Hopfen war im alten Handwerk weit mehr als nur eine Bierpflanze. Er prägte ganze Gewerbe, Arbeitsabläufe und regionale Wirtschaftsräume. Am deutlichsten zeigte sich seine Bedeutung im Brauhandwerk: Seit dem Mittelalter ersetzte Hopfen immer stärker die früheren Kräutermischungen des Grutbieres. Er verlieh dem Bier nicht nur Bitterkeit und Aroma, sondern vor allem Haltbarkeit. Damit veränderte Hopfen das Berufsbild der Brauer grundlegend: Brauprozesse wurden stabiler, Transport und Lagerung besser planbar, und spezialisierte Brauhöfe entstanden in Klöstern, Städten und Marktorten.
Der Hopfenanbau selbst erforderte eigene Expertisen und brachte ganze Hopfenbauern- und Binderhandwerke hervor. Spezialisten errichteten aufwändige Hopfengärten mit hohen Gerüstanlagen; Hopfenpflückerinnen und Binder fertigten sorgfältig getrocknete Hopfenschnüre und -zöpfe für den Weiterverkauf. Diese Tätigkeiten verlangten Fachkenntnis im Schneiden, Trocknen und Lagern des empfindlichen Ernteguts.
Auch in anderen Gewerben war Hopfen präsent. In der Fass- und Küferkunst diente er als aromatische Komponente, um frisch gereinigte Gärfässer zu „parfümieren“ und leichte Gerüche zu mildern. Braufässer wurden oft mit Hopfenwasser ausgeschwenkt, um das Holz vorzubereiten und mikrobiellen Befall zu reduzieren.
In der Heißmangel- und Textilpflege nutzte man Hopfenstroh gelegentlich als weiches, duftendes Polstermaterial für Mangel- oder Füllkissen. Seine ätherischen Öle hielten Motten fern, weshalb Hopfenbündel in Wolltruhen und Leinenkammern lagerten.
Auch bei Gerbern und Lederhandwerkern war Hopfenwasser sporadisch ein Hilfsmittel, um Häute zu waschen oder Gerüche zu mildern. Seine leicht antibakterielle Wirkung machte ihn zu einem einfachen Werkstattzusatz in manchen Regionen.
Nicht zuletzt nutzten wandernde Gesellen, im Braugewerbe, aber auch in anderen Berufen, Hopfenpolster oder getrocknete Hopfenkissen als Reise- und Schlafhilfe. Die beruhigende Wirkung des Hopfenduftes war weithin bekannt und wurde als wohltuend nach langen Arbeitstagen geschätzt.