Johanniskraut

Pflanzenvorstellung Johanniskraut

Pflanzenvorstellung Johanniskraut

Leuchtend gelbe Blüten und ihre besondere Verbindung zur Sommersonnenwende machten das Johanniskraut seit Jahrhunderten zu einer der bekanntesten Heil- und Ritualpflanzen Europas. Bereits in der Volksheilkunde und Klostermedizin wurde die Pflanze geschätzt und mit Schutz, Licht und innerer Stärke verbunden. Bis heute zählt Johanniskraut zu den wichtigsten traditionellen Heilkräutern der europäischen Naturheilkunde.

  • Pflanzenname: Johanniskraut
  • Lateinische Bezeichnung: Hypericum perforatum L.
  • Synonyme:
  • Pflanzenfamilie: Hypericaceae (Hartheugewächse)
  • Pflanzenordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
  • Vorkommen: Europa, Asien, Nordafrika, Nordamerika; vor allem auf Wiesen, Waldrändern und trockenen Böschungen
  • Volkstümliche Namen: Jesuswundenkraut, Sonnwendkraut, Teufelsflucht, Manneskraftkraut, Tüpfel-Johanniskraut, Echtes Johanniskraut, Blutkraut, Herrgottsblut, Konradskraut, Feldhopfenkraut, Tüpfelhartheu, Jageteufel, Herrgottskraut, Hexenkraut, u.a.

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Beschreibung der Pflanze Johanniskraut

Das bekannte Johanniskraut wächst bis zu 90 cm hoch bevorzugt in lichten Wäldern, teilweise jedoch auch zwischen Pflanzungen – beispielsweise in Weinbergen. Die Stengel sind im oberen Bereich dicht verzweigt und starr; die Blätter sind elliptisch, dunkelgrün, die Ränder glatt. Ans Licht gehalten kann man auf den Blättern die Öldrüsen als kleine helle Punkte sehen, was ihr den Namen „perforatum“ eingebracht hat.

Von Juni bis August zeigt das Johanniskraut auffallend goldgelbe, fünfblättrige Blüten, deren Kronblätter am Rand oft kleine schwarze Punkte besitzen (Hypericin-Drüsen). Zerreibt man die Blüten zwischen den Fingern, tritt ein roter Farbstoff aus, das auch als Rotöl bezeichnet wird.

Detail-Zeichnung Johanniskraut

Johanniskraut auf einen Blick

  • Lebensform: mehrjährig, winterhart
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Erntezeit: während der Blütezeit (Ende Juni bis August)
  • Art der Ernte: Blütenstände mit oberen Blättern
  • Konservierung: Trocknung oder Ölauszug
  • Standort: sonnig, trockene bis leicht feuchte, durchlässige Böden
  • Pflegeanspruch: anspruchslos, winterhart, Rückschnitt im Frühjahr
  • Vermehrung: Aussaat, Stecklinge, Wurzelteilung

Wichtige Hinweise

  • Kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen (photosensibilisierend)
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich (z.B. Pille, Antidepressiva, Immunsuppressiva)
  • Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Heilkraut, Wildkraut, Ölpflanze

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Überlieferte Verwendung von Johanniskraut

Die nachfolgend aufgeführten Verwendungen und Einsatzbereiche stammen aus alten Überlieferungen zu Volksheilkunde, Brauchtum und Geschichte. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen, erheben jedoch keinen Anspruch auf uneingeschränkte Richtigkeit und Vollständigkeit, da die moderne Forschung regelmäßig Neuerungen hervorbringt.

Bitte sprich vor jedweder Nutzung – insbesondere in Gesundheit und Kulinarik – mit einem Arzt oder Apotheker und kläre gegebenenfalls mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Für Deine Nutzung ohne individuelle Abklärung übernehmen wir keine Haftung.

Johanniskraut in Naturheilkunde & Volksheilkunde

Inhaltsstoffe der Pflanze Johanniskraut: Hypericin, Hyperforin, Flavonoide, ätherisches Öl, Gerbstoffe

Johanniskraut zählt zu den wichtigsten und am besten erforschten Heilpflanzen unserer Breiten. Traditionell wird es bei nervöser Unruhe, depressiven Verstimmungen und Schlafproblemen verwendet. Die Pflanze besitzt nachgewiesene stimmungsaufhellende und leicht beruhigende Eigenschaften, die hauptsächlich auf die Inhaltsstoffe Hypericin und Hyperforin zurückzuführen sind.

Johanniskrautöl (Rotöl) wird außerdem äußerlich bei Wunden, Verbrennungen, Muskelschmerzen, Prellungen und zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt. Wegen möglicher Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollte die Einnahme jedoch stets ärztlich abgeklärt werden.

Johanniskraut in Kosmetik & Pflege

In der Kosmetik findet das Rotöl des Johanniskrauts vielfach Anwendung. Aufgrund seiner entzündungshemmenden, beruhigenden und regenerierenden Eigenschaften eignet es sich hervorragend zur Pflege von gereizter, trockener und spröder Haut. Es unterstützt die Heilung von kleinen Verletzungen, Sonnenbrand, Neurodermitis sowie anderen Hautirritationen. Vor allem in Naturkosmetikprodukten wie Salben, Cremes und Lotionen ist Johanniskrautöl daher oft ein wichtiger Bestandteil. Aufgrund der photosensibilisierenden Wirkung sollten Produkte jedoch nicht unmittelbar vor längerer Sonnenexposition angewendet werden.

