Man erzählt sich, dass eines Tages ein junger Bäckersbursche des Fürsten das Salz am Brot fehlen ließ. Als Strafe für seinen Fehler wurde der Bursche am Hofe zum Tode verurteilt – man wollte ihn den königlichen Löwen vorwerfen.
Doch der Bursche flehte um sein Leben und bat um eine Chance, seinen Fehler wieder gut zu machen. Der Fürst hatte erbarmen und wollte ihm darum das Leben schenken: Er solle ein Gebäck erfinden, durch welches dreimal die Sonne scheine. In seiner Todeszelle gab man ihm den Teig, das Gebäck zu erschaffen. Bis zum Mondwechsel sollte er Zeit haben.
Der Bursche gab sein Bestes und probierte Tag und Nacht … doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Nun kam der Tag des Mondwechsels und der Bursche hatte bereits alle Hoffnung aufgegeben, als er den Henker sich der Zelle nähern hörte. Mit einem letzten Seufzer wischte er den langen, dünnen Teigstrang vom Tisch, den er zuvor noch geformt hatte.
Die Zellentüre ging auf und die Henker staunten sehr über den ungebackenen Teig vor ihren Füßen: Ein Gebäck, durch das dreimal die Sonne scheinen kann: die Brezel.
Das Leben des Bäckersburschen wurde verschont. Doch die Geschichte verbreitete sich so schnell unter den Bäckern, wie auch die Brezel. Und da die Brezel einem der Ihren das Leben gerettet hatte, wurde sie das Zunftzeichen der Bäcker, gehalten von zwei königlichen Löwen.