Löwenzahn

Pflanzenvorstellung Löwenzahn

Löwenzahn ist eine weit verbreitete Wildpflanze, die oft unterschätzt wird, obwohl sie zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe enthält. In der Naturheilkunde wird sie seit langem für ihre unterstützende Wirkung auf Verdauung und Stoffwechsel geschätzt. Gleichzeitig ist Löwenzahn auch in der Küche vielseitig verwendbar für Salate, Kräuterquark bis hin zu Tees.

  • Pflanzenname: Löwenzahn
  • Lateinische Bezeichnung: Taraxacum officinale
  • Synonyme: Taraxacum dens leonis, Taraxacum vulgare, Leodonton officinale
  • Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Pflanzenordnung: Asternartige (Asterales)
  • Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika; weltweit verbreitet
  • Volkstümliche Namen: Gemeiner Löwenzahn, Kuhblume, Pusteblume, Kettenblume, Maiblume, Pferdeblume, Wiesenlattich, Pfaffenöhrlein, Hundeblume, Milchbusch, Milchscheck, Saublueme, Eierpetsch, Wunschblume, Pfaffenröhrlein, Pissblume, Bettnässerblume, Bettseicher, Sunnewirbel, Ackerzichorie, Butterblume (im Volksmund mehrfach vorhanden!), u.a.

Beschreibung der Pflanze Löwenzahn

Wohl jeder kennt noch aus Kindheitstagen die „Pusteblume“, deren Samenschirmchen durch Pusten gelöst überall hin flogen. Der Löwenzahn ist eine mehrjährige, ausdauernde Pflanze. Löwenzahn wird bis zu 50 cm hoch, die Blätter sind stark gezähnt und wachsen aus einer grundständigen Blattrosette. Die Stängel hohl und blattlos, und führen in ihren Innenwänden eine milchige Flüssigkeit, die leicht giftig ist und bräunliche Flecken hinterlässt.

Auf jedem Stängel sitzt nur eine große, gelbe Blüte, die sich nur aus Zungenblüten zusammensetzt und einen Durchmesser von bis zu 8 cm erreichen kann. Die gelben Blüten öffnen sich jedoch nur bei Sonnenlicht. Nach der Blüte entstehen bekannte kugelförmige Samenstände („Pusteblumen“) mit kleinen, flugfähigen Schirmchen, die vom Wind verbreitet werden. Durch die bis zu einem Meter lange (bisweilen sogar noch längere) Pfahlwurzel ist sie sehr ausdauernd. Auch braucht die Blüte nicht befruchtet zu werden, um Samen bilden zu können.

Löwenzahn-Blüte
Detail-Zeichnung Löwenzahn

Löwenzahn auf einen Blick

  • Lebensform: Mehrjährig, winterhart
  • Blütezeit: März bis Oktober
  • Erntezeit:
    Blätter, Blüten: März bis Oktober
    Wurzeln: Frühjahr und Herbst
  • Art der Ernte: Blätter, Blüten und Wurzeln
  • Konservierung: Trocknen, Sirup, Gelees, Einfrieren
  • Standort: Sonnig bis halbschattig; bevorzugt nährstoffreiche, lockere Böden
  • Pflegeanspruch: Anspruchslos, sehr robust
  • Vermehrung: Aussaat, selbstverbreitend durch Samen

Wichtige Hinweise

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Überlieferte Verwendung von Löwenzahn

Die nachfolgend aufgeführten Verwendungen und Einsatzbereiche stammen aus alten Überlieferungen zu Volksheilkunde, Brauchtum und Geschichte. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen, erheben jedoch keinen Anspruch auf uneingeschränkte Richtigkeit und Vollständigkeit, da die moderne Forschung regelmäßig Neuerungen hervorbringt.

Bitte sprich vor jedweder Nutzung – insbesondere in Gesundheit und Kulinarik – mit einem Arzt oder Apotheker und kläre gegebenenfalls mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Für Deine Nutzung ohne individuelle Abklärung übernehmen wir keine Haftung.

