Beinwell

Pflanzenvorstellung Beinwell

  • Pflanzenname: Beinwell
  • Lateinische Bezeichnung: Symphytum officinale L.
  • Synonyme: Symphytum tuberosum, Radix Consolidae, Herba Symphyti, Consolidae radix
  • Familie: Boraginaceae / Raublattgewächse
  • Ordnung: Boraginales /Raublattartige
  • Unterklasse: Boraginoideae /Borretsch-Ähnliche
  • Vorkommen: Europa, Westasien; bevorzugt feuchte Wiesen, Bachufer und Gräben
  • Volkstümliche Namen: Wallwurz, Beinheil, Wundallheil, Komfrei, Hasenlaub, Schwarzwurz, Milchwurz, Schadheilwurz, u.a.

Beschreibung der Pflanze Beinwell

Der Beinwell ist eine stattliche, buschige Staude, die bis zu einem Meter hoch werden kann. Seine breit-lanzettlichen Blätter sind dunkelgrün, rau und auffällig stark gerippt, während der behaarte, kantige Stängel im oberen Bereich verzweigt ist. Die glockenförmigen, blauvioletten bis rosafarbenen Blüten erscheinen von Mai bis Juli und verströmen einen milden Duft.
Unter der Erde liegt der dickfleischige, braunschwarze Wurzelstock, der sich tief ins Erdreich senkt und das wertvollste Heilelement der Pflanze birgt.

Detail-Zeichnung Beinwell

Echter Beinwell auf einen Blick

  • Lebensform: Mehrjährig, winterhart, Staude
  • Blütezeit: Mai bis Juli
  • Erntezeit:
    Wurzel: März bis April und September bis Oktober
    Blätter: nach Bedarf
  • Art der Ernte:
    Wurzel säubern, klein schneiden und trocknen;
    Blätter trocknen oder in Öl ansetzen
  • Konservierung: Trocknung, Ölauszug
  • Standort: Halbschattig bis schattig, feuchte, nährstoffreiche Böden
  • Wachstumsstandort: Bachläufe, feuchte Wiesen, Ackerraine
  • Pflegeanspruch: Sehr gering, mag Kompost, wächst aber auch „vernachlässigt“ hervorragend
    Wichtig: Standort gut wählen, Entfernung ist später schwierig
  • Vermehrungsart: Teilung oder Stecklinge
    Pflanzabstand 60 cm

Wichtige Hinweise

  • Als Heilmittel apothekenpflichtig
  • Nicht in der Schwangerschaft anwenden!
  • Keine Anwendung auf offenen tiefen Wunden
  • Nicht länger als 4 Wochen im Jahr verwenden!
  • Enthält Pyrrolizidinalkaloide, die leber- und krebsschädigend wirken können, nur äußerliche Anwendung unter fachlicher Aufsicht empfohlen
  • Wildsammlung verboten, Nutzung nur aus kontrolliertem Anbau

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Überlieferte Verwendung von Beinwell

Die nachfolgend aufgeführten Verwendungen und Einsatzbereiche stammen aus alten Überlieferungen zu Volksheilkunde, Brauchtum und Geschichte. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengetragen, erheben jedoch keinen Anspruch auf uneingeschränkte Richtigkeit und Vollständigkeit, da die moderne Forschung regelmäßig Neuerungen hervorbringt.

Bitte sprich vor jedweder Nutzung – insbesondere in Gesundheit und Kulinarik – mit einem Arzt oder Apotheker und kläre gegebenenfalls mögliche Allergien oder Unverträglichkeiten. Für Deine Nutzung ohne individuelle Abklärung übernehmen wir keine Haftung.

Beinwell in Naturheilkunde & Volksheilkunde

Inhaltsstoffe der Pflanze Beinwell: Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Pyrrolizidinalkaloide (gesundheitlich bedenklich), Asparagin, Vitamin B12, Harze, Kieselsäure, Ätherisches Öl

Der Wurzelstock des Beinwells ist der am häufigsten genutzte Pflanzenteil. In der Volksheilkunde wurde Beinwell traditionell zur Behandlung von Knochenbrüchen, Verstauchungen, Prellungen, Gelenkschmerzen sowie bei Muskelkater und Sehnenscheidenentzündung als Umschlag oder Breipackung verwendet. Auch Magen- und Darmgeschwüre sowie Gastritis gehörten zu den Anwendungsfeldern.

Heute wird Beinwell medizinisch nur noch äußerlich und mit Vorsicht eingesetzt, wegen des leberschädigenden Potentials durch Pyrrolizidinalkaloide. Das enthaltene Allantoin unterstützt die Zellneubildung und wirkt entzündungshemmend. Daher findet Beinwell als apothekenpflichtiges Heilkraut Verwendung in medizinischen Salben und Tinkturen, die äußerlich bei Verletzungen oder Arthrose eingesetzt werden.

Beinwell in Kosmetik & Pflege

Ein Aufguss aus den Blättern kann als Badezusatz bei Muskelbeschwerden genutzt werden. Die entzündungshemmende Wirkung wird auch in Massageölen und Salben zur äußerlichen Anwendung geschätzt.

Beinwell in der Küche

Trotz hoher Nährstoffdichte (Vitamine, Mineralien, Eiweiß) ist die kulinarische Nutzung des Beinwells heute umstritten. In der Volksküche wurden junge Blätter wie Spinat, in Salat oder ausgebacken in Pfannkuchenteig gegessen, insbesondere in der Schweiz. Die Stängel wurden wie Spargel zubereitet.

Aufgrund der gesundheitlichen Risiken raten heutige Fachquellen jedoch von einer innerlichen Nutzung und somit auch vom kulinarischen Genuss mit dem regelmäßigen Verzehr großer Mengen ab.

Beinwell für Dekorationen

Optisch ist der Beinwell unscheinbar, hat jedoch hübsche, zarte Blüten und eine kräftige Wuchsform. Für Kräutersträuße oder Blumenkränze ist die Pflanze weniger geeignet. So wird der Beinwell entsprechend lediglich während der Blüte von Liebhabern als Vasenschmuck genutzt.

Beinwell in Überlieferungen & Aberglauben

Der Name „Beinwell“ weist bereits auf seine Wirkung hin: „Bein“ = Knochen, „-well“ von „wallen“ = zusammenwachsen. Schon Dioskurides und Plinius nannten Beinwell in ihren Werken als Heilpflanze bei Knochenbrüchen und Wunden. Auch Hildegard von Bingen und Paracelsus rühmten Beinwell als „Allheilmittel“.

Im Volksglauben galt das Gewächs als Pflanze mit wundersamen Heilkräften, die nicht nur Wunden heilen, sondern auch Kräfte wiederherstellen konnte. Seine schwarze Wurzel wurde auch magisch aufgeladen und sollte gegen Schmerzen schützen.

Beinwell in altem Handwerk

Neben der Verwendung als Heilpflanze fand Beinwell auch in altem Handwerk vielfältigen Einsatz: Gerber bereiteten kräftige Wurzelsude aus dem Beinwell als pflanzliche Gerbflotte, die rohe Häute geschmeidig machte und dezent färbte.

Die schleimstoffreiche Wurzel lieferte zudem einen zähen Naturkleber: In Angora bestrichen Spinner feine Kaninchen- und Schaffleeces damit, damit die Fasern beim Verzwirnen nicht entglitten.

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