Löwenzahn galt im alten Handwerk als flexibel einsetzbares Hilfsmittel, das leicht und schnell verfügbar war. Aus dem milchigen Pflanzensaft, der bei Verletzung der Stängel austritt, versuchten findige Handwerker einst, eine Art Kautschukersatz herzustellen.
Seine kräftigen Wurzeln, zähen Stängel und der milchige Saft boten Eigenschaften, die Handwerker im Alltag zu nutzen wussten. Besonders im Färberhandwerk kam die Pflanze zum Einsatz. Aus Wurzeln und Blättern gewann man milde Gelb- und Ockertöne, die vor allem für einfache Woll- und Leinenfärbungen verwendet wurden. Zwar waren diese Farbtöne nicht so lichtbeständig wie die großer Färberpflanzen, doch im ländlichen Raum war der Löwenzahn ein leicht zugänglicher, kostenloser Farbspender.
Gerbern diente der Pflanzensaft als natürliches Reinigungsmittel. Mit seinem leicht bitteren, latexhaltigen Milchsaft konnten Gerber kleinere Flecken auf rauem Leder anlösen oder Werkzeuge von Fett befreien. Auch die Wurzelabsude wurden genutzt, um Lederriemen etwas geschmeidiger zu machen und ihnen einen wärmeren Ton zu verleihen.
Das Papier- und Buchhandwerk kannte den Löwenzahn als Hilfspflanze für leichte Tönungen und Reinigungen. Sein Sud wurde eingesetzt, um Papiere mattgelb zu färben, Briefränder zu verzieren oder Kleister für einfache Einbände aromatisch zu verfeinern. Aus dem luftigen Pappus, den reifen „Schirmchen“, fertigten manche Werkstätten weiche Polster für empfindliche Arbeiten, etwa beim Pressen kleiner Druckplatten oder beim Reinigen feiner Metallteile.
Käser und Bauern deckten frischen Weichkäse oder Butter mit großen Löwenzahnblättern ab, wenn keine Tücher zur Hand waren, da sie kühlten und nicht anhafteten.