Blutwurz

Pflanzenvorstellung Blutwurz

Unter den traditionsreichen Heilpflanzen Europas ist die Blutwurz seit Jahrhunderten vor allem wegen ihrer stark zusammenziehenden und beruhigenden Eigenschaften geschätzt. Besonders die gerbstoffreiche Wurzel fand vielfältige Anwendung: In der Naturheilkunde zur Unterstützung von Magen, Darm oder gereizten Schleimhäuten, im alten Handwerk beispielsweise in der Lederverarbeitung durch historische Gerber.

  • Pflanzenname: Blutwurz
  • Lateinische Bezeichnung: Potentilla erecta
  • Synonyme: Fragaria tormentilla, Potentilla tormentilla, Tormentilla erecta u.a.
  • Pflanzenfamilie: Rosaceae (Rosengewächse)
  • Pflanzenordnung: Rosales (Rosenartige)
  • Vorkommen: Europa, Westasien, besonders in Mooren, Heiden und auf Magerwiesen
  • Volkstümliche Namen: Räuschel, Tormentill, Aufrechtes Fingerkraut, Bauchwehkraut, Mooreckel, Rotwurzel, Ruhrwurz, Birkwurz, Christuskrone, Fingerkraut, Blutkraut, Dilledapp, Natternwurz, Soldatenkraut, Rotwurz, u.a.

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Blutwurz

Beschreibung der Pflanze Blutwurz

Die Blutwurz ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die zwischen 10 und 40 Zentimeter hoch wird. Auffällig sind ihre kräftigen, rotbraunen, knollenartigen Wurzeln, die beim Anschneiden tiefrot erscheinen, daher auch ihr Name „Blutwurz“. Der Stängel ist aufrecht, dünn, oft verzweigt und leicht behaart. Die Blätter sind tief gesägt, gefiedert und erinnern an kleine Hände oder Finger. Ihre Blüten erscheinen zwischen Mai und September, sie sind klein, kräftig gelb und bestehen meist aus vier herzförmigen Kronblättern, was in der Pflanzenwelt eher selten vorkommt.

Detail-Zeichnung Blutwurz

Blutwurz auf einen Blick

  • Lebensform: mehrjährig, winterhart, Rhizomstaude
  • Blütezeit: Mai bis September
  • Erntezeit: Frühjahr oder Herbst (Wurzel)
  • Art der Ernte: Ausgraben der Wurzeln
  • Konservierung: Wurzeln trocknen
  • Standort: sonnig bis halbschattig, magere, nährstoffarme, saure Böden
  • Pflegeanspruch: sehr genügsam und pflegeleicht
  • Vermehrung: Aussaat, Teilung der Wurzelstöcke

Wichtige Hinweise

  • Keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt, jedoch aufgrund starker Gerbstoffe nicht dauerhaft verwenden
  • Historisch als Gerberpflanze in der Lederverarbeitung genutzt
  • Nicht mit der Kanadischen Blutwurz verwechseln: Diese ist ein giftiges Opiumgewächs!
  • Anwendung bei Schwangeren, Stillenden und Kindern sollte zuvor ärztlich abgeklärt werden.

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Überlieferte Verwendung von Blutwurz

Die nachfolgend aufgeführten Verwendungen und Einsatzbereiche stammen aus alten Überlieferungen zu Volksheilkunde, Brauchtum und Geschichte. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen, erheben jedoch keinen Anspruch auf uneingeschränkte Richtigkeit und Vollständigkeit, da die moderne Forschung regelmäßig Neuerungen hervorbringt.

Bitte sprich vor jedweder Nutzung – insbesondere in Gesundheit und Kulinarik – mit einem Arzt oder Apotheker und kläre gegebenenfalls mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Für Deine Nutzung ohne individuelle Abklärung übernehmen wir keine Haftung.

Blutwurz in Naturheilkunde & Volksheilkunde

Inhaltsstoffe der Pflanze Blutwurz: Wurzel: Gerbstoffe (bis zu 20 %), insbesondere Catechingerbstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl, Harze, Glykoside

Die Wurzel der Blutwurz ist seit Jahrhunderten ein geschätztes Mittel in der traditionellen Volksheilkunde, vor allem wegen ihres hohen Gerbstoffgehaltes. Sie wird traditionell als Tee, Tinktur oder Pulver bei Durchfallerkrankungen und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut eingesetzt. Die stark zusammenziehende (adstringierende) Wirkung hilft bei Zahnfleischentzündungen, Halsschmerzen, sowie bei äußerlicher Anwendung bei Wunden, Hautentzündungen und kleineren Blutungen.

