Binsen, besonders die Flatter-Binse mit ihren charakteristischen, locker wirkenden Blütenständen, galten in vielen Kulturräumen als ein Gewächs der Übergänge. Da sie bevorzugt an feuchten, sumpfigen Rändern wuchs, schrieb man ihr die Fähigkeit zu, Grenzen zwischen Land und Wasser, Hell und Dunkel, Sichtbarem und Verborgenem zu markieren. In der Volksüberlieferung wurden Binsen darum oft als „Schwellenpflanzen“ betrachtet, die Orte kennzeichneten, an denen Naturgeister, Wasserwesen oder Schutzgeister wohnen sollten.
In Teilen Nordeuropas war die Binse ein Symbol für Reinheit und Bescheidenheit. Man streute sie bei Prozessionen, zu Hochzeiten oder vor Haustüren aus, weil man glaubte, ihr weiches, biegsames Wesen bringe Harmonie und halte Zwist fern. Die Flatter-Binse galt hierbei als besonders glücksbringend, da sich ihre lockeren Rispen im Wind „verneigten“ und dadurch Freundlichkeit und Gelassenheit verkörperten.
In ländlichen Regionen diente ein Büschel trockener Binsen als schützendes Amulett gegen „Nachtgrauen“, also Albträume oder nächtliche Beklemmungen. Man legte es unter das Kopfkissen oder hing es an die Bettstatt, um unruhige Energien zu binden. Aufgrund ihrer Flexibilität und Zähigkeit glaubte man, Binsen könnten negative Einflüsse „abwenden, ohne zu brechen“.
Gleichzeitig gab es auch warnende Überlieferungen. Da die Flatter-Binse oft an unsicheren, morastigen Stellen wächst, betrachtete man sie mancherorts als Hinweis auf gefährliche Orte, die von Irrlichtern oder „Sumpfgeistern“ bewohnt seien. Wer sich zu tief in Binsenbestände wagte, gefährdete sich nach dem Volksglauben, da diese Pflanzen den Wanderer sinnbildlich „ins Untergründige ziehen“ könnten.