Euphrasia rostkoviana Hayne

Augentrost gilt in Europa als klassische Heilpflanze mit positiver Wirkung auf Erkrankungen der Augen. Schon namentlich wird er vielfältig mit den Augen und dem Augenlicht in Verbindung gebracht, als Tee und Tropfen in alten Kräuterbüchern empfohlen und als Orakelpflanze des Mittelalters angesehen. Doch auch für Erkältungskrankheiten wie Husten und Schnupfen wird Augentrostkraut in einigen Quellen erwähnt.

Synonyme:
Euphrasia officinalis, Euphrasia minima, Euphrasia nemorosa, Euphrasia latifolia u.a.

Echter Augentrost

Augentrost - Euphrasia officinalis - Zeichnung

Volkstümliche Namen für den Augentrost:
Augendank, Augustinuskraut, Gibinix, Grummetblume, Herbstblümle, Heuschelm, Lichtkraut, Milchschelen, Milchdieb, Wiesenwolf, Weihbrunnkessel, Wegleuchte u.a.

Familie: Scrophulariaceae / Braunwurzgewächse
Untergruppe: Asternähnliche
Ordnung: Lippenblüterartige

Vorkommen: Europa

Hinweise

Die Anwendung von Augentrostkraut an den Augen wird aus hygienischen Gründen heute nicht mehr empfohlen.

 

 

Beschreibung der Augentrost-Pflanze:

Der Augentrost wird ca 5 bis 25 cm. Die Blüten sind weiß, häufig violett geadert, haben auf den unteren Blütenblättern einen gelben Fleck und gleichen somit ein wenig der Iris von menschlichen Augen. Die Blätter sind knapp einen Zentimeter lang, kreuzweise gegenständig, ungestielt, eiförmig-länglich und gekerbt gezähnt. Der gesamte Blütenstand ist dicht drüsenhaarig.

Informationen für den Anbau:

Lebensform: einjährig, winterhart
Blütezeit: Mai bis Oktober
Erntezeit: Mai bis Oktober
Ernte: während der Blütezeit oberirdische Pflanzenteile
Konservierung: Kraut im Bündel an einem schattigen, luftigen Ort trocknen
Standort: kein spezieller, jedoch häufig auf mageren Wiesen und Weiden zu finden, mitunter auch auf Moor- oder Bergwiesen
Pflegeanspruch: –
Vermehrung: –

Sonstige Pflanz-Infos
Wildkraut, Halbschmarotzer, der umliegenden Pflanzen Mineralien und Nährstoffe aus den Wurzeln entzieht (daher auch der Name „Milchdieb“)

 

Verwendungsmöglichkeiten:

Augentrost in der Naturheilkunde / Volksheilkunde

Euphrasiae herba (alte Bez.: Herba Euphrasiae)
Augentrostkraut

Inhaltsstoffe: Iridoide Glykoside, Phenolcarbonsäuren, Lignane, Sterole, Flavonoide u.a.

Wie bereits durch den Namen schon augenscheinlich wird Augentrostkraut vorwiegend äußerlich als Heilmittel bei Augenerkrankungen angeführt, die mit Entzündungen und Gefäßerkrankungen zusammenhängen wie beispielsweise Bindehaut-, Lidentzündungen und Augenkatarrh. So werden beispielsweise Augentropfen aus dem Augentrost hergestellt. Des weiteren wird dieses Kraut als Tee bei Husten, Schnupfen, Haut- und Magenerkrankungen angewendet. Auch soll der Tee von innen eine positive Wirkung auf Augenerkrankungen haben und andere Behandlungen von diesen fördern.

Aus hygienischen Gesichtspunkten jedoch wird die Anwendung von selbst gepflückten Heilpflanzen und deren Produkten am Auge nicht empfohlen. atatt dessen sollte auf Augentropfen als Fertigarzneimittel aus der Apotheke (nach Rücksprache mit Arzt und Apotheker) zurückgegriffen werden.

Auch in alten Kräuterbüchern wird der Augentrost zumeist als Teezubereitung empfohlen, wobei 1 bis 2 TL in kaltem Wasser zum Kochen aufgesetzt und mitunter mit wenigen Körnern Fenchel angereichert werden. Dabei sollen die Wirkstoffe vom Augentrostkraut innerlich ebenfalls hilfreich sein, um Erkrankungen der Augen zu lindern.

Kräuterpfarrer Sebastian Kneip empfahl den Augentrost auch als magenstärkendes Bitterkraut, wenngleich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dem Augentrost keine hinreichend belegte Wirksamkeit bescheinigt.

 

Für Kosmetik & Pflege

 

In der Küche

 

Für Dekorationen

Den Augentrost kann man für hübsche, aber nur kleine Wildkräutersträuße verwenden (frisch), da sein Wuchs relativ klein ist.

 

Überlieferungen / Aberglaube zum Augentrost

Der Augentrost bekam seinen deutschen Namen vermutlich aufgrund der Ähnlichkeit seiner Blütenzeichnung mit der der Pupille im Auge. Der lateinische Name „Euphrasia officinalis“ leitet sich vom griechischen ab. Euphrasia steht für „Frohsinn, Wohlbefinden“, „officinalis“ lässt auf die frühe Verwendung der Heilpflanzen im medizinischen Bereich schließen. Der Herstellungsort für Medikamente in der Apotheke nennt sich bis heute „Offizin“.

In der Antike blieb der Augentrost noch unerwähnt, was jedoch auch mit der geringen Verbreitung der Heilpflanzen in den Einflussbereichen der antiken Hochkulturen in Verbindung stehen könnte. In Europa finden sich die ersten spezifischen Hinweise auf den Augentrost in den Kräuterbüchern des 15. und 16. Jahrhunderts in der Anwendung bei Erkrankungen an den Augen. So informiert unter anderem H. Ryffius im Jahr 1573 im Werk „Reformierte Deutsche Apotheck“ über den Augentrost.

Auch als Gewitter- und Orakelpflanze ist der Augentrost überliefert. So wurden die Pflanzen mit Blitzeinschlägen in Verbindung gebracht. Er diente für die Vorhersage eines strengen Winters (wenn er reich blühte), sodass man entsprechend früh die Wintervorbereitungen zu treffen begann.

 

 

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