Wagen, Trinkhörner, Gürtel und Masken
  • Glasherstellung & Emailkunst: Farbig emaillierte Broschen, Glasperlen, Fibeln
  • Schnitzkunst & Steinmetzarbeiten: Kultsteine, Symbolpfähle, Stelen

Viele Gegenstände wurden nicht nur im Alltag, sondern auch rituell im Wasser geopfert, beispielsweise in Seen, Flüssen und Mooren. Gerade in Mooren wurden zahlreiche Gegenstände somit zugleich konserviert und liefern uns beeindruckende Einblicke in die Welt der Kelten.

Werkzeuge und Handwerke der Kelten

In manchen Regionen glaubten die Kelten, dass ein geschmiedetes Eisenwerkzeug, etwa eine Sichel, Geister und Elfen fernhalten könne. Daher wurden solche Gegenstände auch an Hausübergängen oder in Gärten platziert.

Handwerk / Werkzeug Verwendung Kulturelle Bedeutung / Besonderheit
Hakenpflug aus Holz mit Eisenspitze Bodenbearbeitung, Getreideanbau Weit verbreitet; Symbol bäuerlicher Fruchtbarkeit und Erdverbundenheit
Sichel & Sense (aus Eisen) Ernte von Getreide und Kräutern Teil ritueller Erntefeste (z. B. Lughnasadh)
Reibstein / Handmühle Zerkleinerung von Getreide zu Mehl In vielen Haushalten, oft mit kultischer Bedeutung im Hauskult
Schmiedewerkzeug Herstellung von Waffen, Werkzeugen, Schmuck Der Schmied galt als magisch begabt, Brücke zwischen Welten
Bronzegussformen Guss von Schmuck, Kesseln, Statuetten Zeigt hohe Handwerkskunst; teils sakrale Verwendung (z. B. Kessel von Gundestrup)
Töpferscheibe / Handaufbau Gefäßherstellung aus Ton Keramik oft mit Spiralen, Tieren, Mustern, symbolisch aufgeladen
Webrahmen Herstellung von Textilien aus Wolle, Flachs Hochentwickelte Webkunst, mit pflanzlicher Färbung
Gerberwerkzeuge / Lederverarbeitung Herstellung von Kleidung, Schuhen, Riemen Tierhäute wurden rituell respektvoll verarbeitet
Glasperlen-Werkzeuge Herstellung von Schmuck und Amuletten Glas galt als magisch (z. B. blau für Schutz), Symbol für Status
Holzverarbeitung / Schnitzmesser Möbel, Wagen, Waffen, Kultgegenstände Holz galt als beseelt, Werkzeuge wurden oft geweiht oder benannt
Kessel und große Bronzeschalen Kochen bei Festen, kultisches Trankopfer Zentrum keltischer Festkultur und Gemeinschaftsrituale
Schmuckwerkzeuge (Gravur, Treibarbeit) Herstellung von Fibeln, Armreifen, Torques Schmuck als Status- und Schutzsymbol, oft rituell aufgeladen
Steinmetzwerkzeug Grabanlagen, Kultsteine, Wegmarkierungen Spiralen, Sonnenräder, Figuren mit kultischer Bedeutung
Wagenteile / Radtechnik Transport, Kriegsführung, Prozessionen Rituelle Bedeutung bei Bestattungen – Wagen im Grab
Geräte zur Bier- und Metherstellung Gärgefäße, Holzlöffel, Deckel Alkoholische Getränke als Opfergaben und Festtrunk

Handwerksberufe und Tätigkeitsbereiche bei den Kelten

Typische keltische Handwerksberufe bzw. ihre Vorstufen sind heute basierend auf archäologischen Funden, historischer Forschung und Rekonstruktionen des gesellschaftlichen Lebens der Kelten bekannt. Diese „Berufe“ waren keine spezialisierten Zünfte wie im Mittelalter, sondern eher funktionale Rollen innerhalb von Sippen, Clans oder Stammesgemeinschaften, oft mit magisch-religiösem Ansehen.

