Rosmarinus officinalis L.

Synonyme: Rosmarinus angustifolia, Rosmarinus flexuosus, Rosmarinus latifolius, Salvia rosmarinus u.a.

Rosmarin, Foto: Retama/wikipedia
Rosmarin, Foto: Retama/wikipedia

Rosmarin

Volkstümliche Namen:
Brautkraut, Marienkraut, Meertau, Seetau, Kranzkraut, Kranzenkraut

Familie: Lamiaceae / Lippenblütengewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Lippenblütlerartige

Vorkommen: Europa, Mittelmeergebiete

 Hinweise

nicht in der Schwangerschaft zu verwenden

Heilpflanze des Jahres 2011
Verband der Heilkräuterfreunde Deutschlands e.V.

notfall

Beschreibung:

Aus dem Mittelmeergebiet stammt der inzwischen auch bei uns verbreitete Rosmarin. Dieser frostempfindliche Halbstrauch kann in gemäßigten Zonen bis zu 2 m hoch werden, ist immergrün, stark verzweigt, mit ledrigen, nadelartigen, dunkelgrünen Blättern. Inzwischen gibt es jedoch auch winterharte Züchtungen, die teilweise bis zu 2,5 m Höhe erreichen.

Die Stengel sind kantig, braun und verholzen im 2. Jahr. Im oberen Bereich der Zweige sitzen die Blüten zwischen die Nadelblätter in bläulichen oder zart rosafarbenen Scheinquirlen.

Die heute erhältlichen Rosmarinarten weichen lediglich durch die Optik und geringe Abweichungen in weiteren Nutzungsweisen voneinander ab.

Informationen zum Anbau

Lebensform: mehrjährig, Halbstrauch
Blütezeit: März bis Juli
Erntezeit: ganzjährig
Ernte: Blätter u. frische Triebe nach Bedarf, Blüten
Konservierung: in Zweigen trocknen, Lagerung ohne Zweige, vor der Nutzung kurz zerdrücken; in Essig oder Öl
Standort: sonnig, sandiger, eher trockener Boden
Pflegeanspruch: Triebspitzen regelmäßig nach der Blüte zurückschneiden, mäßig gießen, hell und kühl überwintern
Vermehrung: Aussaat als Vorkultur (keimt erst bei 21° C), Absenker, Ableger

Weitere Infos

Pflanzabstand: ca. 60 bis 80 cm; Das Kraut wird auf kalkhaltigen Böden kleiner, aber aromatischer. Als Heckenpflanze sowie zur Topfkultur geeignet wenn genügend Sonne am Standort; Bienenweide.

Rosmarin; Köhlers Medizinalpflanzen; Abb. Biolib.de
Rosmarin; Köhlers Medizinalpflanzen; Abb. Biolib.de

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Rosmarini aetheroleum (alte Bez.: Oleum rosmarini, Syn.: Oleum Roris marini)
Rosmarinöl

Inhaltsstoffe: Campher, Cineol, Pinen, Camphen, Borneol, u.a.

In der Volksheilkunde wird das Öl zur Unterstützung der Behandlung von rheumatischen und Kreislaufbeschwerden eingesetzt. Dabei fördert Rosmarin die Durchblutung in Bädern oder Einreibungen ebenso wie bei Quetschungen und Verstauchungen.

Rosmarini folium (alte Bez.: Folia Rosmarini, Syn.: Folia Anthos, Folia Roris marini)
Rosmarinblätter

Inhaltsstoffe: äth. Öl, Diterpenphenole, Rosmarinsäure, Flavone, Oleanol- und Urolsäure u.a.

Wie das Öl wird auch das Kraut in der Volksheilkunde bei Kreislaufbeschwerden, Durchblutungsstörungen sowie zur unterstützenden Behandlung von Rheuma genutzt. Ein Heilbad mit Rosmarin sollte jedoch nicht am Abend angewandt werden, da es sonst den Schlaf beeinflussen kann. Des weiteren wird dem Rosmarin eine antimikobakterielle Wirkung zugeschrieben sowie die Linderungsfähigkeit von Gichterkrankungen.