Löwenzahn in Naturheilkunde & Volksheilkunde

Inhaltsstoffe der Pflanze Löwenzahn: Bitterstoffe (Taraxin), Flavonoide, Inulin, Vitamin C, Kalium, Eisen, Carotinoide, ätherisches Öl

In der traditionellen Naturheilkunde zählt Löwenzahn zu den wertvollsten Heilkräutern und wird bei zahlreichen Beschwerden eingesetzt. Die Bitterstoffe regen den Appetit sowie die Tätigkeit von Leber, Galle und Verdauungsorganen an. Löwenzahn wirkt entwässernd und harntreibend, weshalb er gern bei Wassereinlagerungen, Nieren- und Blasenproblemen sowie als mildes Mittel zur Unterstützung der Entgiftung eingesetzt wird. Die Wurzel des Löwenzahns wird traditionell auch zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden und Gelenkerkrankungen verwendet.

Löwenzahn-Tee oder -Tinkturen gelten in der Volksmedizin als tonisierend, stärkend und stoffwechselanregend, weshalb sie vor allem im Frühjahrskuren mit Bitterkräutern zur Entgiftung und Reinigung des Körpers genutzt werden.

Löwenzahn in Kosmetik & Pflege

Löwenzahn wird aufgrund seiner reinigenden, entzündungshemmenden und klärenden Wirkung traditionell in der Kosmetik genutzt. Auszüge und Teeaufgüsse aus Löwenzahnblättern eignen sich für Gesichtswasser und Umschläge bei unreiner Haut und Akne, da sie Hautunreinheiten mildern und die Haut beruhigen können. Auch für Haarspülungen bei fettigem Haar oder Kopfhautproblemen ist Löwenzahnextrakt beliebt, da er regulierend auf die Talgproduktion wirkt und der Kopfhaut Feuchtigkeit spendet. In pflegenden Salben und Cremes unterstützen Löwenzahnextrakte die natürliche Regeneration der Haut.

Löwenzahn in der Küche

Löwenzahn zählt zu den beliebtesten und vielseitigsten Wildkräutern in der Küche. Die jungen Blätter eignen sich hervorragend für frische Salate, Smoothies oder Suppen und schmecken leicht bitter, aromatisch und würzig. Zudem eignen sich die Blätter in Kombination mit herzhaftem Speck als Soßenergänzung, die gut zu Kartoffelgerichten und Eierspeisen passt.

Blütenköpfe werden zu leckeren Löwenzahn-Gelees, Sirup („Löwenzahnhonig“) oder frittiert als Blütenknospen („Löwenzahn-Kapern“) zubereitet. Die Wurzeln, im Herbst geerntet und getrocknet, dienen geröstet als aromatischer Kaffeeersatz oder Kräutertee, der leicht herb schmeckt. Aufgrund seiner wertvollen Inhaltsstoffe gilt Löwenzahn als nährstoffreiches und gesundheitsförderndes Wildgemüse, das sowohl als Heilmittel als auch als vitalisierender Frühlingsbote geschätzt wird. Vereinzelt gibt es auch Hinweise auf den Einsatz von Löwenzahn in Kräutermischungen für Grutbier.

Löwenzahn für Dekorationen

Löwenzahn, insbesondere die bekannten Pusteblumen, bietet eine dekorative und nostalgische Optik. Frisch gepflückte Löwenzahnblüten verschönern frühlingshafte Tischdekorationen und Blumenarrangements mit kräftigem Gelb.

Getrocknete und konservierte Pusteblumen dienen in Wohnaccessoires, wie zarten floralen Arrangements unter Glasglocken oder in Trockenblumensträußen, als Symbol für Leichtigkeit und Vergänglichkeit. Kinder lieben Pusteblumen als spielerisches Element, was sie ideal für kinderfreundliche Dekorationen macht.

