Viola odorata L.

„Sei so schön wie das Veilchen im Moose…“ heißt es in einem bekannten Poesialbum-Vers und vielen anderen Werken der Literatur. Das kleine Blümchen wird mit Themen wie Demut und Bescheidenheit in Verbindung gebracht, ist aber eigentlich ein vielfältiger und robuster Garten-Bewohner.

Veilchen / Duftveilchen

Volkstümliche Namen:
Viola, Märzveilchen, Wohlriechendes Veilchen, Oeschen, Osterchen

Familie: Violaceae / Veilchengewächse
Untergruppe: Rosenähnliche
Ordnung: Malpighinienartige

Vorkommen: Europa

Hinweise

bezaubernd-aromatischer
Frühlingsbote

Heilpflanze des Jahres 2007
(NHV Theophrastus)

 

Beschreibung:

Wenn erst die Veilchen blühen, hat der Frühling endgültig Einzug gehalten. Dieser kleine Frühlingsbote ist lediglich 10 bis 15 cm hoch, wächst aus einer grundständigen Blattrosette und trägt herzförmige, mittel- bis dunkelgrüne Blätter. Das Veilchen bildet Ausläufer, die sich selbst ca. alle 10 cm neu verwurzeln.

Der Wurzelstock der Viola ist gelbbraun und trägt viele kleine Haarwurzeln. Die Samen der Veilchen sind bräunlich, rund, klein und hart. Charakteristisch sind jedoch die zarten Blüten deren Farbspektrum sich von dunkelviolett bis weiß erstreckt und die ersten Schmetterlinge des Jahres mit ihrem aromatischen Duft zum Nektar locken.

Informationen für den Anbau

Lebensform: mehrjährig, winterhart
Blütezeit: März bis April
Erntezeit: März bis April
Ernte: Blüten (wenn fast geöffnet), Blätter u. frische Triebe während der Blütezeit, Wurzel im Herbst ausgraben
Konservierung: trocknen – Blüten kandieren oder trocknen
Standort: Halbschatten, bevorzugt Morgen- und Abendsonne; leicht feuchter Boden
Pflegeanspruch: anspruchslos
Vermehrung: Teilung, Stecklinge

Sonstige Informationen

Pflanzabstand: ca. 20 bis 40 cm; Nicht für die Innenhaltung geeignet.
Der einfachste Weg, Veilchen im Garten zu pflanzen, erfolgt über das einsetzen einzelner Pflanzen. Die Ausbreitung erfolgt dann meist ohne weiteres Zutun.

Das Duftveilchen wurde vom NHV Theophrastus zur „Heilpflanze des Jahres 2007“ gekürt.

Veilchen Kräuter-Profil Grafik

 

Verwendungsmöglichkeiten für Veilchen:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Violae aetheroleum (alte Bez.: Oleum violae, Syn.: Oleum Violae odoratae aethereum)
Veilchenöl

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Saponine, Schleimstoffe, Jonon, u.a.

Das Öl wird vor allem in der Kosmetik genutzt sowie als Anti-Insektenmittel, teilweise auch in der Landwirtschaft gegen den Holzbock.

Violae odoratae flos (alte Bez.: Flores Violae odoratae, Syn.: Flores Violarum)
Veilchenblüten

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide, Schleimstoffe, Salicylsäure, Violin, Gauin, u.a.

Die Volksheilkunde bezeichnet die Veilchenblüten als Mittel bei Kopfschmerzen sowie bei Schlaflosigkeit. Auch findet man die Blüten als Bestandteil in Husten- und Bronchialtees wegen ihrer schleimlösenden Eigenschaften.

Violae odoratae folium (alte Bez.: Folia Violae odoratae)
Veilchenblätter

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide, Schleimstoffe, Salicylsäure, Violin u.a.

Die zur Blütezeit gesammelten Blätter des Veilchens werden vorwiegend als Teezutat in husten- oder harntreibenden Mischungen genutzt sowie zur Herstellung des ätherischen Öls für die Kosmetik.

Violae odoratae herba (alte Bez.: Herba Violae odoratae)
Veilchenkraut

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide, Schleimstoffe, Salicylsäure, Violin u.a.

Ähnlich wie die Blätter findet auch das Kraut Verwendung im Bereich bronchialer Erkältungskrankheiten, sowie des weiteren für Waschungen bei Hautleiden.

Violae odoratae rhizoma (alte Bez.: Rhizoma Violae odoratae, Syn.: Radix Violae, Radix Violae odoratae, Rhioma Violae)
Veilchenwurzel, Echte Veilchenwurzel

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide, Schleimstoffe, Salicylsäure, Violin, Gaultherin u.a.

