Valerianae officinalis L.

Synonyme:
Euphrasia officinalis Euphrasia minima, Euphrasia nemorosa, Euphrasia latifolia u.a.

Echter Baldrian

Volkstümliche Namen:
Katzenkraut, Augenwurzel, Balderbackenwurzel, Katzenwürzel, Katzenwurzel, Bullerjan, Hexenkraut (im Volksmund häufig vertrener Name verschiedener Pflanzen), Stinkwurz, Mondwurz, u.a.

Baldrian, Foto: Jeff de Longe
Baldrian, Foto: Jeff de Longe

 

Familie: Valerianaceae / Baldriangewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Kardenartige
Vorkommen:
Europa, gemäßigte Zonen Asiens, Kultur in USA

 

 

 

 

Hinweise

Sollte nicht zu häufig und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

 

 

notfall

Beschreibung:

Echter Baldrian hat einen aufrechten Wuchs und kann unter entsprechenden Bedingungen bis zu 1,5 m hoch werden. Der Stängel ist gefurcht, hohl und behaart, die Blätter haben eine schmal-lanzettliche Form und sind leicht gefiedert, gezähnt und dunkelgrün. Das Aroma der Blätter erinnert leicht an Meerrettich. Die Blüten sind rosa bis weiß und stehen in schirmförmigen Trugdolden. Die Samen sind hellbraun, flach und tränenförmig sowie ca. 2 mm lang.

Vorwiegend genutzter Pflanzenteil ist der kurze Wurzelstock, der sehr eigen riecht (ähnlich wie altes Leder) und blasse, fibröse Wurzeln hat.

Informationen für de Abau:

Lebensform: mehrjährig, winterhart
Blütezeit: Mai bis August
Erntezeit: März bis Oktober
Ernte: Wurzeln im 2. Jahr nach dem Absterben der Blätter; Blätter von April bis Mai, Blüten von Mai bis Juni
Konservierung: Wurzelstock in Stücke schneiden und trocknen, riecht getrocknet „ranzig“
Standort: sonnig bis halbschattig, feuchter, nährstoffreicher Boden
Pflegeanspruch: reichlich Kompost
Vermehrung: Teilung oder Aussaat

Sonstige Pflanz-Infos:
Ziehen Katzen, Ungeziefer und Würmer an – Kater machen „Katzenjammer“ da der Duft an den Sexuallockstoff erinnert. Regenwürmer werden in ihrer Aktivität angeregt.

Beim Anbau auf einen Abstand von 60 cm achten. Für Innenhaltung geeignet.

Jungpflanzen haben hellgrüne Stengel und ungeteilte Blätter.

 

Baldrian, Kräuterbuch (1914), Abb. biolib.de
Baldrian, Kräuterbuch (1914), Abb. biolib.de

 

Verwendungsmöglichkeiten:

In Naturheilkunde / Volksheilkunde

Valerianae radix (alte Bez.: Radix valerianae)
Syn.: Valerianae rhizoma
Baldrianwurzel

Inhaltsstoffe: Valerensäure, Valepotriate, Alkaloide, ätherisches Öl

Bekannt für seine beruhigenden Eigenschaften, wird Baldrianwurzel bei Unruhezuständen, nervös bedingten Einschlafstörungen und vegetativen Beschwerden erwähnt.

Oleum Valerianae aetheroleum
Baldrianwurzelöl

Das Öl wird für die Herstellung von Präparaten genutzt, die bei den oben genannten Beschwerden helfen.

 

Für Kosmetik & Pflege

Wird als Dekokt der Wurzel für Gesichtswasser oder Badezusatz bei Akne oder Hautausschlägen verwendet.

 

In der Küche

Die Wurzel eignet sich als Würze in Suppen, Eintöpfen, aber auch für Fleischfüllungen. Im Salat lassen sich auch die jungen Blätter verwenden, wobei sie mit Feldsalat verglichen werden können.

 

Für Dekorationen

Baldrian eignet sich sehr gut als Randbepflanzung in Kräuterbeeten. Dabei wirkt er sich gleichzeitig günstig auf das Wachstum anderer Pflanzen aus und zieht Regenwürmer an.

 

Überlieferungen / Aberglaube

Der Name „Valerianae“ geht auf die mittelalterliche Bezeichnung des Baldrians zurück und wird mit dem lateinischen Begriff valere (gesund sein, kräftig, wert sein) in Zusammenhang gebracht. Der Zusammenhang mit dem Namen des germanischen Lichtgottes „Baldur“ ist umstritten. Sicher jedoch ist, dass der Baldrian bereits die griechischen und römischen Ärzte der Antike beschäftigte, die ihn unter der Bezeichnung „Phu“ als harntreibendes und menstruationsförderndes Mittel empfahlen. Auch Perser und Chinesen rühmten die Heilkraft der Wurzel.

Im Mittelalter gab man Baldrian auch als Aphrodisiakum an, später auch als Mittel gegen die Pest. Aufgrund des extremen, eigentümlichen Geruchs ist nachvollziehbar, warum man der Baldrianwurzel im Volksglauben auch zauberabwehrende Eigenschaften zuschrieb. So durfte Baldrian in keinem Haus fehlen, dass vor Hexerei Schutz haben sollte, auch konnte man an der Bewegung eines aufgehängten Baldrian-Bündels erkennen, wenn eine Hexe das Haus betreten hat. Ebenso war die Meinung verbreitet, dass der Mensch, der Baldrian im Schuh trägt, vor des Teufels Listen geschützt sei. Verhexte Milch konnte ebenfalls durch Baldrian wieder zur Butterherstellung genutzt werden: Die nicht zu Butter werden wollende Milch wurde einfach durch einen Kranz aus Baldrian gegossen.