Angelica archangelica L.

Syn. Angelica major, Angelica officinalis, Angelica sativa, u.a.

Echte Engelwurz, Foto: Christian Fischer
Echte Engelwurz, Foto: Christian Fischer

Echte Engelwurz / Angelika

Volkstümliche Namen:
Angelik, Arzneiengelwurz, Erzengelwurzel, Heiligenbitter, Giftwürze, Heiliggeistwurzel, Theriakwurzel, u.a.

Familie: Apiaceae
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Doldenblütlerartige

Vorkommen: Europa, Asien

Hinweise

Nicht in der Schwangerschaft
zu verwenden!

 

 

notfall

Beschreibung:

Die imposante Großstaude der Engelwurz oder Angelika wird bis zu 2,5 m hoch. Hohle gerillte Stängel und große gefiederte Blätter werden bei der Engelwurz von grünlich weißen, in großen halbkugeligen Doldenblüten gekrönt.

Die Samen sind braun, ca. 6 mm lang und reifen zahlreich im Spätsommer des dritten Jahres. Der Wurzelstock wird bis zu 5 cm dick, ist sehr aromatisch und endet zumeist in nur zwei bis drei verzweigten Wurzeln

Die gesamte Pflanze ist einfach nicht zu übersehen!

Informationen für den Anbau

Lebensform: mehrjährig (3 bis 4jährig) / winterhart / Staude
Blütezeit: Juli bis August
Erntezeit: April bis Mai und Oktober bis November
Ernte: frische Blätter und Blattstiele, Wurzeln im Frühjahr oder Spätherbst ausgraben, schneiden und trocknen (vorzugsweise auffädeln)
Konservierung: trocknen
Standort: halbschattig, humusreiche, durchlässige Erde
Pflegeanspruch: Pflanze ist langlebiger, wenn die Blütenstände entfernt werden.
Vermehrung: Aussaat im Herbst (Frostkeimer), im Folgejahr auf 1 m Abstand ausdünnen

Sonstige Infos:
Wurzeln nach der Ernte dicht verschlossen aufbewahren, da sie sonst Schadinsekten anziehen.

Engelwurz,  Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Abb. Biolib.de
Engelwurz, Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Abb. Biolib.de

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Angelicae folium (alte Bezeichnung: Folia Angelicae)
Angelikablätter

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz und organische Säuren

Die Blätter werden in der Volksheilkunde bei Verdauungsschwächen und bei Brustfellentzündungen als Kompressen genutzt.

Angelicae fructus (alte Bezeichnung: Fructus Angelicae)
Angelikafrüchte / -samen

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Cumarine, Furanocumarine u.a.

Bei Verdauungsstörungen, Nierenbeschwerden, rheumatischen Beschwerden, sowie für die industrielle Gewinnung des ätherischen Öls werden die Samen vorwiegend verwendet. Das Öl wiederum wird in der Likörindustrie sehr geschätzt.

Oleum Angelicae fructus
Angelikaöl

Das Öl wird heute vorwiegend als Duftstoff für die Kosmetik und Genußmittelindustrie genutzt.

Angelicae herba (alte Bezeichnung: Herba Angelicae)
Angelikakraut

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz und organische Säuren

Volkstümlich finden wir hier vorrangig die Verwendung als harntreibendes Mittel

Angelicae radix (alte Bezeichnung: Radix Angelicae)
Angelikawurzel

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harz und organische Säuren

Der Wurzel wird die zuträgliche Wirkung bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl und leicht-krampfenden Magen-Darmbeschwerden nachgesagt. Die Inhaltsstoffe der Angelikawurzel oder Engelwurz finden sich in vielen Fertigarzneimitteln.

 

Für Kosmetik & Pflege

 

In der Küche

Ein besonderer Genuss sind die Stängel – sie können leicht kandiert werden und dienen somit nicht nur zur Garnitur. Aber auch die Blätter finden in der Küche Verwendung: zusammen mit Früchten gedünstet verringern die Engelwurzblätter den Zuckerbedarf.

 

Für Dekorationen

Die Blätter der Engelwurz sind für Buffetgarnituren ebenso geeignet wie für den Aromatopf. Die großen Samenköpfe hingegen sind auch als Tischdekoration eine Augenweide (getrocknet).

 

Überlieferungen / Aberglaube

Man geht davon aus, dass weder Griechen noch Römer die Engelwurz kannten. Ihre Herkunft wird eher im Norden gesehen.

Nachdem sie seit dem 12. Jahrhundert in Nordeuropa als Gemüse gegessen wurde, entdeckten die Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts die Engelwurz als Arznei gegen die Pest, indem sie das Riechen an einer mit Essig getränkten Wurzel empfahlen. Seit jeher als Allheilmittel bekannt verdankt sie Ihren Namen angeblich Ihrer Blüte zum Fest des Erzengels Michael im alten Kalender und der Legende, dass es ein Engel gewesen sein soll, der sie den Menschen zeigte. Aus diesem Grund soll die Engelwurz die Fähigkeiten der Engel in sich tragen und somit auch gegen Zauberei und böse Geisterschützen.