Der Ziegler

Der Beruf des Zieglers in der Geschichte

Wer jemals eine Hausfassade, Pflasterung oder Kamin gesehen hat, kennt die Leistung des Zieglers. Doch hinter jedem Mauerstein steckt viel Handwerkskunst. Der Beruf des Zieglers ist jahrhundertelang gewachsen: Vom Ziehen einfacher Lehmsteine bis hin zur modernen Herstellung hochfester Industrieziegel. Heutzutage verbinden Zieglerinnen und Ziegler traditionelles Wissen mit Technik, Nachhaltigkeit und gestalterischer Verantwortung. Es ist ein Beruf zwischen Bau, Rohstoff und Umwelt.

Vom Lehm zum Ziegel: Arbeit mit Rohstoffen

Die oft nur kleinen Betriebe in der Geschichte der Ziegel-Herstellung  mussten mit entsprechenden Brennöfen nur den lokalen Markt beliefern, da Ton, Lehm und Holz überall reichlich vorhanden waren. Der Transport der schweren Ziegel war meist unwirtschaftlicher als die Errichtung eines weiteren Betriebes.

Ton- und Lehmböden bieten schon seit Urzeiten ideale Bedingungen für den Ziegelbau. Ziegler arbeiten ebenso wie Töpfer zumeist mit lokal gewonnenem Ton, dem Kies und Sand sorgfältig und möglichst homogen untergemischt werden. Zuerst wird der Rohstoff zerkleinert, entlüftet und ergänzt, etwa mit gebranntem Lehm (Schamotte), um Rissbildung zu vermeiden und Temperaturresistenz zu verbessern.

Traditionelle Herstellung von Ziegeln

Im traditionellen Verfahren formt der Ziegler Ziegel per Hand oder in Formen, in moderner Produktion auch mittels Extruder und Walzen. Entscheidend ist ein ausgeglichenes Verhältnis: zu nass, klebt; zu trocken, bricht. Das Finish entscheidet über Qualität und Einsatzbereich und ob frostfester Frost-Ziegel für Außenmauern oder hoch wärmeleitender Klinker für Fassaden geeignet ist.

Bis ins 18. Jahrhundert wurden die meisten Häuser (auch die Fachwerkhäuser) vorrangig mit Stroh gedeckt. Dies änderte sich jedoch insbesondere in den Städten wegen der Verbote der Stroheindeckungen bezüglich der Brandgefahr. Durch den entsprechend erhöhten Bedarf entstanden somit im Laufe des 19. Jahrhunderts größere Ziegeleien und entsprechende Verbesserungen in der Produktion.

Schwere Körperliche Arbeit kennzeichnet neben vielen Berufen des Bauhandwerkes wie dem Steinmetz, dem Maurer oder dem Zimmerer auch den Beruf des Zieglers. Der Ton wurde zuerst mit den Füßen geknetet, dann in eine Ziegelform gepresst, an der Luft getrocknet und anschließend im Brennofen gebrannt. Für das Brennen benötigte man ca. 3 Tage. Man geht heute davon aus, dass die einfachste und gebräuchlichste Form der einfache quaderförmige Ziegelstein war. Dachziegel waren ebenfalls schon bei den Römern bekannt, wurden aber in unseren Breiten erst seit dem 8. Jahrhundert in größerem Umfang verwendet.

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Der Ziegel-Brand: Ofentechnik und Temperaturführung

Nachdem die Steine oft mehrere Tage im Freien oder kontrolliert im Ofen vorgetrocknet sind, folgt der eigentliche Brennvorgang. Noch heute nutzen manche Ziegler Ringöfen (Rund- oder Tunnelöfen) mit Temperaturen von bis zu 1 200 °C. Die Temperaturführung ist entscheidend. Zu schnelles Brennen führt zu Rissen, zu langsam erhöht die Produktionskosten. Im Brand entwickeln sich die typischen Eigenschaften: Farbe, Festigkeit und Dichte.

Traditionelle Lehmkirchen nutzen oft Feldbrandverfahren. Sie brennen langsam, mit Holzkohle und offener Flamme. Moderne Industrien arbeiten computergesteuert, optimieren Energieeffizienz, CO₂-Vermeidung und thermische Masse der Ofenanlagen. Ziegler überwachen während des Brennens konstant Temperaturprofile, füllen, entnehmen und sichern jede Charge.

Qualitätsprüfung ist mehr als nur auf Risse schauen

Nach dem Brand überprüft der Ziegler jedes Stück. Sichtkontrolle erkennt typische Fehler wie Ausblühungen, Glattstellen, Krümel oder Risse. Fachgerechte Kontrolle lässt homogene Farbe, saubere Kanten und Maßhaltigkeit erkennen. Ein Beutel gewogen oder ein Hydrometer hilft bei Dichtigkeit und Saugfähigkeit. Dies ist gerade bei Klinkern oder Dämmziegeln wichtig. Laborprüfungen gehören heute zur Norm, um Druckfestigkeit, Frost-Tausalz-Verhalten und Wärmedämmung zu gewährleisten.

Für Spezialprodukte wie Schamottesteine oder keramische Wärmetauscher erfolgt auch chemische Prüfung. Nur geprüfte Steine verlassen das Werk. Sie müssen später mechanischem Druck, Wasser und Temperaturwechseln im Mauerwerk standhalten.

