Der Name acetosa leitet sich vom lateinischen Wort für „Essig“ ab und verweist auf den charakteristisch säuerlichen Geschmack der Pflanze. Bereits in der Antike bei den Römern und Griechen war Sauerampfer bekannt und wurde sowohl als Nahrungsmittel als auch als Nutzpflanze geschätzt.
So beschrieb Dioskurides in seinem Werk De Materia Medica verschiedene Ampferarten und ihre Eigenschaften, insbesondere im Zusammenhang mit Verdauung und kühlender Wirkung. Auch Plinius der Ältere erwähnte in seiner Naturalis Historia Ampfergewächse und deren Verwendung im Alltag.
Für die Kelten und Germanen ist keine eindeutige, spezifische Überlieferung zum Sauerampfer belegt, doch als weit verbreitetes Frühlingskraut im europäischen Raum wurde er vermutlich als nährende und belebende Wildpflanze geschätzt.
Im Mittelalter wurde das Wissen über Sauerampfer weitergeführt. Hildegard von Bingen ordnete Pflanzen mit ähnlichen Eigenschaften in ihr naturheilkundliches Weltbild ein, wobei die genaue Unterscheidung einzelner Ampferarten damals noch nicht immer eindeutig war.
Mit der frühen Neuzeit und der Entwicklung der Botanik wurde Sauerampfer klarer beschrieben. Hieronymus Bock erwähnte ihn in seinem Kreutterbuch als verbreitetes Wildkraut und ging sowohl auf seine Nutzung in der Küche als auch auf seine Bedeutung in der Volksheilkunde ein. Auch Leonhart Fuchs führte Ampferarten in seinem Werk De Historia Stirpium auf und trug zur systematischeren Einordnung bei.
Im Volksglauben wurde Sauerampfer vor allem als belebendes Frühlingskraut wahrgenommen. Nach den entbehrungsreichen Wintermonaten galt er als „reinigende“ Pflanze, die neue Kraft schenken und den Körper symbolisch erneuern sollte. Gleichzeitig wurde er als stärkendes Wildgemüse geschätzt, das den Beginn der warmen Jahreszeit markierte.
Darüber hinaus schrieb man der Pflanze in einigen Regionen symbolische Bedeutungen zu. Sauerampfer konnte für Fruchtbarkeit und Wachstum stehen, was mit seinem frühen und kräftigen Austreiben im Frühjahr zusammenhängt. Auch Wohlstand wurde mit ihm verbunden, da sein reichliches Vorkommen als Hinweis auf fruchtbare Böden galt. Die Vorstellung von Reinigung spielte ebenfalls eine Rolle, sowohl im körperlichen als auch im übertragenen Sinn als Zeichen für Neubeginn und Erneuerung.
Einzelne Überlieferungen berichten zudem, dass der erste Sauerampfer des Jahres Glück bringen könne oder sein Verzehr die Lebensgeister wecke. Solche Deutungen spiegeln die enge Verbindung zwischen Naturbeobachtung, Ernährung und symbolischem Denken in der traditionellen europäischen Volkskultur wider.