Eine ganz besondere Eigenschaft hat dieser Pflanze den lateinischen Namen beschert: Dieses Kraut kitzelt mit seinem Duft die Nase und lässt den Riechenden niesen. Der Gattungsname Nasturtium setzt sich ausnasus („Nase“) und tortium („Qual“) zusammen. Der deutsche Namensteil „Kresse“ stammt vom althochdeutschen Kras, gras (Speise).
Brunnenkresse, die in klaren, fließenden Quellen wächst, galt in vielen Volksüberlieferungen als „Wasserheilpflanze“, die Reinheit, Lebensfluss und Erneuerung symbolisierte. Ihr Standort spielte dabei eine entscheidende Rolle: Wo Brunnenkresse üppig wuchs, nahm man an, dass das Wasser besonders rein, heilsam und frei von „krankmachenden Strömungen“ sei. In einigen Regionen wurde sie daher als natürlicher Indikator für gesegnete Orte betrachtet, an denen Quellgeister oder Schutzwesen wohnten.
Im Volksglauben war Brunnenkresse ein Frühlings- und Übergangskraut. Als eines der ersten frischen Grünkräuter des Jahres sollte sie winterliche „Schwere“ austreiben und den Körper wie auch den Geist erneuern. Ihr Verzehr zur Frühjahrszeit galt als ritueller Akt der Reinigung. In manchen Gegenden wurde deshalb am ersten milden Frühlingstag ein kleines Büschel Brunnenkresse geerntet und roh gegessen, um Stärke, Lebenskraft und „klares Denken“ für das kommende Jahr zu erlangen.
Auch als Schutzkraut taucht Brunnenkresse in Überlieferungen auf. Da sie unablässig von frischem Wasser umströmt wird, sagte man ihr nach, negative Einflüsse „abzuwaschen“. Brunnen- und Mühlen-Arbeiter trugen manchmal ein paar Blättchen bei sich, um sich vor Unfällen oder „Wassergefahren“ zu schützen. In manchen Regionen wurde Brunnenkresse außerdem an Türen oder Fenster gelegt, wenn man Streit oder üble Laune aus dem Haus vertreiben wollte – ihr frischer, scharfer Geschmack galt als Sinnbild für Klarheit und Wahrhaftigkeit.
Eine weniger bekannte Tradition schrieb ihr die Rolle eines Wahrheitskrautes zu: Wer unsicher war, ob ein Gast gute Absichten hegte, mischte etwas Brunnenkresse in dessen Mahlzeit. Zeigte der Betreffende Überempfindlichkeit oder Unruhe, wertete man dies als Zeichen für Unaufrichtigkeit. Ein simpler, aber im Aberglauben verbreiteter Volksbrauch.