Die Kelten waren keine einheitliche „Supernation“, sondern ein Mosaik miteinander verwandter Stämme. Sie prägten ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. große Teile Mittel-, West- und Südeuropas. Archäologen unterscheiden eine ältere Hallstatt-Kultur (Urnenfelder, Salzbergbau) und die elegante La-Tène-Kultur mit kunstvoll geschwungenen Tier- und Rankenmotiven. Zeitgenössische Griechen nannten sie Keltoi, Römer Celtae oder Galli und staunten über ihre prunkvollen Halsreifen, bunt gemusterten Stoffe und ringförmigen Festungsanlagen auf Bergspornen.
Keltische Gemeinschaften wie Helvetier, Boier, Aremoricer oder Tylänger sprachen indogermanische Dialekte, die heute als Vorstufen des Irischen, Walisischen oder Bretonischen gelten. Ihr Sozialgefüge bestand aus freien Kriegerbauern, kunstfertigen Handwerkern und einer geistigen Elite von Druiden, die Recht, Astronomie und Kult hüteten. Letzterer fand unter freiem Himmel oder in heiligen Hainen statt; Opferkessel, Wagengräber und Torques zeigen den reichen Kosmos symbolischer Objekte, dem Pferd, Mistel oder Eber besondere Bedeutung zukam.
Im 4. Jh. v. Chr. dehnten keltische Söldnerzüge sich bis Kleinasien (Galater) aus; andere überschritten die Alpen und plünderten 390 v. Chr. Rom. Ab dem 2. Jh. v. Chr. wurden ihre Territorien jedoch schrittweise in das römische Imperium integriert: Gallien, Iberien, Britannien. Dabei verschmolzen keltische und römische Lebensweisen durch eine lateinisch-keltische Mischsprache (Gallo-Romanisch) und Göttersynkretismus (Cernunnos – Mercurius).
Trotz Romanisierung und später angelsächsischer Expansion blieben keltische Sprachen und Bräuche an den „Rändern“ Europas lebendig. Irische Mönche bewahrten keltische Mythen, moderne Nationalbewegungen entdeckten im 19. Jahrhundert ihre ornamentale Kunst neu, und das heutige „keltische Revival“ spiegelt sich in Musik, Festivals und einem anhaltenden Interesse an einer faszinierend vielfältigen Kultur, die Europa tief geprägt hat.