Baldrian

Pflanzenvorstellung Baldrian

Zwischen zarten weißlich-rosa Blüten und kräftig duftenden Wurzeln verbirgt sich mit dem Baldrian eine der traditionsreichsten Heilpflanzen Europas. Bereits seit der Antike wird Baldrian vor allem wegen seiner beruhigenden Eigenschaften geschätzt und fand über Jahrhunderte hinweg Verwendung in Klostermedizin, Volksheilkunde und Kräuterkunde. Besonders zur Förderung von Entspannung, innerer Ruhe und Schlaf gehört die Pflanze bis heute zu den bekanntesten klassischen Heilkräutern.

  • Pflanzenname: Baldrian
  • Lateinische Bezeichnung: Valeriana officinalis L.
  • Synonyme: Valerianae radix, Valerianae rhizoma
  • Pflanzenfamilie: Baldriangewächse (Valerianaceae)
  • Pflanzenordnung: Kardenartige (Dipsacales)
  • Vorkommen: Europa, gemäßigte Zonen Asiens, kultiviert auch in Nordamerika (v. a. USA)
  • Volkstümliche Namen: Katzenkraut, Augenwurzel, Stinkwurz, Katzenwürzel, Hexenkraut, Bullerjan, Mondwurz, Balderwurzel, u.a.

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Beschreibung der Pflanze Baldrian

Der Baldrian ist eine kräftige, ausdauernde Staude mit aufrechtem, hohlem und gefurchtem Stängel, die bis zu 1,5 m hoch werden kann. Seine Blätter sind gegenständig, schmal-lanzettlich und gefiedert, der Duft der frischen Blätter erinnert entfernt an Meerrettich. Die blassrosafarbenen bis weißen Blüten stehen in schirmförmigen Trugdolden und verströmen einen zarten Duft – ganz im Gegensatz zur Wurzel. Diese ist kurz, dick, mit hellen, faserigen Wurzelresten und riecht streng – manche vergleichen sie mit altem Leder.

Detail-Zeichnung Baldrian

Baldrian auf einen Blick

  • Lebensform: Mehrjährig, winterhart, Staude
  • Blütezeit: Mai bis August
  • Erntezeit:
    Wurzeln: im Herbst des 2. Jahres nach dem Absterben der oberirdischen Teile;
    Blätter: April bis Mai; Blüten: Mai bis Juni
  • Art der Ernte: Wurzel ausgraben, gründlich reinigen, in Stücke schneiden und langsam bei niedriger Temperatur trocknen.
  • Konservierung: Getrocknete Wurzel gut verschlossen lagern, hält mehrere Jahre, verliert jedoch allmählich an Wirkung.
  • Standort: Sonnig bis halbschattig, feuchter und nährstoffreicher Boden
  • Wachstumsstandort: Feuchte Wiesen, Uferbereiche, Kräuterbeete, Hochbeete
  • Pflegeanspruch: Pflegeleicht; reichlich Kompost einarbeiten, regelmäßig gießen, im zweiten Jahr ernten
  • Vermehrungsart: Teilung oder Aussaat im Frühjahr; Pflanzabstand etwa 60 cm

Wichtige Hinweise

  • Nicht über einen längeren Zeitraum oder zu häufig einnehmen.
  • Wurzelgeruch zieht Katzen an
  • kann bei Hautkontakt reizend wirken
  • Wurzel besitzt intensiven Eigengeruch (ranzig bis ledrig).

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Überlieferte Verwendung von Baldrian

Die nachfolgend aufgeführten Verwendungen und Einsatzbereiche stammen aus alten Überlieferungen zu Volksheilkunde, Brauchtum und Geschichte. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen, erheben jedoch keinen Anspruch auf uneingeschränkte Richtigkeit und Vollständigkeit, da die moderne Forschung regelmäßig Neuerungen hervorbringt.

Bitte sprich vor jedweder Nutzung – insbesondere in Gesundheit und Kulinarik – mit einem Arzt oder Apotheker und kläre gegebenenfalls mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Für Deine Nutzung ohne individuelle Abklärung übernehmen wir keine Haftung.

