Die tiefroten Wurzeln des Färberkrapps lieferten über Jahrhunderte den bedeutendsten roten Pflanzenfarbstoff Europas: Alizarin. Färberkrapp war eine der bedeutendsten und wirtschaftlich wichtigsten Färbepflanzen des alten Handwerks. Sein Wurzelstock lieferte das begehrte Krapprot, eines der haltbarsten Rotpigmente der europäischen und vorderasiatischen Textilgeschichte.
In der Werkstatt der Färber diente Krapp über Jahrhunderte als Hauptquelle für warmrote, ziegelrote und karminähnliche Farbtöne, die zudem licht- und waschecht waren. Je nach Beize (oft Alaun, seltener Zinn oder Eisen) entstanden unterschiedliche Farbnuancen, von zartem Rosa bis zu tiefem, edlem Dunkelrot.
Im Tuchmacher-Handwerk war Krapp unverzichtbar, Hochwertige Wolltuche, Stoffe für Militäruniformen, Kloster- und Städterkleidung, Teppiche und Fahnen erhielten ihre Rotfärbung meist aus Krappwurzel. Auch im Leinen- und Baumwollfärben spielte Krapp eine wichtige Rolle, besonders in Regionen mit lebendigen Textilgewerben wie Süddeutschland, Flandern oder dem Osmanischen Reich.
Im Druckhandwerk, vor allem im Kattundruck, wurde Krapp für sogenannte Beizen- und Reservetechniken genutzt. Stoffdrucker setzten Krapp ein, um dauerhafte rote Muster, Bordüren und florale Ornamente zu erzeugen. Die Pflanze war so bedeutend, dass der Krappanbau in manchen Regionen staatlich gefördert und streng reguliert wurde – so z.B. in der Capitulare de Villis.
Auch im Mal-, Papier- und Buchhandwerk hinterließ Krapp Spuren. Aus der Wurzel wurde der Farbstoff Madder-Lack gewonnen, ein lichtbeständiges Pigment, das für Tafelmalerei, Miniaturen, Tempera und frühe Ölmalereien verwendet wurde. Kunsthandwerker schätzten die gute Mischbarkeit und die Wärme des Farbtons.
Nach dem Färbevorgang nutzte man die ausgekochte Krappmasse im ländlichen Gewerbe gelegentlich weiter, etwa als Kompostzusatz, Tierstreu oder zur leichten Tönung einfacher Bastfasern.