Im Mittelalter organisierten sich die Sattler in Zünften, gemeinsam mit verwandten Berufen wie Riemern oder Täschnern. Diese Zünfte sorgten für Qualität, regelten die Ausbildung und machten aus dem Beruf eine angesehene Laufbahn. Lehrlinge durchliefen lange Ausbildungszeiten, mussten auf Wanderschaft gehen und sich schließlich als Meister beweisen. Besonders in den Städten florierte das Handwerk, aber auch auf dem Land war der Sattler unverzichtbar.
Seine Arbeit hielt die Wirtschaft buchstäblich in Bewegung. So fand sich im Mittelalter in fast jeder zentraleren Ortschaft ein Sattler mit seiner Werkstatt in deren Umkreis jener auch „auf die Stör“ gingen, d.h., sie besuchten die umliegenden Dörfer und Gehöfe und erledigten die Arbeiten direkt vor Ort gegen Kost und Logie.
Begehrt war die Tätigkeit der „Sattler auf der Stör“ jedoch weit über das Mittelalter hinaus. Die Bezeichnung nannte den wandernden Handwerker, der nicht ausschließlich in einer festen Werkstatt arbeitete, sondern mit Werkzeugtasche, Ahlen und Garn von Hof zu Hof zog, um dort direkt Pferdegeschirre, Zaumzeug oder Kummet anzupassen und zu reparieren.
Vor allem in ländlichen Regionen des 18. und 19. Jahrhunderts war diese mobile Dienstleistung unerlässlich: Transportkosten entfielen, das Leder blieb passgenau am Tier, und der Bauer stellte Mahlzeit, Schlaflager und oft Naturalien als Lohn. Der Stör-Sattler war zugleich Fachmann und Nachrichtenbote, verbreitete Neuigkeiten vom nächsten Markt und brachte neue Techniken ins Dorf, lange bevor Industriebetriebe standardisierte Geschirre lieferten.