Engelwurz – Angelika

Pflanzenvorstellung Engelwurz

  • Pflanzenname: Engelwurz, Angelika
  • Lateinische Bezeichnung: Angelica archangelica
  • Synonyme: Angelica major, Angelica officinalis, Angelica sativa, u.a.
  • Pflanzenfamilie: Doldenblütler (Apiaceae)
  • Pflanzenordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
  • Vorkommen: Ursprünglich in Nordeuropa und Asien beheimatet; heute in ganz Europa verbreitet, bevorzugt an feuchten Standorten wie Flussufern, Gräben und feuchten Wiesen
  • Volkstümliche Namen: Angelikawurzel, Engelbrustwurz, Erzengelwurz, Heiliggeistwurz, Angelik, Erzengelwurzel, Heiligenbitter, Giftwürze, Heiliggeistwurzel, Theriakwurzel, u.a.

Beschreibung der Pflanze Echter Engelwurz

Die Echte Engelwurz, auch Angelika genannt, ist eine imposante, zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 2,5 Metern erreichen kann. Der hohle, gerillte Stängel ist meist rötlich überlaufen und trägt große, doppelt bis dreifach gefiederte Blätter. Die grünlich-weißen bis gelblichen Blüten erscheinen in großen, kugeligen Dolden von Juni bis August.

Nach der Blütezeit bildet die Pflanze längliche Spaltfrüchte aus. Die Samen sind braun, ca. 6 mm lang und reifen zahlreich im Spätsommer des dritten Jahres. Der Wurzelstock wird bis zu 5 cm dick, ist sehr aromatisch und endet zumeist in nur zwei bis drei verzweigten Wurzeln.

Detail-Zeichnung Engelwurz

Echter Engelwurz auf einen Blick

  • Lebensform: Zwei- bis mehrjährige, krautige Pflanze
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Erntezeit:
    Wurzeln: Herbst des zweiten Jahres
    Blätter und Stängel: Vor der Blütezeit
    Samen: Spätsommer bis Frühherbst
  • Art der Ernte:
    Wurzeln im Herbst des zweiten Jahres ausgraben, gründlich reinigen, trocknen (vorzugsweise in Scheiben geschnitten)
    Blätter und Stängel vor der Blütezeit, trocknen
    Samen sammeln, wenn sie vollständig ausgereift sind.
  • Konservierung: Trocknung an einem luftigen, schattigen Ort; Aufbewahrung in luftdichten Behältern, um die Wirkstoffe zu erhalten.
  • Standort: Sonnig bis halbschattig; bevorzugt feuchte, nährstoffreiche, kalkhaltige Böden
  • Wachstumsstandort: Feuchte Wiesen, Flussufer, Gräben; in Gärten als Zier- und Heilpflanze
  • Pflegeanspruch: Pflegeleicht; regelmäßige Wasserversorgung wichtig; Rückschnitt nach der Blüte fördert die Vitalität
  • Vermehrungsart: Aussaat im Frühjahr oder Herbst; Selbstaussaat möglich

Wichtige Hinweise

  • Engelwurz enthält Furanocumarine / phototoxische Reaktionen möglich
  • Vorsicht bei Allergien gegen Doldenblütler
  • In höheren Dosen können die Inhaltsstoffe toxisch wirken;
    äußerliche Anwendung kann Hautreizungen verursachen
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Überlieferte Verwendung von Engelwurz

Die nachfolgend aufgeführten Verwendungen und Einsatzbereiche stammen aus alten Überlieferungen zu Volksheilkunde, Brauchtum und Geschichte. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen, erheben jedoch keinen Anspruch auf uneingeschränkte Richtigkeit und Vollständigkeit, da die moderne Forschung regelmäßig Neuerungen hervorbringt.

Bitte sprich vor jedweder Nutzung – insbesondere in Gesundheit und Kulinarik – mit einem Arzt oder Apotheker und kläre gegebenenfalls mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Für Deine Nutzung ohne individuelle Abklärung übernehmen wir keine Haftung.

Engelwurz in Naturheilkunde & Volksheilkunde

Inhaltsstoffe der Pflanze Engelwurz: Ätherisches Öl (Terpene wie α-Pinen und β-Phellandren), Harze, Furanocumarine (Bergapten, Archangelicin), Cumarine, Flavonoide, Bitterstoffe

Die Engelwurz hat eine lange Tradition in der europäischen Heilkunde und wurde als Heilkraut nicht zuletzt in der Klostermedizin sehr geschätzt. Ihre Wurzel wird vor allem bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die enthaltenen Bitterstoffe regen die Produktion von Verdauungssäften an, während die ätherischen Öle krampflösend wirken. Zudem wird sie als Teekraut bei Erkältungskrankheiten zur Linderung von Husten und zur Förderung des Schleimauswurfs verwendet.

