Blutwurz (Potentilla erecta) war im alten Handwerk vor allem wegen ihres außergewöhnlich hohen Gerbstoffgehalts geschätzt. In der traditionellen Gerberei diente die tiefrot färbende Wurzel als natürliches Gerb- und Härtungsmittel, das Häute stabilisierte, festigte und ihnen eine warm bräunlich-rote Tönung verlieh. Besonders kleinere Dorfgerber nutzten Blutwurzabsude, wenn andere Gerbmaterialien wie Eichen- oder Fichtenrinde knapp waren. Auch Färber setzten die Wurzel ein, um mit Alaun als Beize sie einen kräftigen Rot- bis Orangefarbton zu erzielen, der für Wolle und Leinen verwendet wurde.
In der Holzverarbeitung von Tischlern und Drechslern wurde ein starker Wurzel-Sud als färbende Beize geschätzt, um kleine Werkstücke, etwa Löffel, Spindeln oder Schatullen, warm rötlich zu tönen. Kirchliche und repräsentative Kunsthandwerke nutzten ihn gelegentlich für Intarsien oder zur farblichen Akzentsetzung.
Zudem fand Blutwurz im handwerklichen Alltag Verwendung als natürliches „Werkstattmittel“: Der stark adstringierende Absud wurde genutzt, um leichte Risse in Holz oder Leder zu schließen, da er beim Trocknen straffend wirkte. In einigen Regionen gaben Handwerker dem Sud auch eine symbolische Bedeutung. Das „Blut der Wurzel“ galt als Zeichen für Kraft, Erdverbundenheit und handwerkliche Beständigkeit.