Wie in der Küchennutzung bereits erwähnt, war das Mädesüß wohl bereits den Germanen und Kelten bekannt. Dabei galt das Mädesüß als heilige Pflanze. Es wurde bei Ritualen der Göttin Brigid geopfert und war eines der drei heiligen Kräuter der Druiden (neben Mistel und Eisenkraut). Im Volksglauben sollte ein Sträußchen Mädesüß unter dem Kopfkissen böse Träume vertreiben und für tiefen, erholsamen Schlaf sorgen.
Mädchen flochten es als Schutz- und Liebeskraut in Kränze oder trugen es in kleinen Säckchen, um Zuneigung und Treue zu stärken, während junge Männer es bei Hausbesuchen an der Kleidung trugen, um Wohlwollen zu gewinnen. Da Mädesüß bevorzugt an klaren, feuchten Plätzen wächst, sah man in ihm ein Zeichen der reinen Wassergeister und glaubte, es könne die Seele erfrischen und böse Träume vertreiben.
Mancherorts wurde Mädesüß als Wetter- und Jahreszeitenorakel betrachtet: Ein besonders üppiges Blühen galt als Hinweis auf ein fruchtbares Jahr, ein schwacher Bestand hingegen als Warnzeichen für Regenperioden oder gesundheitliche Sorgen im Haushalt. Auch als Räucher- und Schwellenkraut hatte es seinen Platz; verbrannt oder ausgestreut sollte es Unruhe lösen und das Haus gegen Missgunst schützen.
Im Mittelalter wurde das Mädesüß auch als Aromastreukraut in der Kirche und im Haus verwendet, im Gebälk aufgehangen sollte es Unheil vertreiben können und in Hochzeitskränzen das Unheil von der Ehe verhalten. In mittelalterlichen Klöstern wurde Mädesüß hoch geschätzt. Hildegard von Bingen lobte seine beruhigende Wirkung bei Fieber. Des weiteren ist bekannt, dass die Englische Königin Elisabeth I. einen großen Faible für das Mädesüß gehabt haben soll.