Symphytum officinale L.

Der Beinwell verrät seine überlieferte Wirkung bereits im Namen. Er zählt zu den Heilpflanzen, der schon in der Antike sowie im Mittelalter bei schweren Verletzungen und Knochenbrüchen zum Einsatz kam. Doch auch in der Küche halten die Wurzeln des Beinwells einige Überraschungen bereit.

Synonyme: Aster helenium, Aster officinalis, Corvisartia helenium, Helenium grandiflorum

Beinwell; Foto: Sabrina Kirsten
Beinwell; Foto: Sabrina Kirsten

Echter Beinwell

Volkstümliche Namen:
Schwarzwurz, Wallwurz, Beinheil, Wundallheil, Komfrei, Hasenlaub, Milchwurz, Schandheilwurz, u.a.

Familie:
Boraginaceae / Borretschgewächse
Unterklasse: Asternähnliche
Vorkommen: Europa, Westasien

 

Hinweise

Als Heilkraut ist Beinwell
apothekenpflichtig

Nutzung nur nach Absprache
mit Arzt/Apotheker

Nicht in der Schwangerschaft verwenden!

Keine Anwendung
bei tiefen offenen Wunden;
keine Anwendung
länger als vier Wochen im Jahr

 

Beschreibung:

Wahrlich hübsch anzuschauen ist der Beinwell von der Wurzel bis zur Blüte: Blauviolette bis rosafarbene, glockige Kelchblüten scheinen einem mit jedem Windhauch zuzunicken, wenn man Beinwell betrachtet. Die ca. 1 m hoch wachsende Pflanze hat breit-lanzettliche, raue Blätter, die dick gerippt erscheinen und von dunkelgrüner Farbe sind. Die Stängel sind ebenfalls rau, kantig und behaart und oben verzweigt. Die Wurzel ist braunschwarz, dick, geht tief in die Erde und verjüngt sich nach unten hin. Der gesamte Wuchs ist eher buschig.

Mit seinem formschönen Habitus ist der Beinwell auch optisch eine wahre Augenweide. Es gibt daher viele Menschen, die Beinwell zu den Heilpflanzen aus dem Garten zählen und selbst anpflanzen. Der Standort sollte aufgrund der Ausbreitungsfreude der Pflanze gut gewählt sein.

Informationen für den Anbau:

Lebensform: mehrjährig, winterhart / Staude
Blütezeit: Mai – Juli
Erntezeit: März – April, September – Oktober
Ernte: Beinwellwurzel im Frühjahr oder Herbst, frische Blätter bei Bedarf
Konservierung: Wurzel reinigen, zerkleinern und trocknen, Blätter trocknen oder in Öl
Standort: heller Schatten, feuchte, nährstoffreiche Böden
Pflegeanspruch: gering – selbst „vernachlässigt“ wächst und gedeiht sie, dennoch mag sie gern mal Kompost
Vermehrung: Stecklinge, Teilung

Sonstige Pflanz-Infos:
Beinwell kann 20 Jahre alt werden. Es sollte ein gut ausgewählter Standort sein – Entfernung schwierig
Anbau in ca. 60 cm Abstand.

Beinwell kann auch zur Jaucheherstellung oder zum Mulchen verwendet werden.

Grafik Beinwell

 

Verwendungsmöglichkeiten für Beinwell – Symphytum officinale:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Symphyti herba (alte Bez.: Herba Consolidae)
Syn.: Herba Symphyti
Beinwellkraut

Inhaltsstoffe: Allantoin, Schleim-, Gerbstoffe, Asparagin, Alkaloide, Pyrrolizidinalkaloide, ätherisches Öl, Flavonoide, Vitamin B12, Harz, Kieselsäure

In der Volksheilkunde wurde Beinwellkraut vorwiegend bei Lungenleiden genutzt. Inhaltsstoff Pyrrolozidinalkaloide können krebserregend wirken.

Symphyti radix (alte Bez.: Radix Consolidae)
Syn.: Radix Symphyti, Consolidae radix
Beinwellwurzel

Inhaltsstoffe: Allantoin, Schleim-, Gerbstoffe, Asparagin u.a.

Von der Wurzel stammen die meisten der volkstümlichen Namen des Beinwell. Sie rühren vornehmlich aus dem Einsatzgebiet bei schlecht heilenden Wunden sowie bei Knochenverletzungen als Droge für Umschläge und Breipackungen. Des weiteren wurde dieser Teil des Beinwell genutzt, um Gastritis sowie Magen-Darm-Geschwüre zu lindern.

Auch bei Gelenk- und Muskelschmerzen, Prellungen und Verstauchungen wird Beinwell als Heilpflanze in einigen Quellen erwähnt. Zumeist werden die Heilpflanzen hierfür zu Salbe oder Creme verarbeitet. So wurde früher eine Grundlagen für Salben (z.B. Lanolin oder Schmalz) mit dem gehächselten Kraut der Heilpflanzen gemischt, über einen Zeitraum ziehen gelassen und anschließend abgeseiht. Die Salben nehmen somit die Inhaltsstoffe für eine Verteilung auf den (geschlossenen) Wunden und Knochenbrüchen auf.

Die Anwendung von Beinwell und seinen Inhaltsstoffen sollte wie bei allen Heilpflanzen zuvor mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden. Beachten Sie, dass Beinwell vom Kraut bis zur Wurzel auch unerwünschte Nebenwirkungen, beispielsweise Unverträglichkeiten, hervorrufen kann.

 

Für Kosmetik & Pflege

Ein Aufguss der Beinwell-Blätter kann als Badezusatz verwendet werden – beispielsweise bei Muskelschmerzen. Es gilt dabei trotz der Anwendung für die Pflege die gleiche Berücksichtigung wie als Naturheilmittel.

 

In der Küche

Kleingehackte Blätter vom Beinwell können in Salat oder als Spinat gegessen werden, die Stängel können wie Spargel verwendet werden; die Beinwell-Pflanze enthält wertvolle Proteine und Mineralstoffe – Warnhinweise jedoch beachten (nicht zu oft)! In der Schweiz backt man auch die Blätter in Pfannkuchenteig aus.

 

Für Dekorationen

 

Überlieferungen / Aberglaube

Liest man die verschiedenen Quellen aus vergangenen Zeiten, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Beinwell eine Art „Wunderpflanze“ ist. Ebenso wie die volkstümlichen Bezeichnungen des Beinwell, geht auch der lateinische Gattungsname „Symphytum“ auf die positive Wirkung bei heilenden Knochenbrüchen zurück ( Symphytum vom lateinischen „symphein“ = zusammenwachsen/Wallwurz von „wallen“ = zusammenheilen von Knochen). Die Ergänzung “ Smphytum officinale “ belegt die alte Verwendung von Beinwell als Heilpflanze in der Medizin vergangener Jahrhunderte. Auch Hildegard von Bingen und Paracelsus erwähnen den Beinwell zur Behandlung von Knochenbrüchen und Geschwüren, auch bei den Griechen unter Dioskurides wird diese Pflanze zur Wundheilung genannt.

 

 

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