Der Echte Eibisch war in zahlreichen historischen Handwerksberufen ein vielseitiges Funktionskraut, dessen schleimreicher Wurzelauszug als natürliches Arbeitsmittel diente.
Bäcker und Konditoren nutzten die aufschäumende Abkochung der Eibischwurzel als frühe Grundlage luftiger Zuckermassen, lange bevor Eiweißschaum verbreitet war. Dieser gilt als ein Vorläufer späterer Marshmallows und Schaumspeisen.
Im Faser- und Textilhandwerk, z.B. bei Spinnerinnen, Webern und Walkern, wurde der zähe Sud eingesetzt, um Wolle und Leinen vorzuquellen, weicher zu machen und gleichmäßiger verspinnen zu können. Das Benetzen der Hände mit Eibischwasser erleichterte das Führen feiner Fäden und verhinderte das Aufspleißen. Dies war ein wichtiger Vorteil in Werkstätten ohne moderne Hilfsmittel.
Eine bedeutende Rolle spielte Eibisch in der Herstellung von Farben und Tinten, das Buchmaler, Schreiber, Illuminatoren und Malergesellen gleichermaßen betraf. Der Wurzelschleim diente als mildes Bindemittel für Pigmente, um Wasserfarben, Lasuren und Buchfarben geschmeidiger zu machen und saubere Verläufe zu ermöglichen. In der Papierherstellung und in Schreiberwerkstätten wurde Eibisch dem Ansatz von Gallus- und Rußtinten beigemischt, um die Fließfähigkeit zu verbessern und das Ausfasern auf rauen Papieren zu verhindern. Beim Zerreiben von Mineralpigmenten wurde Eibischwasser genutzt, um feinen Staub zu binden und harte Pigmente leichter zu vermahlen.
Auch der Gerber und andere Leder-Handwerker fanden im Eibisch Hilfestellung. Der Pflanzenschleim half, Häute vor dem Gerben geschmeidig zu halten, erleichterte das Glätten und minderte Reibung bei der Bearbeitung. In einfachen Werkstätten wurde er zudem als Gleitmittel beim Polieren oder beim Einpassen kleiner Lederstücke genutzt.