 

Für Kosmetik und Pflege

Die durchblutungsfördernde Wirkung des Rosmarins wird vor allem in Kräuterbädern genutzt und findet sich auch in entsprechenden Badezusätzen in Verbindung mit anderen Kräutern wie beispielsweise Thymian.

 

In der Küche

Ebenso beliebt wie in der Naturheilkunde ist der Rosmarin auch in der Küche. Sein intensives Aroma, das nur in Maßen eingesetzt werden sollte, passt zu Fleischgerichten aus Schwein und Lamm, zu Kräuterbutter, Gemüsesuppen, Käse und Grillgerichten. Gerne werden auch verholzte Stengel zum Räuchern von Fleisch und Fisch genutzt. Auch Süßspeisen können durch Rosmarin eine besondere Note bekommen, beispielsweise ein aus den Blüten gezogener Sirup zu Fruchtsalaten und -pürrees, als würzige Zucker oder gezuckerte Blüten.

 

Für Dekorationen

Wie der Thymian kann auch der aromatische Rosmarin zur Herstellung von Kräutersträußen, – arrangements, -girlanden und -Kränzen gebunden werden. Durch das beständige Aroma eignen sich einzelne Zweige bereits zur Lufterfrischung eines Raumes. Die Blätter machen sich gut in Potpourries und Kräutertöpfen und Stengelstücke auf dem Holzkohlegrill machen nicht nur das Fleisch besonders aromatisch, sondern vertreiben obendrein Insekten.

 

Überlieferungen / Aberglaube

Im Altertum bereits ins religiöse Alltagsleben als Götterschmuck (der Aphrodite geweiht)integriert, fand der Rosmarin in der antiken Medizin noch keinerlei Erwähnung. Erst im Mittelalter fand dieses Kraut zu seiner Bedeutung und wird in der Capitulare de villis von Karl dem Großen erwähnt. Allerlei Legenden ranken sich um die hübschen Zweige mit den blassblauen Blüten. So soll die Heilige Jungfrau auf ihrer Flucht nach Ägypten den Mantel über einen Rosmarinstrauch gebreitet haben und ihm die ehemals weißen Blüten zu ihrem charakteristischen bläulichen Farbton verholfen haben. Im 13. Jahrhundert hingegen erzählte man von einem Duftwasser, dass ein Einsiedler die Königin Elisabeth von Ungarn gewidmet haben soll, welches ihr ewige Schönheit bringen sollte.

Einer weiteren Überlieferung nach wurde der Rosmarin im 16. Jahrhundert für die angebliche Heilung der Königin Isabella von Ungarn besonders geschätzt, die durch Gicht gelähmt war und durch den später nach ihr genannten „Aqua Reginae Hungariae“ (Rosmarinblütenwein) geheilt worden sein soll.

In jedem Fall jedoch nutzte man im Mittelalter die harzigen Zweige für die Luftreinigung in Krankenzimmern und trug die Pflanze während der Pest als Schutz mit sich.

Verschiedene Rosmarin-Arten

 (unvollständige Auswahl)

Art besondere Merkmale
Rosmarinus officinalis Hauptart; offizinalis steht für die frühe,
ständige Nutzung im Offizin der Apotheke
Rosmarinus officinalis albus weiße Blüten mit teilweise violettem Streifen
Rosmarinus officinalis
„Miss Jessopp’s Upright“
Hellblaue Blüten, zierlicher Wuchs, Heckenpflanze, winterhart
Rosmarinus officinalis
„Majorcan Pink“
Rosa Blüten, leuchtendgrüne Blätter
Rosmarinus officinalis prostratus filigrane Blätter, leuchtendblaue Blüten
Rosmarinus officinalis
„Severn Sea“
halbliegender Wuchs, hellblaue Blüten

 

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