Urticae dioica L.

Synonyme Urtica major, Urtica urens maxima

Brennnessel
Foto: Sabrina Kirsten

Große Brennnessel

Volkstümliche Namen:
Donnernessel, Große Nessel, Nesselkraut, Scharfnessel, Tausendnessel, Haarnessel, Eselskraut u.a.

Familie: Urticeae / Brennesselgewächse
Unterklasse: Rosenähnliche
Ordnung: Rosenartige

Vorkommen: Weltweit, außer auf den Balearen, Kreta sowie in den Tropen Afrikas u. Südamerikas bzw. den Polarregionen

 

Hinweise

Brennhaare hinterlassen bei Berührung ameisensäure-ähnliche Stoffe, die kleine Quaddeln auf der Haut hinterlassen.
Nicht gefährlich,aber unangenehm;
Quaddelbildung und Juckreiz können mit Spitzwegerich gelindert werden

 

notfall

Beschreibung:

Aufgrund ihres unscheinbaren Äußeren und der unangenehmen Kontaktnebenwirkungen ist die Brennnessel eine oft verkannte Pflanze.

Die aufrecht wachsende, buschige Brennnessel wird bis zu 150 cm hoch, die Blätter sind länglich bis eiförmig und grob gesägt. An dem vierkantigen Stängeln befinden sich im oberen Bereich grünliche Blütenrispen in den Blattachseln. Die Blätter und Stängel sind mit Brennhaaren versehen, die bei Berührung einen Ameisensäure ähnlichen Stoff abgeben, der zu kleinen Quaddeln auf der Haut führt.

Informationen für den Anbau

Lebensform: mehrjährig, winterhart / Staude
Blütezeit: Juli – September
Erntezeit: Mai – August
Ernte: junge Blätter, das ganze Kraut bei Bedarf (im Frühjahr besonders zart), Samen August bis Oktober
Konservierung: trocknen
Standort: sonnig bis halbschattig, humus- und stickstoffreiche Böden
Pflegeanspruch: anspruchslos
Vermehrung: Teilung

Sonstige Pflanz-Infos:
Absud kann auch als Dünger genutzt und für die Schädlingsabwehr eingesetzt werden. Die Kleine Brennessel (Urtica urens) ist in der Nutzung fast gleich.

Die Brennessel ist eine optimale Futterpflanze für Raupen und vergrößert somit den Lebensraum für Schmetterlinge in ihrem Garten.

 

Große Brennnessel, Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Abb. Biolib.de
Große Brennnessel, Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Abb. Biolib.de

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Urticae folium (alte Bez.: Folia Urticae)
Syn.: Herba Urticae, Urticae herba
Brennnesselblätter (-kraut)

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Mineralstoffe, Vitamine, Histamine, Flavonoide, organische Säuren, ätherisches Öl u.a.

Der Brennnessel wird unterstützende Wirkung im Bereich der Rheumabehandlungen nachgesagt, auch erhöhen die Wirkstoffe die Durchspülung der Harnwege (harntreibend). Daher wird sie in der Volksheilkunde auch für Entschlackungskuren genutzt. Des weiteren wird sie bei Arthritis, Gicht, Rheuma, Diabetes, Hämorrhagien sowie bei der Wundbehandlung von Fisteln und Furunkeln genannt (Wundbehandlung äußerlich).

Urticae Fructus (alte Bez.: Fructus Urticae)
Syn.: Semen Urticae, Urticae semen
Brennnesselfrüchte

Inhaltsstoffe: Fettes Öl mit hohem Anteil an Linolsäure u.a., Tocopherol, Schleimstoffe, Carotinoide, Lutein, Violaxanthin u.a.

In der Volksheilkunde werden den Brennesselfrüchten Leistungssteigernde Fähigkeiten nachgesagt sowie äußerlich bei Hautleiden und Rheuma.

Urticae radix (alte Bez.: Radix Urticae)
Syn.: Rhizoma Urticae
Brennnesselwurzel

Inhaltsstoffe: Steroide, Scopoletin, Mineralien, Lectine u.a.

In der Nutzung finden sich hier fast die gleichen Anwendungsgebiete wie bei dem Kraut.

 

Brennnessel-Brennhaare
Brennnessel – Brennhaare im Detail; Foto: Sabrina Kirsten

Für Kosmetik & Pflege

Die Kosmetikindustrie nutzt die Eigenschaften der Brennnessel bei fettiger Kopfhaut und Schuppen und stellt hiermit Kopfwasser her.

 

In der Küche

Als Salat kann die Brennnessel ebenso dienen wie als Spinat, einfach ebenso anrichten man es vom klassischen Blattspinat gewöhnt ist, z.B. als Gemüsebeilage, als Lasagne oder in der Suppe. Jedoch sollte das Kraut stets gut durchgehäckselt werden, um sicherzustellen, dass die Brennhaare nicht den Gaumen „pieksen“. Alternativ können die Brennhaare durch das gründliche Überrollen mit dem Nudelholz deaktiviert werden.

 

Für Dekorationen

Überlieferungen / Aberglaube

Die alten Griechen kannten die Brennnessel bereits, sie nannten sie Akalypte. Dioskures erwähnt sie in der bis heute genutzten Wirkung als harntreibendes Mittel. In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts findet man Quellen als Heilpflanze bei Wassersucht.

Im Mittelalter war man sich jedoch auch sicher, dass die Brennnessel mit ihren Brennhaaren allerlei Unheil fernhalte – so z.B. Blitz, Hagel, Hexen und Dämonen. Optimal war daher das Ausräuchern von Haus und Hof mit Brennnesseln zur Sonnenwende angesehen. Doch auch der Nutzen als Rohstoff für Nesselstoff (ähnlich wie Lein zu verarbeiten) für die Herstellung von Tauen, Schnüren und Netzen war sicherlich ebenso ein Grund, warum der Brennnessel früher mehr Achtung entgegengebracht wurde, wie ihre Nutzung als Färberpflanze.

Der Name Urtica ist recht leicht vom lateinischen urere (=“brennen“) abzuleiten. Ebenso findet man im mittelhochdeutschen Sprachgebrauch den Begriff nezzel, der auf die Verwendung der Bastfasern der Pflanze schließen lässt.

 

 

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