Foeniculum vulgare Mill. 1768

Fenchel, Foto: H. Zell/Wikipedia.de
Fenchel, Foto: H. Zell/Wikipedia.de

Gewürzfenchel

Volkstümliche Namen:
Fennekel, Fennichl, Fennkol

Familie: Apiaceae / Doldenblütlergewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Doldenblütlerartige

Vorkommen: Europa, gemäßigte Klimazonen

Hinweise

In Milchbildungstees enthalten
Sanfte Wirkung auch für Säuglinge als Tee geeignet

Ätherisches Öl nicht für Babys geeignet!

Keine übergroßen Mengen einnehmen

 

notfall

Beschreibung:

Der Gewürzfenchel wird bis zu 2 m hoch, hat einen aufrechten Wuchs mit aromatischen, fein gefiederten Blättern, welche sich im Laufe des Jahres von hellgrün zu dunkelgrün färben. Die Stängel sind rund, gefurcht, dunkelgrün und im Frühjahr noch saftig, werden jedoch bis zum Herbst hohl.

Die Blüten sind aromatisch, flach und sprießen in gelben Dolden ab Juli. Die aus ihnen entstehenden Samen sind länglich eiförmig und grün bis hellbraun.

Informationen für den Anbau

Lebensform: mehrjährig, winterhart / Staude
Blütezeit: Juli bis Oktober
Erntezeit: Juli bis August
Ernte: grüne Blätter, Samendolden
Konservierung: trocknen der Samen, Blätter einfrieren oder in Essig/Öl
Standort: sonnig, nährstoffreiche Böden
Pflegeanspruch: Winterschutz bei großer Kälte
Vermehrung: Direktsaat ab April/Mai

Sonstige Pflanz-Infos:
Der Pflanzabstand sollte ca. 50 cm betragen, bei Bedarf nach der Saat ausdünnen.

Bei der Wahl seiner Nachbarn ist der Fenchel allerdings eigen: Er verträgt sich gut mit Salbei, Salaten und Erbsen, nicht jedoch mit Bohnen, Tomaten, Dill und Kümmel wobei er sich mit den letzteren beiden auch vermischen kann (Kreuzungen).

Samen sollten vor der Nutzung leicht mit einem Mörser „angestoßen“ werden, damit die Inhaltsstoffe leichter in Tee oder Gerichte übergehen können.

Fenchel; Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Abb. Biolib.de
Fenchel; Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Abb. Biolib.de

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Foeniculi aetheroleum (alte Bez.: Oleum Foeniculi)
Fenchelöl

Fenchelöl wird in vier verschiedene Öle unterschieden – je nach Nutzung der Unterart:

Bitterfenchelöl
Süßfenchelöl
Anetholfreies Öl
Australisches Wildfenchelöl

Allen Ölen gemein ist die Verwendung bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Erkrankungen, Blähungen, Völlegefühl sowie bei Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege.

Das Öl sollte mit Ausnahme der Form des Fenchelhonigs nicht von Kleinkindern, Säuglingen und Schwangeren genutzt werden.

Des weiteren wird das Fenchelöl in der Industrie für die Herstellung von Likören, Back-, Wurst- und Süßwaren genutzt sowie im Kosmetikbereich.

Foeniculi fructus (alte Bez.: Fructus Foeniculi)
Fenchelfrüchte / -samen

Auch hier finden wir die verschiedenen Arten mit gemeinsamer Nutzung:

Verwendung finden die Früchte ebenfalls bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Erkrankungen, Blähungen, Völlegefühl sowie für Säuglinge und Kleinkinder zur Schleimlösung der oberen Atemwege. Des weiteren besagt die Volksheilkunde die Nutzung bei Durchfall, Bronchitis sowie zur Erhöhung der Milchbildung bei Stillenden – hier oft als Fenchel-Kümmel-Anis-Mischung.

 

Für Kosmetik & Pflege

Fenchel eignet sich als Zusatz bei Bädern und Gesichtsdampfbädern gegen unreine Haut. Auch den Atem kann er verbessern, indem man einige Samen kaut.

Die kosmetische Industrie nutzt das Öl unter anderem für die Herstellung von Seifen und Zahncremes.

 

In der Küche

Die Samen werden vor allem bei Backwaren, Fischgerichten, Saucen und (Winter-)Salaten genutzt. Die Blätter können auch in Suppen, Salaten und Gemüsen verwendet werden. Die jungen Stengel können ebenfalls als Gemüse eingesetzt werden.

Generell ist die ganze Pflanze verwertbar. Der verbreitete Gemüsefenchel (Finocchio, Zwiebelfenchel) ist dabei eine Unterart, der seine Nutzung nur auf die Küche beschränkt und hier ebenfalls für Salate und als Gemüse genutzt werden kann.

 

Für Dekorationen

Als Dekoration eignen sich beim Fenchel insbesondere die fein gefiederten Blätter für hübsche frische Kräuterarrangements. Auch die Fruchtdolden machen hier eine gute Figur.

 

Überlieferungen / Aberglaube

Der angenehme Geschmack und die sanfte Wirkung machten den Fenchel bereits in der Antike bekannt und verschaffte ihm viele Freunde: Theophrast und Dioskurides sowie Plinius empfahlen natürlich die blähungstreibende Wirkung, jedoch auch für Nieren und Blasenleiden. Zudem war man sicher, dass die zerstoßenen Wurzeln in Milch den Biss eines tollwütigen Hundes heilen könnten.

Auch im Osten fand man Hinweise auf die Nutzung des Fenchels: Bei den Ägyptern, Arabern und Chinesen war der Fenchel bekannt und geschätzt.

Ebenso findet er seinen Platz in den mittelalterlichen Kräuterbüchern und wird hier von Hildegard von Bingen ebenso gelobt, wie von ihren Vorgängern. In diesen Zeiten finden sich auch Quellen, die Fenchelsträuße am Johannistag (24. Juni) pflücken heißen – sie sollen an Türen und Fenstern das Eindringen böser Geister verhindern können. Generell findet sich der Fenchelsamen als Glücksbringer für Liebe, Familie und Gesundheit.