Die Veilchenwurzel wird in der Volksheilkunde bei bronchialen Erkrankungen und rheumatischen Beschwerden erwähnt. Auch als Alternative zum Beißring für Babys wird die Wurzel von Veilchen gerne verwendet.

 

Für Kosmetik & Pflege

Das ätherische Öl wird in der hochwertigen Kosmetik gerne als Duftstoff eingesetzt. Dem Veilchenöl werden ausgleichende Eigenschaften nachgesagt.

 

In der Küche

Insbesondere die Blüten sind eine wahre Delikatesse in der Küche. Veilchenblüten eignen sich sowohl zur Herstellung von Sirup, Likör, Tee und Salaten, aber auch ganz besonders zur Aromatisierung von Zucker, in kandierter Form als Dekoration von Süßspeisen und Desserts. Aber auch für Suppen, Soßen und Salaten sind Veilchenblätter und -blüten eine außergewöhnlich schmackhafte Zutat. Das Veilchen zählt neben den Rosen zu den beliebtesten Blüten für die Herstellung von kandierten Blüten. Liebhaber essbarer Blüten dürften kaum auf das Veilchen verzichten wollen.

Lesen Sie mehr über die Vielfalt von Blumen und Blüten in der Küche in unserem „Essbare Blüten“-Spezial

 

Für Dekorationen

Leider sind die zarten Veilchen nicht für die Innenhaltung im Topf geeignet – jedoch spricht nichts dagegen, sie ihn keine Kräutersträuße zu arrangieren. Natürlich sehen sie auch als Speisengarnitur besonders hübsch aus und lassen sich des weiteren auch für Duftschalen und Potpourries verwenden. Die Veilchenwurzel dient dabei zugleich als Fixierungsmittel. Als Alternative zum Veilchen lassen sich Stiefmütterchen oder Hornveilchen wählen. Die nahe Verwandte der kleinen Viola kommt in vielfältigen Farben, auch dreifarbig / tricolor, im Garten zum Einsatz und lässt sich eingeschränkt auch in Innenbereichen anpflanzen.

 

Überlieferungen / Aberglaube

Der Gattungsname Viola wird bereits bei den Griechen erwähnt und wird mit dem mythologischen zum einen mit der Verwandlung einer Tochter des Atlas durch Zeus in Verbindung gebracht (Sie floh vor Apollon); zum anderen berichtet eine Sage, dass ionische Nymphen diese Blume dem Ion zur Gründung der Stadt Athen gebracht haben sollen.

Symbolisch sahen die Griechen im Veilchen ein Fruchtbarkeitszeichen. Dies dürfte auf die frühe Zeit der Blüte zurückzuführen sein. Das klassische Veilchen „Viola odorata“ gehört zu den Frühblühern, wenngleich die verwandten Stiefmütterchen nahezu durchgängig von Frühling bis Herbst im Garten eingesetzt werden können. Die Römer wurden im kulinarischen unter anderem für ihren Veilchenwein bekannt, bei dem Wein mit den Blüten des Veilchens angereichert wurden. In beiden antiken Kulturen war das Duftveilchen verschiedenen Gottheiten geweiht. Zudem galt das Veilchen als eine Blumen der Liebe und somit als Zeichen der Zuneigung der Angebeteten zur Verfügung. Doch sind dies nur Beispiele für die vielfältigen Erwähnungen des Veilchens in der Mythologie.

Auch in späterer Zeit war das Veilchen stets beliebt – so wurde die erste Veilchenblüte im 12. Jahrhundert am Wiener Hof mit einem großen Fest begangen. Ein Brauch, der im Mittelalter wohl in vielen Gegenden Süddeutschlands ebenso begangen wurde. Darüber hinaus wurde auch Napoleon ein großes Gefallen am Veilchen zugeschrieben – seine Ankündigung, mit Veilchen nach Paris zurückkehren zu wollen, machte das zarte Blümchen zum Symbol für seine getreuen Anhänger.

In der Blumensprache symbolisiert das Veilchen Demut und Bescheidenheit. Eine Zuordnung, die von der Frankfurter Floristik Marianne Beuchert bereits als „nicht von einem Gärtner stammend“ sieht, da die zart wirkende Pflanze Viola ein zähes und zielstrebiges Pflänzchen ist, das sich selbst in einer rauen Umgebung der Gartengestaltung gut durchsetzen kann.

 

 

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