Bereits vor 3000 Jahren wurde der Senf als Gewürz in China sehr geschätzt. In der ägyptischen Mythologie ist überliefert, dass das Streuen von Senfkörnern vor bösen Geistern schützen könne. Von Kleinasien aus wanderte er über Griechenland als Heilmittel bis zu den Römern. Hier finden wir die ersten überlieferten Rezepte zur Zubereitung des Senfs als Zubereitung: der Römer Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. Auch bei Plinius finden sich Hinweise auf den Senf, listete er doch rund 40 verschiedene Arzneien auf, die alle mit Senf hergestellt wurden. Man schrieb dem Senf auch aphrodisierende Wirkung zu und verwendete einen Senfaufguss als Liebestrank.
Im 8. Jahrhundert findet Senf in der Schrift Karls des Großen (Capitulare de Villis) erstmals in Mitteleuropa Erwähnung und wurde in Spanien angebaut. Von dort aus gelangte er an den europäischen Tafeln bald zu einem wichtigen Gewürz. Da andere Würzmittel wie Pfeffer und Meerettich nur bedingt und mit hohen Kosten verbunden verfügbar waren wurde der Senf als Alternative sehr geschätzt.
Im Mittelalter galt Schwarzer Senf zudem als Symbol für Fruchtbarkeit und Gesundheit, das zudem Wohlstand ins Haus bringe. Im östlichen Mittelmeerraum galten seine winzigen Samen als biblisches Sinnbild für Glaubenskraft; zerstoßen mit Essig ergaben sie ein feuriges Würzmus. Vertreter der Klostermedizin verarbeiteten das scharfe Mehl zu Senfpflastern, die Durchblutung anregten und Rheuma linderten.
Bis ins 19. Jahrhundert lieferte schwarzer Senf das bevorzugte Rohmaterial für kräftige Dijon-Pasteten und indische Chutneys, doch seine früh platzenden Schoten erschwerten maschinelle Ernte, weshalb der Anbau später zurückging. Mildere Varianten wurden durch den unkomplizierteren Weißen Senf erzielt. Gleichzeitig nutzte man die ätherischen Öle als Konservierungsmittel und Insektenschutz in Vorratsspeichern. Aus ölhaltigen Samen gewann man Lampenbrennstoff und pharmazeutischen Senfgeist; das Kraut diente als Zwischenfrucht und Bienenweide.
Heute findet sich Brassica nigra vor allem in regionalen Spezialitäten, Ayurveda-Rezepturen und Craft-Mustards, wo seine intensive Schärfe gefragt ist. Seine bittere Saat bildet zudem die Basis für traditionelle Senföle, die Fisch und Pickles auf natürliche Weise haltbar machen.