In der Volksmedizin gilt sie auch als stärkendes Mittel bei allgemeiner Schwäche und zur Unterstützung des Immunsystems. Zudem ist die Anwendung der Engelwurz bei Brustfellentzündungen als Kompressen überliefert. Die Inhaltsstoffe der Angelikawurzel oder Engelwurz finden sich in vielen Fertigarzneimitteln.

Engelwurz in Kosmetik & Pflege

In der Naturkosmetik wird Engelwurz aufgrund ihrer hautberuhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt. Extrakte aus der Wurzel finden sich in Cremes und Salben zur Pflege empfindlicher oder gereizter Haut. Zudem wird sie vereinzelt in Badezusätzen verwendet, um die Haut zu entspannen und zu pflegen. Aufgrund der phototoxischen Furanocumarine sollte jedoch bei der Anwendung auf Sonneneinstrahlung geachtet werden.

Engelwurz in der Küche

Die jungen Stängel der Engelwurz können kandiert und als Dekoration für Süßspeisen verwendet werden. In der Vergangenheit wurden sie auch als Gemüse zubereitet. Die Samen und Wurzeln dienen als Aromastoffe in Likören wie Chartreuse und Bénédictine sowie in Magenbittern. Bisweilen wird die Angelika auch als Zutat für Grutbier (Bierkräuter) erwähnt. Ihr intensives Aroma verleiht diesen Getränken eine charakteristische Note. Aber auch die Blätter finden in der Küche Verwendung. Zusammen mit Früchten gedünstet verringern die Engelwurzblätter den Zuckerbedarf.

Engelwurz für Dekorationen

Mit ihrer imposanten Größe und den großen, kugeligen Blütendolden ist die Engelwurz eine beeindruckende Zier- und Solitärpflanze für naturnahe Gärten und Bauerngärten. Sie zieht als Bienenpflanze auch andere Bestäuber an und fördert somit die Biodiversität.

Die getrockneten Blütenstände können in Trockensträußen und floralen Arrangements verwendet werden, wobei ihre Struktur und Farbe einen besonderen Akzent setzen. Die Blätter sind für Buffetgarnituren ebenso geeignet wie für den Aromatopf. Die großen Samenköpfe hingegen sind auch als Tischdekoration eine Augenweide (getrocknet).

Engelwurz in altem Handwerk

In der traditionellen Kräuterheilkunde wurde Engelwurz zur Herstellung von Tinkturen, Salben und Likören verwendet. Ihre konservierenden Eigenschaften machten sie zu einem geschätzten Bestandteil in der Herstellung von Heilmitteln und Spirituosen. Zudem wurde sie in der Parfümherstellung eingesetzt, wobei ihr ätherisches Öl den Düften eine warme, würzige Note verlieh.

Engelwurz in Überlieferungen & Aberglauben

Der Name „Engelwurz“ leitet sich von einer Legende ab, nach der ein Engel einem Mönch die heilende Wirkung der Pflanze offenbarte. Man geht jedoch davon aus, dass weder Griechen noch Römer die Engelwurz kannten. Ihre Herkunft wird eher im Norden gesehen.

Nachdem sie seit dem 12. Jahrhundert in Nordeuropa als Gemüse gegessen wurde, entdeckten die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts die Engelwurz als Arznei gegen die Pest, indem sie das Riechen an einer mit Essig getränkten Wurzel empfahlen. Seit jeher als Allheilmittel bekannt verdankt sie Ihren Namen angeblich Ihrer Blüte zum Fest des Erzengels Michael im alten Kalender und der Legende, dass es ein Engel gewesen sein soll, der sie den Menschen zeigte. Aus diesem Grund soll sie die Fähigkeiten der Engel in sich tragen und somit auch gegen Zauberei schützen.

Im Mittelalter galt sie als wichtige Schutzpflanze gegen Krankheiten und böse Geister. Sie wurde in Amuletten getragen oder als Räucherwerk verwendet, um Krankheiten und Unheil abzuwehren. Diese mystische Bedeutung hat der Pflanze bis heute einen besonderen Platz in der Volkskultur gesichert.

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