Levisticum officinale (W.D.J. Koch)

Synonym: Ligusticum levisticum

Liebstöckel, Foto: H. Zell
Liebstöckel, Foto: H. Zell

Huflattich

Volkstümliche Namen:
Maggikraut, Luststecken, Gebärmutterkraut, Badekraut, Bärmutter, Labstockwurzel, Gichtwurz, Nusskraut, Nervenkraut, Wasserkräutel, Suppenlob

Familie: Apiaceae / Doldenblütlergewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Doldenblütlerartige

Vorkommen: Vorderasien, Europa

 Hinweise

Nicht in der Schwangerschaft verwenden

Nicht bei Nierenleiden einsetzen

 

notfall

Beschreibung:

Der Liebstöckel wächst buschig, wird bis zu 2 m hoch und hat dunkelgrün glänzende, zwei- bis dreifach gefiederte, gezähnte Blätter an langen Stängeln. Die Stängel sind hohl, gefurcht, grün-rot und nach oben hin verzweigt. Erst ab den Verzweigungen setzen auch die Blätter an.

Die Wurzel ist dick, aromatisch und graubraun und wirkt dabei fleischig. Die Blüten werden bis zu 25 cm groß und stehen in kleinen, blassgrünen, bisweilen gelblichen Dolden. Aus ihnen entstehen gelbbraune elliptische Spaltfrüchte, von ca. 6 mm länge.

Informationen zum Anbau

Lebensform: mehrjährig winterhart
Blütezeit: Juli bis September
Erntezeit: März bis Mai; September
Ernte: junge Blätter vor der Blüte, Samenreife (hellbraun)
Konservierung: trocknen, Blätter auch einfrieren
Standort: sonnig bis halbschattig
Pflegeanspruch: im Herbst düngen (Kompost)
Vermehrung: Aussaat im Frühjahr oder Spätsommer; Abteilung von Wurzelablegern

Sonstige Pflanz-Infos:

Diese Pflanze, dessen charakteristischer Duft ein bekanntes Flüssig-Würzmittel sehr prägte ist inzwischen fast unter dessen Namen bekannter als unter seinem eigenen – das Maggikraut. Das amüsante an diesem Namen ist jedoch, dass die Flüssigwürze kein Liebstöckel enthält.

Pflanzabstand beträgt optimalerweise 60 cm – Wurzel erst im 2. oder 3 Jahr ernten; nicht für Innenhaltung geeignet

 

Liebstöckel; Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885; Abb. Biolib.de
Liebstöckel; Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885; Abb. Biolib.de

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Levistici fructus (alte Bez.: Fructus Levistici, Syn.: Semen Levistici)
Liebstöckelfrüchte

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl mit ß-Phellandren, Alkylphthaliden, Furanocumarine, sowie Imperatorin, Bergapten u.a.

In der Volksheilkunde finden sich die Samen des Liebstöckels als hilfreiche Helfer bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen.

Levistici herba (alte Bez.: Herba Levistici, Syn.: Herba Ligustici)
Liebstöckelkraut

Inhaltsstoffe: wie die Samen, mit abweichenden Werten sowie zusätzlichen Inhaltsstoffen wie Umbelliferon u.a.

Das Kraut findet nur in der Küche Verwendung, soll jedoch in vergangenen Zeiten auch als Aphrodisiaka angesehen worden sein.

Levistici radix (alte Bez.: Radix Levistici, Syn.: Radix Laserpitii germanici, Radix Ligustici)
Liebstöckelwurzel

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Cumarine, Furanocumarine, Zucker u.a.

Der Wurzel spricht die Volksheilkunde die meisten Verwendungsmöglichkeiten zu, so findet sie Erwähnung als Mittel bei unspezifischen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie zur Vorsorge solcher Erkrankungen. Des weiteren soll die Wurzel bei Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden Linderung verschaffen sowie schleimlösend auf die Atemwege wirken.

 

Für Kosmetik & Pflege

 

In der Küche

Als Gewürz werden die Samen ebenso verwendet wie das Kraut oder die Wurzel. Des weiteren wird die Wurzel und ihre Auszüge auch in der Likörindustrie genutzt.

 

Für Dekorationen

Liebstöckel eignet sich vor allem frisch geschnitten allein in einer hohen Vase oder auch in einem schönen Kräuterstrauß.

 

Überlieferungen / Aberglaube

Bereits bei den Germanen war der Liebstöckel bekannt und wurde als Zaubermittel gegen Unwetter und Hexerei angesehen. Im Antiken Griechenland hingegen sah man ihn eher als Medizin und wurde wie heute als Diuretikum eingesetzt sowie zu früheren Zeiten auch als Hilfsmittel bei der Geburt und bei Menstruationsbeschwerden.

Bis ins Mittelalter hinein sagte man dem Kraut nach, dass es die Beliebtheit fördere, weshalb junge Frauen die Wurzel an ihrem Körper trugen, um sich den Geliebten geneigt zu machen, während man kleine Mädchen in Liebstöckel badete, damit sie später genügend Männern gefallen würden, um sich einen aussuchen zu können. Auch der Name „Liebstöckel“ – als unverhüllte Bezeichnung des Phallus – macht den Zusammenhang klar, weshalb man im 16. Jahrhundert sogar ein Aphrodisiakum in Kraut und Wurzel sah.