Tätigkeit / Berufsbezeichnung Aufgabenbereich Besonderheiten / Status
Schmied / Bronzegießer / Eisenarbeiter Waffen, Werkzeuge, Schmuck, Wagenbeschläge Hoher Status, oft als „magischer Beruf“ verehrt
Töpfer / Keramiker Herstellung von Gefäßen für Haushalt, Lagerung, Rituale Manche Gefäße speziell für rituellen Gebrauch gefertigt
Weber / Spinner Herstellung von Kleidung, Stoffen, Seilen Häufig Frauenberuf; feine Gewebe mit Pflanzenfarben
Färber Färbung von Wolle, Leinen mit Pflanzen (Waid, Krapp, Holunder) Verwendung symbolischer Farben (z. B. Blau für Schutz)
Lederarbeiter / Gerber Herstellung von Schuhen, Rüstungen, Gurten, Behältern Leder auch für Ritualmasken und Trommeln
Holzarbeiter / Wagenbauer / Zimmerer Möbel, Wagen, Waffenstiele, Kultobjekte Hochgeschätzt, oft auch Bildschnitzer
Steinmetz / Bildhauer Grabstelen, Kultsteine, Skulpturen, Wegzeichen Träger sakraler Bildsprache
Goldschmied / Silberschmied Herstellung von Torques, Armreifen, Broschen Oberschicht-Handwerk mit ritueller Komponente
Glasperlenmacher / Emailleur Schmuckproduktion, Amulette, Gewandschmuck Glas als Schutzsymbol; farbige Emailarbeiten als Statussymbol
Kesselbauer / Blechschmied Guss von Bronzeschalen und Ritualkesseln Besonders bedeutend für Feste, Trankopfer, Rituale
Sattler / Pferdeausrüster Herstellung von Zaumzeug, Sätteln, Lederteilen für Kriegswagen Besonders bei Reitervölkern und Oberschicht wichtig
Bogenbauer / Waffenhersteller Produktion von Schwertern, Speeren, Bögen, Schildbeschlägen In Kriegergesellschaften hochgeachtet
Hausbauer / Lehmbauer Bau von Rundhütten, Speichern, Palisaden Meist gemeinschaftlich ausgeführt, aber mit Spezialisierungen
Brauer / Getränkebereiter Herstellung von Met, Bier, Kräutertrünken Getränke als rituelle und soziale Elemente
Kräuterverarbeiter / Salbenmischer Mischung von Heilpflanzen zu Ölen, Salben, Räucherwerk Überschneidung mit Heilkunst, oft Frauenberuf

Besonderheiten der keltischen Pflanzen- & Handwerkskultur

  • Druiden & Seherinnen: Heiler, Astronomen, Richter; Pflanzen als Tor zur Anderswelt
  • Kalender & Sonnenfeste: Jahreskreisfeste mit Bezug zu Wachstum, Ernte und Tod
  • Sprachmagie: Worte und Gesänge wurden als „wirksam“ verstanden, z. B. Pflanzenzauber
  • Ahnen- & Naturkult: Bäume, Quellen, Steine und Pflanzen galten als beseelt
  • Keine Tempel: Rituale fanden in Heiligen Hainen (Nemeton) statt, oft mit Pflanzengebinden und Feuer. Waffen- und Werkzeugopfer in Seen und Mooren belegen die spirituelle Aufladung der Gegenstände.
  • Gleichgewicht mit der Natur: Krankheiten wurden als Störung des Gleichgewichts gesehen – Heilpflanzen halfen zur Wiederherstellung
  • Keltische Agrarwirtschaft: nachhaltig (Fruchtwechsel, Mischkultur), symbolisch aufgeladen (Heilige Haine, Erntefeste) und technologisch gut entwickelt (Pflug, Eisenwerkzeug, Speichertechnik).
  • Werkzeuge hatten neben dem Alltagsnutzen auch symbolischen oder rituellen Wert und wurden häufig als Grabbeigaben verwendet – nicht nur bei Kriegern, sondern auch bei Handwerkern und Frauen..
  • Handwerke wie Schmiedekunst und Weberei galten als sakral oder magisch, mit Übergang zur Anderswelt.
  • Viele Berufe waren geschlechterübergreifend, z. B. Weberei oder Heilpflanzenverarbeitung.
  • Es gab keine starren Berufskasten, aber spezialisierte Familien oder Sippenlinien mit bestimmten Fähigkeiten.

Verbindung von Arbeit und Glaubenskult

In der irisch-keltischen Mythologie ist Goibniu der Gott des Schmiedens. Seine Waffen verfehlten nie ihr Ziel, und er braute das Bier der Unsterblichkeit. Schmied und Brauer vereint gelten daher als ein Hinweis auf die spirituelle Tiefe keltischer Handwerke.

Goibniu [‚govʴnʴu] (altirisch gobae, gobann „Schmied“), auch Goibhniu oder Gavida, ist eine Sagengestalt aus der keltischen Mythologie Irlands. Er und seine Brüder Credne und Luchta sind auch bekannt als die drei Götter des Handwerks (Trí dée Dána) der Túatha Dé Danann.

Das Erbe keltischen Wissens in Pflanzen- und Handwerkskunde

Das Kräuterwissen und handwerkliche Fertigkeiten wurde bei den Kelten über Generationen hinweg mündlich weitergegeben. In ihrem tiefen Verständnis für die Natur verbanden sich praktisches Können, spirituelle Deutung und alltägliche Erfahrung zu einem ganzheitlichen Weltbild. Bis heute wirkt dieses Erbe nach und zeigt sich in der Volksheilkunde, der Kräutermedizin, in überlieferten Handwerkstechniken und in keltisch inspirierten Bewegungen. Es erinnert uns daran, wie eng Mensch, Pflanze und Handwerk einst miteinander verwoben waren und wie wertvoll dieses alte Wissen auch für unsere Zeit sein kann.

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