Im Mittelalter, als sich die Städte weiterentwickelten und die Hygiene einen neuen Stellenwert gewann, formte sich langsam der Beruf des Seifensieders. Nach der Nutzung von Seifenkräutern kam es zu neuen Entwicklungen in der Waschkultur. Zunächst waren es oft Klöster, die mit ihrer Kräuter- und Heilkunde die Herstellung von Seife verfeinerten. Sie verbanden pflanzliche Öle mit Lauge aus Holzasche, und fanden heraus, dass diese Mischung nicht nur reinigte, sondern auch heilend wirken konnte.
Ab dem 13. Jahrhundert bildete sich der Beruf des Seifensieders in europäischen Städten heraus. Besonders im Mittelmeerraum, etwa in Marseille, Florenz und Genua, wurden erste professionelle Seifenmanufakturen gegründet. Dort war die Grundlage meist das leicht verfügbare Olivenöl. In deutschen Regionen wie Köln, Nürnberg oder Augsburg wurden hingegen tierische Fette verwendet. Schweineschmalz oder Rindertalg, versetzt mit Pottasche aus verbranntem Holz, bildeten die Grundlage. Die Kunst des Siedens bestand darin, das richtige Verhältnis von Fett zu Lauge zu finden und die Temperatur exakt zu kontrollieren. War es zu heiß, verbrannte die Mischung. War es zu kalt, blieb die Masse seifig und fettig. Es war ein Prozess, der Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Geduld erforderte.