Baldrian in Naturheilkunde & Volksheilkunde

Inhaltsstoffe der Pflanze Baldrian: Valerensäure, Valepotriate, Ätherisches Öl, Alkaloide, Bornylacetat, Sesquiterpene

Kaum ein anderes Kraut steht so sehr für Entspannung, Beruhigung und Schlaf wie Baldrian. Die Wurzel wird in der Volksheilkunde wie auch modernen Pflanzenheilkunde bei Unruhezuständen, Einschlafstörungen, nervöser Reizbarkeit, Angstzuständen und vegetativen Beschwerden eingesetzt. Die Wirkung entfaltet sich langsam, aber sanft und nachhaltig. Auch Magenbeschwerden durch Stress, nervöse Herzbeschwerden und Reizdarm werden traditionell mit Baldrian behandelt.

Sein Einsatz erfolgt meist als Kräutertee, Tinktur oder in Kapsel- und Tablettenform. Das aus der Wurzel gewonnene ätherische Öl wird ebenfalls verwendet, vor allem in entspannenden Aromamischungen oder Badezusätzen.

Baldrian in Kosmetik & Pflege

In der Naturkosmetik kommt Baldrian vor allem als Dekokt der Wurzel zur Anwendung. Er eignet sich zur Herstellung von beruhigendem Gesichtswasser bei unreiner oder gereizter Haut sowie als Badekraut-Zusatz für Entspannungsbäder. In Haarwasser oder Salben findet sich die beruhigende Wirkung der Baldrian-Wurzel bei juckender Kopfhaut oder nervöser Haut.

Baldrian in der Küche

Weniger bekannt, aber durchaus möglich ist die Verwendung des jungen Baldrians in der Küche. Die Blätter lassen sich wie Feldsalat zubereiten. Das Aroma ist mild und leicht nussig. Die getrocknete Wurzel kann in Suppen, Eintöpfen oder Fleischfüllungen als kräftiges Gewürz genutzt werden. Aufgrund ihres starken Aromas sollte sie allerdings sparsam dosiert werden.

Baldrian für Dekorationen

Der Baldrian eignet sich hervorragend als Randpflanze in Kräutergärten, Naturgärten und Bauerngärten. Seine imposante Erscheinung, kombiniert mit dem Nutzen für andere Pflanzen. So gilt Baldrian als Gartenpflanze als anziehend für Regenwürmer und Wachstumsförderer. Das macht Baldrian zu einem wertvollen Begleiter im Garten. Baldrian-Blüten lassen sich frisch in Wildkräuter-Sträußen verwenden.

Baldrian in altem Handwerk

Baldrian wurde traditionell in Apotheken, Klöstern und bäuerlichen Hausmitteln verarbeitet: Als Bestandteil von Heilsalben, Tinkturen, beruhigenden Tees oder als Räucherwerk zur Dämonenabwehr und Reinigung. Seine Wurzel wurde zum Pestkräuterkranz gebunden oder am Haus angebracht.

Im Volksglauben galt er als Amulett und „Wächterpflanze“ gegen ungebetene Gäste. Die Bewegung des aufgehängten Baldrians sollte den Besuch einer Hexe anzeigen. Mitunter wurde auch berichtet, dass wandernde Handwerksburschen Baldrian als natürliches Einschlafmittel auf der Walz nutzten, wenn sie nach langen Märschen nicht zur Ruhe kamen.

Baldrian in Überlieferungen & Aberglauben

Der Name Baldrian wird oft mit dem Lichtgott Baldur der Germanen in Verbindung gebracht, wenngleich dies wissenschaftlich nicht belegt ist. Wahrscheinlicher ist der Ursprung im lateinischen valere für „gesund sein, stark sein“. Bereits die antiken Griechen und Römer nutzten Baldrian unter dem Namen „Phu“, aufgrund seines charakteristischen Geruchs. Baldrian galt schon zu diesen antiken Zeiten als harntreibend, krampflösend und menstruationsfördernd.

Im Mittelalter war der Baldrian ein vielseitig genutztes Zauber- und Heilkraut: Er wurde als Aphrodisiakum verwendet, sollte vor der Pest schützen und galt als Abwehrmittel gegen Hexen, Dämonen und den Teufel. Baldrianbüschel wurden in Häusern aufgehängt, Baldrianbäder gegen Verzauberung empfohlen. Ein Kranz aus Baldrian über der Milchkanne sollte verhexte Milch wieder gerinnen lassen. Wer Baldrian in den Schuh legte, so der Glaube, blieb unbeeinflusst von dunklen Einflüssen.

Auch Katzen, besonders Kater, fühlen sich stark vom Duft des Krauts angezogen, da dieser dem Sexuallockstoff ähnelt. Das brachte ihm auch den Beinamen „Katzenkraut“ ein.

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