Johanniskraut in der Küche

Johanniskraut hat aufgrund seiner Bitterstoffe und des typischen Aromas nur eine begrenzte Rolle in der Küche. Traditionell werden die frischen Blüten jedoch für Johanniskrautöl („Rotöl“) verwendet, das gelegentlich in kleinen Mengen bei Salaten oder kalten Speisen als aromatisches Würzmittel dient. Auch die Herstellung eines leicht bitteren, aromatischen Kräuterlikörs oder Tees ist möglich, wobei jedoch auf die Dosierung geachtet werden sollte, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Johanniskraut für Dekorationen

Mit seinen strahlend gelben Blüten, die den Höhepunkt des Sommers markieren, ist Johanniskraut eine beliebte Pflanze für sommerliche Kräutersträuße, Kränze und Tischdekorationen. Besonders in Verbindung mit Kräuterbündeln zur Sommersonnenwende, um den Johannistag (24. Juni), findet Johanniskraut seinen Platz in Brauchtum und Dekoration.

Johanniskraut in altem Handwerk

Historisch gesehen war Johanniskraut aufgrund seines intensiven roten Farbstoffs (Hypericin) eine interessante Pflanze in der Textilfärberei. In der Vergangenheit wurde es gelegentlich zum Färben von Leinen oder Wolle verwendet, um einen zarten, gelblichen bis rötlichen Farbton zu erzielen. Diese Nutzung ist heute kaum noch üblich, da die erzielten Farben nur begrenzt lichtecht sind.

Im Handwerk der Gerber und Leder-Verarbeiter war es ebenfalls geschätzt: Auszüge aus den blütenreichen Spitzen dienten zur milden Reinigung und Pflege feiner Lederstücke, da das Kraut leichte Fette löst und zugleich eine sanfte Schicht auf der Oberfläche hinterlässt. Gerber nutzten Johanniskrautöl zudem, um Handschuhe, Riemen oder dünne Häute geschmeidig zu halten.

Im Farb- und Malerhandwerk war Johanniskraut eine Pflanze von besonderem Interesse. Die frischen Blüten ergeben in Öl ein tiefes Rot, das als „Johannisöl“ nicht nur als Salbgrund, sondern auch als Pigmentträger und Firniszusatz eingesetzt wurde. Maler schätzten die leicht rötliche Tönung für Lasuren oder zum Einfärben dünner Ölfilme. Einige Werkstätten nutzten den Blütensaft als temporäre Markierfarbe auf Holz oder Leder, da er sich nach dem Trocknen gut wieder entfernen ließ.

Auch im Buch- und Papierhandwerk fand Johanniskraut Anwendung. Blütenabkochungen dienten als mildes Färbewasser, um Papiere warmgelb zu tönen oder dekorative Ränder zu gestalten. In kleinen Werkstätten wurde das Kraut außerdem verwendet, um Kleister und Leime leicht zu färben oder angenehmer zu machen, da sein Duft als beruhigend und reinigend galt.

Im Seifen-, Öl- und Hausgewerbe nutzten Handwerker Johanniskraut für aromatische Ölauszüge. Diese farbintensiven Öle dienten als Zusatz für Werkstattseifen, zur Pflege von Holzbrettern und Werkzeuggriffen oder als natürlicher Glanzgeber bei Holz- und Hornarbeiten. Schreiner und Drechsler verwendeten Johanniskrautöl gelegentlich als feinen Polierzusatz, um hellen Hölzern eine warme Tönung zu verleihen.

Johanniskraut in Überlieferungen & Aberglauben

Um das Johanniskraut ranken sich seit jeher zahlreiche Legenden und Überlieferungen. Bereits bei Dioskurides und Plinius erhielt die Pflanze ihren Namen Hypericum und war bei ihnen schon als Heilpflanze bekannt. Der Artname perforatum bezieht sich dabei auf die scheinbar von Öldrüsen „durchlöcherten“ Blätter. Bis das Johanniskraut auch im Mittelalter seinen Weg in die Kräuterbücher fand, hatten sich die Nutzungsgebiete häufig geändert.

In vorchristlicher Zeit war die Pflanze der Sommersonnenwende geweiht und galt als Lichtbringer und Schutzpflanze. Im christlichen Volksglauben wurde die Pflanze dann dem Heiligen Johannes gewidmet. Sie wurde in Häusern aufgehängt, um vor bösen Geistern und Blitzeinschlägen zu schützen. Der rote Farbstoff der Blüten symbolisierte das Blut Christi, weshalb sie auch „Herrgottsblut“ oder mit Bezug zur Blütezeit im Sommer rund um den Johannistag „Johannisblut“ genannt wurde. In der Volksmagie diente Johanniskraut als Schutzkraut gegen Hexenzauber und Dämonen, und sollte Glück, Gesundheit und Erfolg bringen.

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