Im Volksglauben galt die Nachtviole als „Frauenpflanze“, die für Ausgeglichenheit und innere Ruhe sorgen sollte. Der Duft galt als aphrodisierend, was der Pflanze den Beinamen „Matronalis“ (die Mütterliche) einbrachte. In früheren Zeiten glaubte man, dass ihr Duft die Träume schöner mache. Man pflanzte sie nahe Schlafzimmerfenstern.
Die Nachtviole, deren Duft sich vor allem in den Abendstunden entfaltet, galt in der Volksüberlieferung als Blume der geheimen Gefühle, der Reinheit des Herzens und der nächtlichen Schutzkraft. Ihr süßer, veilchenähnlicher Duft, der erst mit dem Einbruch der Dämmerung stärker wird, führte dazu, dass man sie als „Abendsegen-Pflanze“ betrachtete. Sie sollte Häuser und Herzen beruhigen, Streit besänftigen und nächtliche Unruhe vertreiben.
Da sie mit der Dunkelheit „aufblüht“, wurde die Nachtviole oft mit stillen Botschaften und heimlicher Zuneigung verbunden. Junge Menschen steckten sich Blüten an die Kleidung, um heimliche Liebesgrüße zu senden oder um Mut zu fassen, Gefühle zu gestehen. Ein in der Dämmerung gepflücktes Blütchen galt als Zeichen für Wahrhaftigkeit und Treue.
Als Schutzpflanze der Nacht wurde die Nachtviole in manche Hauskränze oder an Fensterbänke gelegt. Man glaubte, ihr Duft halte nächtliche Geister, Kummergedanken und Träume, die „nicht ins Herz gehören“, fern. Ihre Präsenz im Garten galt als Zeichen guter Hausgeister und harmonischer Energien.
Gleichzeitig schrieb man ihr eine Fähigkeit der Gefühlsklärung zu: Wer zwischen Zweifel und Herzfragen stand, sollte eine Nacht über einer frisch gepflückten Blüte schlafen; verblühte oder welkende Blüten am Morgen deutete man als Warnung, lebendige und duftende hingegen als Bestätigung.