Früher wurde Blutwurz aufgrund ihrer blutstillenden Eigenschaften sogar als „Soldatenkraut“ bezeichnet. In der modernen Phytotherapie wird sie vor allem bei akuten Durchfällen und als Gurgelmittel genutzt.

Blutwurz in Kosmetik & Pflege

Aufgrund der entzündungshemmenden, adstringierenden und leicht antibakteriellen Wirkung findet die Blutwurz heute gelegentlich in Pflegeprodukten Anwendung. Auszüge aus der Wurzel können in Gesichtswassern und -cremes bei fettiger, unreiner oder gereizter Haut verwendet werden. Auch in Mundwassern und Zahncremes sind Extrakte enthalten, da sie Zahnfleisch und Mundraum stärken und Entzündungen vorbeugen.

Blutwurz in der Küche

Die Blutwurz ist aufgrund ihrer starken Gerbstoffe nicht als Lebensmittel im klassischen Sinne verbreitet, wird jedoch traditionell bei der Herstellung von Kräuterlikören und -schnäpsen genutzt. Bekannt ist der „Blutwurzlikör“, eine vor allem in Bayern geschätzte Spirituose, die aus der getrockneten Wurzel hergestellt wird. Durch die Gerbstoffe entsteht ein charakteristischer, leicht bitterer Geschmack, der als verdauungsfördernd gilt.

Blutwurz für Dekorationen

Blutwurz ist eher eine kleine, unauffällige Pflanze und spielt für floristische Zwecke eine untergeordnete Rolle. Dennoch können ihre gelben Blüten in kleinen, naturnahen Wildkräutersträußen eine schöne Ergänzung darstellen. Ihre tiefroten Wurzeln haben gelegentlich symbolischen Wert in herbstlichen Dekorationen oder naturheilkundlichen Ausstellungen.

Blutwurz in altem Handwerk

Blutwurz (Potentilla erecta) war im alten Handwerk vor allem wegen ihres außergewöhnlich hohen Gerbstoffgehalts geschätzt. In der traditionellen Gerberei diente die tiefrot färbende Wurzel als natürliches Gerb- und Härtungsmittel, das Häute stabilisierte, festigte und ihnen eine warm bräunlich-rote Tönung verlieh. Besonders kleinere Dorfgerber nutzten Blutwurzabsude, wenn andere Gerbmaterialien wie Eichen- oder Fichtenrinde knapp waren. Auch Färber setzten die Wurzel ein, um mit Alaun als Beize sie einen kräftigen Rot- bis Orangefarbton zu erzielen, der für Wolle und Leinen verwendet wurde.

In der Holzverarbeitung von Tischlern und Drechslern wurde ein starker Wurzel-Sud als färbende Beize geschätzt, um kleine Werkstücke, etwa Löffel, Spindeln oder Schatullen, warm rötlich zu tönen. Kirchliche und repräsentative Kunsthandwerke nutzten ihn gelegentlich für Intarsien oder zur farblichen Akzentsetzung.

Zudem fand Blutwurz im handwerklichen Alltag Verwendung als natürliches „Werkstattmittel“: Der stark adstringierende Absud wurde genutzt, um leichte Risse in Holz oder Leder zu schließen, da er beim Trocknen straffend wirkte. In einigen Regionen gaben Handwerker dem Sud auch eine symbolische Bedeutung. Das „Blut der Wurzel“ galt als Zeichen für Kraft, Erdverbundenheit und handwerkliche Beständigkeit.

Blutwurz in Überlieferungen & Aberglauben

Schneidet man den Wurzelstock an, wird der „Namensgeber“ sichtbar: der blutrote Saft. Die Blutwurz trägt ihren Namen nicht nur aufgrund der Farbe ihrer Wurzel, sondern auch wegen des alten Volksglaubens, dass sie blutstillende und heilkräftige Eigenschaften besitzt, welche Verletzungen, Entzündungen und sogar Hexerei abwehren könnten.

Aufgrund dieses Saftes sagte man Blutwurz bereits im Mittelalter blutstillende Eigenschaften nach, benannte aber zeitgleich auch andere Pflanzen mit diesem Namen, weshalb die genau gemeinte Pflanze aus mittelalterlichen Quellen nur schwer ermittelbar sein dürfte.

Im Volksglauben wurde sie als Schutzmittel gegen böse Geister oder als Amulett bei verschiedenen Ritualen verwendet. Sie galt als heiliges Kraut in Verbindung mit dem Heiligen Johannes, besonders wenn sie rund um den Johannistag als eines der Johanniskräuter gesammelt wurde.

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