Der Baldrian wird als Heilpflanze bei Nervosität, innerer Unruhe und Schlafstörungen hoch geschätzt. Aufgrund der hohen Wirksamkeit werden auch in der klassischen Schulmedizin zahlreiche Präparate mit Baldrian als Inhaltsstoff einzeln sowie in einer Mischung mit anderen Heilpflanzen angeboten. Das Baldriankraut bietet sich jedoch auch in seiner natürlichen Form an, wo es als Tee, Tinktur oder als Tropfen gegen Syptome von Stress wirkt und zur Entspannung sowie zum erholsamen Schlaf beitragen soll.

 

Valerianae officinalis L.

Synonyme:
Valeriana officinalis, Euphrasia officinalis, Euphrasia minima, Euphrasia nemorosa, Euphrasia latifolia u.a.

Echter Baldrian

Volkstümliche Namen:
Katzenkraut, Augenwurzel, Balderbackenwurzel, Katzenwürzel, Katzenwurzel, Bullerjan, Hexenkraut (im Volksmund häufig vertrener Name verschiedener Pflanzen), Stinkwurz, Mondwurz, u.a.

 

Familie: Valerianaceae / Baldriangewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Kardenartige
Vorkommen:
Europa, gemäßigte Zonen Asiens, Kultur in USA

 

Hinweise

Baldrian (Valeriana) sollte nicht zu häufig
und nicht über einen längeren Zeitraum
eingenommen werden.

Bei Unsicherheit über die
Wirkung von Baldrian
fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

 

notfall

Beschreibung:

Echter Baldrian hat einen aufrechten Wuchs und kann unter entsprechenden Bedingungen bis zu 1,5 m hoch werden. Der Stängel ist gefurcht, hohl und behaart, die Blätter haben eine schmal-lanzettliche Form und sind leicht gefiedert, gezähnt und dunkelgrün. Das Aroma der Blätter erinnert leicht an Meerrettich. Die Blüten sind rosa bis weiß und stehen in schirmförmigen Trugdolden. Die Samen sind hellbraun, flach und tränenförmig sowie ca. 2 mm lang.

Vorwiegend genutzter Pflanzenteil ist der kurze Wurzelstock, der sehr eigen riecht (ähnlich wie altes Leder) und blasse, fibröse Wurzeln hat.

Informationen für de Abau:

Lebensform: mehrjährig, winterhart
Blütezeit: Mai bis August
Erntezeit: März bis Oktober
Ernte: Wurzeln im 2. Jahr nach dem Absterben der Blätter; Blätter von April bis Mai, Blüten von Mai bis Juni
Konservierung: Wurzelstock in Stücke schneiden und trocknen, riecht getrocknet „ranzig“
Standort: sonnig bis halbschattig, feuchter, nährstoffreicher Boden
Pflegeanspruch: reichlich Kompost
Vermehrung: Teilung oder Aussaat

Sonstige Pflanz-Infos:
Baldrian zieht Katzen, Ungeziefer und Würmer an und haben auf diese eine andere Wirkung als auf den Menschen: Kater machen „Katzenjammer“ da der Duft an den Sexuallockstoff erinnert. Regenwürmer werden in ihrer Aktivität angeregt.

Beim Anbau von Baldrian im Garten auf einen Abstand von 60 cm achten. Für Innenhaltung eingeschränkt geeignet (eigenwilliger, markanter Duft).

Jungpflanzen des Baldrians haben hellgrüne Stengel und ungeteilte Blätter.

Baldrian - Grafik Detailzeichnung

 

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Valerianae radix (alte Bez.: Radix valerianae, radix valeriana)
Syn.: Valerianae rhizoma
Baldrian-Wurzel

Inhaltsstoffe: Valerensäure, Valepotriate, Alkaloide, ätherisches Öl

Bekannt für seine beruhigenden Eigenschaften, wird Baldrian bei innerer Unruhe, nervös bedingten Schlafstörungen und vegetativen Beschwerden („unruhiger Magen“) erwähnt.

Oleum Valerianae aetheroleum
Baldrianwurzel-Öl

Das Öl wird für die Herstellung von Präparaten wie Tabletten, Tropfen und Tinkturen genutzt, die bei den oben genannten Beschwerden helfen.

 

Für Kosmetik & Pflege

Baldrian wird als Dekokt (Auskochung) der Wurzel für Gesichtswasser oder Badezusatz bei Akne oder Hautausschlägen verwendet.

 

In der Küche

Die Wurzel eignet sich als Würze in Suppen, Eintöpfen, aber auch für markante Fleischfüllungen. Im Salat lassen sich auch die jungen Blätter von Baldrian verwenden, wobei sie mit Feldsalat verglichen werden können.

 

Für Dekorationen

Baldrian eignet sich sehr gut als Randbepflanzung in Kräuterbeeten. Dabei wirkt er sich gleichzeitig günstig auf das Wachstum anderer Pflanzen aus und zieht Regenwürmer an. Allerdings: Baldrian zieht Katzen an!

 

Überlieferungen / Aberglaube

Der Name „Valerianae / Valeriana“ geht auf die mittelalterliche Bezeichnung der Heilpflanze Baldrian zurück und wird mit dem lateinischen Begriff valere (gesund sein, kräftig, wert sein) in Zusammenhang gebracht. In einigen Quellen wird der Baldrian jedoch auch mit dem germanischen Licht-Gott Baldur in Verbindung gebracht. Dieser Zusammenhang ist jedoch umstritten. Sicher jedoch ist, dass der Baldrian bereits die griechischen und römischen Ärzte der Antike beschäftigte, die ihn unter der Bezeichnung „Phu“ als harntreibendes und menstruationsförderndes Mittel empfahlen. Auch Perser und Chinesen rühmten die Heilkraft der Wurzel.

Im Mittelalter gab man Baldrian als Aphrodisiakum an, später auch als Mittel gegen die Pest. Aufgrund des extremen, eigentümlichen Geruchs ist nachvollziehbar, warum man der Baldrianwurzel im Volksglauben auch zauberabwehrende Eigenschaften zuschrieb. So durfte Baldrian in keinem Haus fehlen, dass vor Hexerei Schutz haben sollte. So sollte man man an der Bewegung eines aufgehängten Baldrian-Bündels erkennen können, wenn eine Hexe das Haus betreten hat. Ebenso war die Meinung verbreitet, dass der Mensch, der Baldrian im Schuh trägt, vor den Listen des Teufels geschützt sei. Verhexte Milch konnte ebenfalls durch Baldrian wieder zur Butterherstellung genutzt werden: Die nicht zu Butter werden wollende Milch wurde einfach durch einen Kranz aus Baldrian gegossen.

Bis heute zählt der Baldrian zu den hochgeschätzten Heilpflanzen und wird häufig als Alternative zu synthetischen Mitteln gegen Schlafstörungen und innere Unruhe empfohlen. Aufgrund der intensiven Wirkung sollten Sie die Anwendung zuvor mit Ihrem Arzt besprechen und die Tabletten, Tee- und Tropfen-Präparate nicht länger als zwei Wochen ohne ärztliche Anweisung nutzen.

 

 

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