Im traditionellen Handwerk wurde Efeu (Hedera helix) vielseitig genutzt, auch wenn er selten zu den zentralen Rohstoffpflanzen zählte. Besonders geschätzt waren die in den Blättern enthaltenen Saponine. Dies sind natürliche, seifenähnliche Stoffe, die in Wasser eine leicht schäumende Waschlauge bilden. Frische, zerkleinerte Blätter wurden hierzu in Wasser eingeweicht oder leicht aufgekocht. Die gewonnene Lauge diente vor allem zum schonenden Waschen empfindlicher Textilien wie Wolle oder Leinen, da sie reinigt, ohne die Fasern stark zu beanspruchen. Auch im Haushalt fand sie zum Entfetten und Reinigen Verwendung.
Neben dieser praktischen Nutzung spielte Efeu auch in einfachen Flecht- und Bindearbeiten eine Rolle. Seine langen, biegsamen Triebe wurden zum Fixieren von Reisigbündeln, im Gartenbau oder als natürliches Bindematerial eingesetzt. Darüber hinaus war die Pflanze im dekorativen Handwerk und Brauchtum von Bedeutung: Immergrüne Efeuranken wurden zu Kränzen, Girlanden und Schmuck verarbeitet und galten als Symbol für Beständigkeit und Treue.
Vereinzelt fanden Efeublätter auch Anwendung im Bereich der Naturfarben, wobei eher dezente Grün- oder Gelbtöne erzielt wurden. Ebenso gibt es Hinweise auf eine begrenzte Nutzung im Zusammenhang mit dem Gerben, die jedoch keine größere handwerkliche Bedeutung erlangte. In der häuslichen Salbenherstellung wurde Efeu gelegentlich verarbeitet, etwa für Einreibungen, wobei hier Erfahrung im Umgang mit der reizenden Pflanze erforderlich war.
Auch indirekt hatte Efeu einen festen Platz im traditionellen Wirtschaften: Als wichtige Spätblüherpflanze lieferte er im Herbst Nektar für Bienen und unterstützte so die Imkerei. Insgesamt zeigt sich Efeu als vielseitige Nutzpflanze, die im alten Handwerk vor allem als ergänzender Rohstoff für Reinigung, Bindearbeiten, Dekoration und einfache Hausmittel diente.
Zudem wurde Efeu in der Volkskunst gerne als Symbolpflanze in Steinmetz-Arbeiten, Stickereien oder Gemälden dargestellt.