Ob als Gewürz in der Küche oder als ätherisches Öl für die Gesundheitspflege: Der mediterrane Rosmarin hat auch in unseren Bereiten eine lange Tradition, die bis weit ins Mittelalter hinein führt. Erfahren Sie mehr über den Rosmarin als Heilpflanze und Nutzkraut mit vielen Verwendungsmöglichkeiten.

Rosmarinus officinalis L.

Synonyme für Rosmarin: Rosmarinus angustifolia, Rosmarinus flexuosus, Rosmarinus latifolius, Salvia rosmarinus u.a.

Rosmarin

Volkstümliche Namen:
Brautkraut, Marienkraut, Meertau, Seetau, Kranzkraut, Kranzenkraut

Familie: Lamiaceae / Lippenblütengewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Lippenblütlerartige

Vorkommen: Europa, Mittelmeergebiete

 Hinweise

Rosmarin sollte nicht
in der Schwangerschaft
verwendet werden

Heilpflanze des Jahres 2011
Verband der Heilkräuterfreunde Deutschlands e.V.

notfall

Beschreibung:

Aus dem Mittelmeergebiet stammt der inzwischen auch bei uns verbreitete Rosmarin. Er zählt somit zu den mediteranen Heilkräutern, die bei uns heimisch wurden. Durch seine Herkunft kommt der Rosmarin schon mit vergleichbar geringen Mengen Wasser aus, mag jedoch keine Kälte. Der frostempfindliche Halbstrauch kann in gemäßigten Zonen bis zu 2 m hoch werden. Dabei ist der Rosmarin immergrün, stark verzweigt, mit ledrigen, nadelartigen, dunkelgrünen Blättern. Inzwischen gibt es jedoch auch winterharte Züchtungen, die teilweise bis zu 2,5 m Höhe erreichen.

Die Stengel sind kantig, braun und verholzen im 2. Jahr. Im oberen Bereich der Rosmarin-Zweige sitzen die Blüten zwischen die Nadelblätter in bläulichen oder zart rosafarbenen Scheinquirlen.

Die heute erhältlichen Rosmarin-Arten weichen lediglich durch die Optik und geringe Abweichungen in weiteren Nutzungsweisen voneinander ab.

Informationen zum Anbau

Lebensform: mehrjährig, Halbstrauch
Blütezeit: März bis Juli
Erntezeit: ganzjährig
Ernte: Blätter u. frische Triebe nach Bedarf, Blüten
Konservierung: in Zweigen trocknen, Lagerung ohne Zweige, vor der Nutzung kurz zerdrücken; in Essig oder Öl
Standort: sonnig, sandiger, eher trockener Boden
Pflegeanspruch: Triebspitzen regelmäßig nach der Blüte zurückschneiden, mäßig gießen, hell und kühl überwintern
Vermehrung: Aussaat als Vorkultur (keimt erst bei 21° C), Absenker, Ableger

Weitere Infos

Pflanzabstand: ca. 60 bis 80 cm; Das Kraut wird auf kalkhaltigen Böden kleiner, aber aromatischer. Als Heckenpflanze sowie zur Topfkultur geeignet wenn genügend Sonne am Standort; Rosmarin ist eine Bienenpflanze.

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Rosmarini aetheroleum (alte Bez.: Oleum rosmarini, Syn.: Oleum Roris marini)
Rosmarinöl

Inhaltsstoffe: Campher, Cineol, Pinen, Camphen, Borneol, u.a.

In der Volksheilkunde wird das Rosmarinöl zur Unterstützung der Behandlung von rheumatischen und Kreislaufbeschwerden verwendet. Dabei fördert Rosmarinöl die Durchblutung in Bädern oder Einreibungen ebenso wie bei Quetschungen und Verstauchungen.

Rosmarini folium (alte Bez.: Folia Rosmarini, Syn.: Folia Anthos, Folia Roris marini)
Rosmarinblätter

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Diterpenphenole, Rosmarinsäure, Flavone, Oleanol- und Urolsäure u.a.

Wie das Öl wird auch das Kraut vom Rosmarin in der Volksheilkunde bei Kreislaufbeschwerden, Durchblutungsstörungen genutzt. Dazu kommt die Verwendung zur unterstützenden Behandlung von Rheuma. Ein Heilbad mit Rosmarin sollte jedoch nicht am Abend angewandt werden, da es sonst den Schlaf beeinflussen kann. Die enthaltenen ätherischen Öle wirken anregend und stören somit das Ein- und Durchschlafen. Des weiteren wird dem Rosmarin eine antimikrobakterielle Wirkung zugeschrieben sowie die Linderungsfähigkeit von Gichterkrankungen. Der Rosmarin wird unter anderem als Tee getrunken, wobei eine lange Ziehzeit (ca. 10 Minuten) und wenig Kraut im Wasser bereits die aromatische Wirkung entfalten.