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Berufliche Wege: Ausbildungsinhalte und Spezialisierungen heute

In Deutschland erfolgt die reguläre Ausbildung heute im dualen Ausbildungsberuf „Verfahrensmechaniker/in in der Steine- und Erdenindustrie (Fachrichtung: Baustoffaufbereitung oder Formgebung)“ über drei Jahre. Sie umfasst:

  • Rohstoffe und Formgebung: Zerkleinern, Mischen, Formen per Hand und Maschine.
  • Brandtechnik: Öfen ein- und ausladen, Temperaturprofile verstehen.
  • Materialprüfung: Sicht-, Prüf- und Messverfahren.
  • Maschinenbedienung: Extruder, Hammermaschinen, Verpackungseinrichtungen.
  • Arbeitssicherheit und Umweltschutz: Staubreduzierung, Lärmschutz, EHS-Konzepte.
  • Wirtschaft und Kommunikation: Bauabläufe, technische Beratung, Logistik.

Nach der Ausbildung sind Spezialisierungen möglich: auf frosttausalzfeste Steine, baubiologisches Lehmbauverfahren, denkmalgerechte Ziegelauswahl, Forschungsabteilung für energiesparende Ofentechnik oder Qualitätssicherung. Auch der Weg zum Meister oder Techniker mit Führungsverantwortung steht offen für Design, Prozesssteuerung oder Beratung.

Nachhaltigkeit im Ziegelhandwerk

Ziegel sind recht nachhaltige Baustoffe: Die Rohstoffe sind lokal vorkommend, das Produkt langlebig und recycelbar. Dennoch erzeugt ihr Herstellungsprozess CO₂. Deshalb arbeiten Ziegler zunehmend an grünen Alternativen. Moderne Öfen nutzen Bio-Gase, Solarthermie oder Wärmerückgewinnung. Recyclingkapazitäten erlauben, Lehmreste aus Rückbau wieder in den Produktionskreislauf einzusetzen.

Neue Rezepturen mit hoher Dämmleistung (z. B. Blähton-Ziegel) reduzieren Energiebedarf im Gebäude nachhaltig. Manche Ziegler setzen auf Backsteine mit Pflanzenkohle oder Industrieascherückstände, um Ressourcen zu schonen.

Denkmalpflege erfordert den Einsatz historischer Techniken. Altes Mauerwerk verträgt keine Kunststoffe, sondern nur originalgetreue Ziegel. Der Ziegler wird so zugleich Rohstoffexperte, Technologe und Umweltschützer.

Tradition trifft Zukunft: Digitalisierung und Kreativbausteine

Digitalisierung hält auch im Ziegelwesen Einzug. 3D-Druck von Tonmodellen ermöglicht vorab Prototypen, z.B. für Sichtklinker mit Ornamenten. Computergesteuerte Öfen präzise zu regulieren, spart Energie und verbessert Qualität. 3D-Scan hilft bei Rück- und Neubauten. Originale Maße können digital erfasst und neue Ziegel millimetergenau produziert werden. Zudem entstehen kreative Bauprodukte: modulare, selbstverzahnte Elemente, adaptierbare Klinkersteine oder Elemente mit natürlicher Zusatzfunktion (z.B. integrierte Belüftungslöcher).

Moderne Ziegler beraten Architekten und planen in 3D CAD-Programmen, stellen Mustermodule her und entwickeln mit Designern künstlerische Fassaden. Das Material „Ziegel“ leistet so mehr als nur den Rohstoff für Mauerwerk.

Alltag eines Ziegler: Baustelle, Werkstatt & Denkmalpfleger

Der Arbeitsalltag kann sehr gegensätzlich und abwechslungsreich sein:

  • Morgens im Werk in Schutzkleidung und Staubmaske, verschiedene Tonmischungen prüfen
  • Mittags auf der Baustelle Ziegel anliefern, in Absprache mit Maurerteams
  • Nachmittags Temperaturlisten checken oder Mischverhältnisse justieren.

Auch Denkmalpflege kann ergänzen. Hier sind historische Muster zu erkennen, Originalziegel zu beschaffen und Nachbauten durchzuführen, oft in Flechtwerk mit Strangziegelteilen.

Ausbildungsbetriebe organisieren den Ladungsverkehr, die Qualitätssicherung und die Schulung junger Ziegler. Kommunikation ist wichtig für das Zusammenspiel mit Architekten, Bauherren und Technikern. Teamarbeit, Präzision und Materialverständnis sind gefragt, aber auch Gestaltungsfreude und Problemlösungskompetenz: Kein Projekt gleicht dem anderen.

Historischer Beruf heute: Warum der Ziegler zählt

Der Beruf des Zieglers verbindet Natur, Technik und Kreativität. Rohstoffe aus der Erde formen, Ofentechnik steuern, Qualität prüfen. Das alles macht den Ziegler zum Rohstoffexperten, Technologen und Baumeister zugleich. Nachhaltigkeit, Recycling und Digitalisierung bringen neue Dimensionen, alte Techniken sichern kulturelles Erbe.

Ziegler sorgen dafür, dass Gebäude atmen, Menschen wohnen und Mauern Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte überdauern. Sie sind mitverantwortlich für Lebensqualität, Umwelt und architektonische Ästhetik. Wer diesen Beruf ergreift, arbeitet körperlich, intelligent und kreativ mit Verantwortung und Geschichte. Ein spannender Beruf mit Tradition und Zukunft.

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