Der Borretsch könnte bereits den alten Kelten bekannt gewesen sein, führen doch manche Quellen den Namen dieser Pflanze auf den keltischen Begriff „borrach“ (=“Mut“) zurück. So finden sich Hinweise auf die „Mutmachenden“ und „Fröhlichmachenden“ Eigenschaften. Beispielsweise soll den Kreuzfahrern ein Abschiedstrunk mit Borretschblüten gereicht worden sein, um ihnen den nötigen Mut für die kommenden Taten zu verleihen. Auch wandernde Handwerksburschen, junge Soldaten oder Auszubildende erhielten Borretsch manchmal als kleines Stärkungskraut für Mut und Gelassenheit.
Die intensiv blaue Blüte wurde mit einer besonderen Schutzsymbolik verbunden. Blau galt in der Volksmagie als Farbe der Abwehr gegen Neid, Trübsinn und „böse Gedanken“. Daher flocht man Borretschblüten gelegentlich in Hauskränze oder steckte sie jungen Menschen an die Kleidung, um ihnen ein „offenes Herz“ und Glück im sozialen Umgang zu schenken.
Auch in der Liebesmagie tauchte Borretsch auf: Mancherorts galten die sternförmigen Blüten als „Wahrheitszeichen“. Wurde eine Borretschblüte in ein Getränk gelegt, sollte es helfen, wahre Gefühle offen zu legen oder trügerische Absichten zu entlarven. In Liebesorakeln wurde daraus geschlossen, dass Borretsch Klarheit bringt, sowohl über das eigene Herz als auch über das eines anderen.
Einige Quellen leiten den Pflanzennamen auch vom lateinischen Wort borra, „Gewebe aus rauer Wolle“, ab und vermuten eine Beziehung zu den behaarten Stängeln und Blättern. Weitere Stimmen vermuten, dass der Name vom arabischen abu r-rach stamme, „Vater des Schweißes“, sind in einigen Quellen benannt und verweisen auf die in der Volksmedizin genutzte Eigenschaft des Borretsch, Schweißausbrüche hervorzurufen. Die genaue Bestimmung bleibt hierbei wohl unbekannt.