Der Trivialname „Wohlriechendes Labkraut“ für den Waldmeister spiegelt seine magische Bedeutung als Duft- und Schutzmittel wider. Auch in Liebeszaubern wurde ist der Waldmeister als schützendes Glückskraut überliefert. In Polen fütterte man Kühen, die nicht fraßen, eine Prise Waldmeister mit Salz. Hexen sollen Mischungen aus Waldmeister, Johanniskraut und Minze verwendet haben, um sich zu verbergen.
Waldmeister (Galium odoratum) galt in vielen Kulturen als ein geheimnisvolles, mild schützendes und festliches Kraut. Sein Duft tritt erst beim Welken oder Trocknen hervor, weshalb man ihm seit der Antike eine besondere, fast „versteckte“ Kraft zuschrieb.
Bei Griechen und Römern wurde Waldmeister weniger namentlich überliefert, doch Pflanzen mit ähnlichem Duft und Wirkung galten als Freudekräuter, die Räume reinigten und Festgelage mit Wohlgeruch erfüllten. Man schrieb ihnen die Fähigkeit zu, „die Sinne zu erheben“ und dunkle Stimmungen zu vertreiben. Diese Vorstellung passt gut zum späteren europäischen Bild des Waldmeisters.
Bei den Germanen gewann Waldmeister eine deutlichere symbolische Rolle. Sein süß-würziger Duft, der sich erst nach dem Pflücken entfaltet, wurde als Zeichen für verborgenen Segen und die Kraft des Waldes verstanden. In der Frühlings- und Walpurgisnacht streuten Menschen Waldmeister auf den Boden oder legten ihn in Schlafräume, um Hexen, Nachtgeister und schlechte Träume zu vertreiben. Seine Verbindung zum Wald und zu milden, schattigen Orten ließ ihn zu einem Schutzkraut der Übergänge werden. An Türen, Fenstern und Stallschwellen war er ein beliebter Wächter.
Im Mittelalter wurde Waldmeister zu einem Fest- und Maikraut, das als Symbol für Frühling, Erneuerung, Reinheit und Liebesglück galt. Sein Duft schien die Lebensgeister zu wecken, weshalb er in Maienkränzen, Hochzeitssträußen und Haussegen Verwendung fand. Aus dieser Tradition entwickelte sich später auch der Brauch, Waldmeister in Maiwein einzulegen. Dieser Wein stand ursprünglich für ein Ritual, das Glück, Fruchtbarkeit und einen heiteren Jahresbeginn sichern sollte. Waldmeister galt zudem als „Kraut der stillen Freude“: Man legte getrocknete Bündel in Truhen, Kleiderkammern und Betten, um Frieden, gute Träume und häusliche Harmonie zu fördern.
Einige Volksüberlieferungen sahen im Waldmeister auch ein Kraut für Wahrträume. Wer in der Johanniszeit ein wenig Waldmeister unter das Kopfkissen legte, sollte Hinweise auf zukünftige Entscheidungen oder Liebeswege erhalten. In anderen Gegenden glaubte man, dass Waldmeister im Haus die Gegenwart guter Ahnenkräfte stärkt und familiären Streit besänftigen könne.