Im Volks- und Aberglauben wurde die Knoblauchrauke mit schützenden und reinigenden Kräften in Verbindung gebracht. Ähnlich wie echter Knoblauch galt sie als Pflanze, die negative Einflüsse fernhalten und das Wohlbefinden stärken kann, allerdings in einer sanfteren, weniger intensiven Ausprägung.
Konkrete, eindeutig belegte Hinweise auf die Knoblauchrauke in den großen medizinischen oder magischen Schriften der Antike sind kaum bekannt. Im Gegensatz zu echtem Knoblauch oder stark wirkenden Heilpflanzen taucht sie in den bekannten Werken von Autoren wie Dioskurides oder Plinius nicht eindeutig identifizierbar auf, vermutlich, weil sie als „einfaches“ Wildkraut galt und weniger im Fokus der gelehrten Heilkunde stand.
Im Mittelalter finden sich hingegen indirekte Spuren ihrer Nutzung. In der Kloster- und Volksheilkunde wurde sie als würzige und zugleich nützliche Pflanze geschätzt. Besonders in der sogenannten „Armenküche“ spielte sie eine Rolle, da sie leicht zu finden war und Speisen geschmacklich bereicherte. Ihre verdauungsfördernden und „reinigenden“ Eigenschaften passen gut zu den humoralmedizinischen Vorstellungen der Zeit, auch wenn sie nicht immer ausdrücklich namentlich erwähnt wird.
Man schrieb ihr die Fähigkeit zu, Haus und Hof symbolisch zu reinigen. So wurde sie gelegentlich an Eingängen ausgelegt oder in der Nähe von Wohnbereichen gepflanzt, um unerwünschte Energien fernzuhalten. Ihr charakteristischer Geruch spielte dabei eine wichtige Rolle, da stark duftende Pflanzen im Volksglauben oft als besonders schützend galten.
Darüber hinaus wurde die Knoblauchrauke mit innerer Stärkung und Lebenskraft verbunden. In manchen Regionen glaubte man, dass der Verzehr im Frühjahr den Körper belebt und neue Energie für das Jahr schenkt. Diese Vorstellung passt zur traditionellen Nutzung als erstes frisches Wildkraut nach dem Winter.
In Kräuterbüchern der frühen Neuzeit, etwa bei Autoren wie Hieronymus Bock oder Leonhart Fuchs, werden ähnliche Wildpflanzen beschrieben, die aufgrund ihrer Merkmale und ihres Geruchs mit der Knoblauchrauke in Verbindung gebracht werden können. Eine eindeutige Zuordnung ist jedoch nicht immer möglich, da die botanische Systematik erst später präziser wurde.
Auch im übertragenen Sinne stand die Pflanze für Erneuerung und Reinigung, passend zu ihrem frühen Erscheinen im Jahreslauf. Sie galt als stiller Begleiter des Übergangs vom Winter zum Frühling und wurde so zu einem Symbol für Neubeginn, Schutz und sanfte Stärkung.