Oft unterschätzt ist auch der Wert der Löwenzahnblüten für Insekten und Bienen.

Löwenzahn in altem Handwerk

Löwenzahn galt im alten Handwerk als flexibel einsetzbares Hilfsmittel, das leicht und schnell verfügbar war. Aus dem milchigen Pflanzensaft, der bei Verletzung der Stängel austritt, versuchten findige Handwerker einst, eine Art Kautschukersatz herzustellen.

Seine kräftigen Wurzeln, zähen Stängel und der milchige Saft boten Eigenschaften, die Handwerker im Alltag zu nutzen wussten. Besonders im Färberhandwerk kam die Pflanze zum Einsatz. Aus Wurzeln und Blättern gewann man milde Gelb- und Ockertöne, die vor allem für einfache Woll- und Leinenfärbungen verwendet wurden. Zwar waren diese Farbtöne nicht so lichtbeständig wie die großer Färberpflanzen, doch im ländlichen Raum war der Löwenzahn ein leicht zugänglicher, kostenloser Farbspender.

Gerbern diente der Pflanzensaft als natürliches Reinigungsmittel. Mit seinem leicht bitteren, latexhaltigen Milchsaft konnten Gerber kleinere Flecken auf rauem Leder anlösen oder Werkzeuge von Fett befreien. Auch die Wurzelabsude wurden genutzt, um Lederriemen etwas geschmeidiger zu machen und ihnen einen wärmeren Ton zu verleihen.

Das Papier- und Buchhandwerk kannte den Löwenzahn als Hilfspflanze für leichte Tönungen und Reinigungen. Sein Sud wurde eingesetzt, um Papiere mattgelb zu färben, Briefränder zu verzieren oder Kleister für einfache Einbände aromatisch zu verfeinern. Aus dem luftigen Pappus, den reifen „Schirmchen“, fertigten manche Werkstätten weiche Polster für empfindliche Arbeiten, etwa beim Pressen kleiner Druckplatten oder beim Reinigen feiner Metallteile.

Käser und Bauern deckten frischen Weichkäse oder Butter mit großen Löwenzahnblättern ab, wenn keine Tücher zur Hand waren, da sie kühlten und nicht anhafteten.

Löwenzahn in Überlieferungen & Aberglauben

Man geht heute davon aus, dass die bereits in der Antike als „Aphake“ beschriebene Heilpflanze mit dem Löwenzahn identisch ist. Sowohl bei den Griechen als auch bei Ärzten der Araber werden seine vielfältig heilenden Eigenschaften beschrieben. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin soll es Hinweise geben. Die Hauptanwendungsgebiete scheinen in den damaligen Zeiten vorrangig bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes gewesen zu sein, im Mittelalter schrieb man ihm auch die Fähigkeit zu, Augenleiden zu lindern.

Wiederkehrend sind bei allen Überlieferungen des Löwenzahns Bezeichnungen in Verbindung mit „Löwe“ (vermutlich bezogen auf die gelben Blüten im Vergleich mit dem Fellkragen des Löwen sowie die gezähnten Blätter), aber es gibt auch viele Hinweise auf die harntreibenden Eigenschaften (Bettseicher, Pissblume…).

Die Pflanze symbolisiert Widerstandskraft, Durchsetzungsfähigkeit und Regeneration, was in ihrer Fähigkeit begründet liegt, überall zu gedeihen, selbst unter schwierigsten Bedingungen. In alter Zeit glaubte man, der weiße, milchige Saft könne Warzen verschwinden lassen.

Die bekannte „Pusteblume“ diente Kindern als spielerische Orakelpflanze: Die Anzahl der verbliebenen Samen auf der Blüte sollte vorhersagen, wie viele Jahre noch bis zur Hochzeit oder wie viele Kinder man später haben würde. Zudem wurden Löwenzahnsträuße am Johannistag aufgehängt, um Hexen und böse Geister fernzuhalten und das Haus zu schützen.

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