 

Für Kosmetik und Pflege

Die durchblutungsfördernde Wirkung des Rosmarins wird vor allem in Kräuterbädern genutzt und findet sich auch in entsprechenden Badezusätzen in Verbindung mit anderen Kräutern, deren ätherische Öle anregend wirken. Zu diesen Heilpflanzen zählt beispielsweise der Thymian. Da beim Rosmarin ätherische Öle enthalten sind, macht es Sinn, bei der Nutzung des Krautes für Kräuterbäder einen Emulgator wie Milch oder Sahne zum Wasser hinzuzufügen, damit die flüchtigen, ätherischen Öle nicht zu schnell verfliegen.

 

In der Küche

Ebenso beliebt wie in der Naturheilkunde ist der Rosmarin auch in der Küche. Sein intensives Aroma, das nur in Maßen eingesetzt werden sollte, passt zu Fleischgerichten aus Schwein und Lamm, zu Kräuterbutter, Gemüsesuppen, Käse und Grillgerichten. Gerne werden auch verholzte Stengel zum Räuchern von Fleisch und Fisch genutzt. Auch Süßspeisen können durch Rosmarin und sein enthaltenes ätherisches Öl eine besondere Note bekommen, beispielsweise ein aus den Blüten gezogener Sirup zu Fruchtsalaten und -pürrees, als würzige Zucker oder gezuckerte Blüten. Der Rosmarin kann als frisches und getrocknetes Kraut zum Einsatz kommen, wird jedoch als Zweig meist vor dem Servieren entfernt.

 

Für Dekorationen

Wie der Thymian kann auch der aromatische Rosmarin zur Herstellung von Kräutersträußen, – arrangements, -girlanden und -Kränzen gebunden werden. Durch das beständige Aroma eignen sich einzelne Zweige bereits zur Lufterfrischung eines Raumes. Die Blätter machen sich gut in Potpourries und Kräutertöpfen und Stengelstücke auf dem Holzkohlegrill machen nicht nur das Fleisch besonders aromatisch, sondern vertreiben obendrein Insekten. Auch als klassische Gartenpflanze macht der Rosmarin eine gute Figur: Er fühlt sich in Töpfen ebenso wohl wie im Beet, bedarf jedoch im Winter je nach Art etwas Schutz. So können Sie den Rosmarin in den Bauerngarten pflanzen oder auf Terrasse und Balkon für die Anwendung in der Küche bereithalten.

 

Überlieferungen / Aberglaube

Im Altertum bereits ins religiöse Alltagsleben als Götterschmuck (der Aphrodite geweiht) integriert, fand der Rosmarin in der antiken Medizin noch keinerlei Erwähnung. Erst im Mittelalter fand der Rosmarin als Heilpflanze zu seiner Bedeutung und wird in der Capitulare de villis von Karl dem Großen erwähnt. Allerlei Legenden ranken sich um die hübschen Zweige mit den blassblauen Blüten, die vom Blatt bis zur Blüte ihr ätherisches Öl verströmen. So soll die Heilige Jungfrau auf ihrer Flucht nach Ägypten den Mantel über einen Rosmarin-Strauch gebreitet haben und ihm den ehemals weißen Blüten zu ihrem charakteristischen bläulichen Farbton verholfen haben. Die blaue Farbe galt als Symbol für die Jungfrau Maria. Im 13. Jahrhundert hingegen erzählte man von einem Duftwasser mit Rosmarin, das ein Einsiedler die Königin Elisabeth von Ungarn gewidmet haben soll. Dieses Rosmarin-Wasser sollte ihr ewige Schönheit bringen.

Einer weiteren Überlieferung nach wurde der Rosmarin im 16. Jahrhundert für die angebliche Heilung der Königin Isabella von Ungarn besonders geschätzt, die durch Gicht gelähmt war und durch den später nach ihr genannten „Aqua Reginae Hungariae“ (Rosmarinblütenwein) geheilt worden sein soll.

In jedem Fall jedoch nutzte man im Mittelalter die harzigen Zweige für die Luftreinigung in Krankenzimmern und trug die Pflanze während der Pest als Schutz mit sich. Diese Nutzung von Rosmarin passt gut zur heute belegten Wirkung der Inhaltsstoffe mit antimikrobakteriellen Eigenschaften.

Verschiedene Rosmarin-Arten

 (unvollständige Auswahl)

Art besondere Merkmale
Rosmarinus officinalis Hauptart; offizinalis steht für die frühe,
ständige Nutzung von Rosmarin im Offizin der Apotheke
Rosmarinus officinalis albus weiße Blüten mit teilweise violettem Streifen
Rosmarinus officinalis
„Miss Jessopp’s Upright“
hellblaue Blüten, zierlicher Wuchs, Heckenpflanze, winterhart
Rosmarinus officinalis
„Majorcan Pink“
rosa Blüten, leuchtendgrüne Blätter
Rosmarinus officinalis prostratus filigrane Blätter, leuchtendblaue Blüten
Rosmarinus officinalis
„Severn Sea“
halbliegender Wuchs, hellblaue Blüten

 

Werbung