Oft unterschätzt spielt die Bananenstaude im alten Handwerk eine überraschend vielfältige Rolle. Vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas und später auch der Karibik wurde und wird sie vielfältig eingesetzt. Dabei stand weniger die Frucht im Mittelpunkt, sondern der gesamte Pflanzenkörper. Insbesondere die faserreichen Stämme, Blätter und Scheiden, aus denen sich langlebige, robuste Materialien gewinnen ließen.
Von zentraler Bedeutung waren die Bananenfasern, die aus den Blattstielen und den Schichten des Scheinstammes gewonnen wurden. In Süd- und Südostasien wurden sie zu Tauen, Seilen, Fischernetzen, Matten, Hüten und groben Geweben verarbeitet. Besonders bekannt wurde das feine japanische bashōfu, ein edles Textil aus bestimmten Bananensorten, das für Sommerkimono, Gürtel und Zierstoffe genutzt wurde. Auch in Indien oder in philippinischen Handwerkskulturen dienten die Fasern zur Herstellung von Seilen, Verpackungen, Kordeln und Papier.
Die großen, stabilen Blätter waren im Alltags- und Hausgewerbe von unschätzbarem Wert. Sie dienten als Schreibmaterial, als Unterlagen bei der Verarbeitung von Fisch, Fleisch oder Brot, als Dachabdeckung in ländlichen Siedlungen, als Einlege- und Transportmaterial sowie als hitzebeständige Schicht beim Kochen und Räuchern. In vielen Regionen ersetzten sie Teller, Schüsseln oder Backpapier.
Der Scheinstamm wurde traditionell für Flecht- und Bauarbeiten genutzt. Sein faseriger, leichter, aber stabiler Aufbau machte ihn zu einem Material für Körbe, Möbelteile, Wandverkleidungen und Dämmstoffe. Aus den inneren Schichten wurden in manchen Kulturen sogar Papierqualitäten gefertigt, die wegen ihrer Zähigkeit geschätzt wurden.
Die Blütenstände und Knospen, reich an belastbaren Hüllblättern, fanden Verwendung als Schöpf- oder Spülgefäße, und Handwerker nutzten die zarten, aber faserigen Häute für kleine Reparaturen und Bindearbeiten.
Nicht zuletzt spielten die Farbstoffe der Bananenstaude in einigen traditionellen Gewerken eine Rolle. Durch Fermentation der Fasern oder durch Verwendung bestimmter Pflanzenteile wurden schwarze, braune und grünliche Naturfärbungen erzielt, die in Korb- und Textilhandwerken genutzt wurden.
Heute erhält die Bananenstaude als nachhaltiger Rohstoff für Textilien und Bioplastik wieder eine zunehmende Bedeutung.