Scherben bringen Glück

Zu den verbreitesten und frühsten Werkstoffen des Menschen gehört der Ton. Tonscherbenfunde lassen auf eine Nutzung bereits um 8000 v. Chr. schließen, welche in Asien gefunden wurden und von Gefäßen in Spiralwulsttechnik herrühren. Die frühsten europäischen Keramikfunde stammen aus der Frühgeschichte (Jungpaläolithikum) und stellen gebrannte Tonfiguren dar.

Bereits seit dem 6. Jahrtausend war in Vorderasien die langsamdrehende Töpferscheibe bekannt. Zur gleichen Zeit kam auch die Buntkeramik (bemalte Tonfiguren, gefunden in der heutigen Türkei) auf und erreichte in den folgenden Jahrtausenden eine Blüte in Mesopotamien, Iran, Kleinasien und Griechenland. Durch die Erfindung der schnelldrehenden Töpferscheibe um 4000 v. Chr. begann die Produktion von Massenware.

Als europäische „Spezialisten“ bildeten sich dabei insbesondere die antiken Griechen heraus, welche auf den Inseln Kreta und Zypern die Töpferkunst früh verfeinerten. Glasierte Keramik ist seit dem 3. Jahrtausend aus Mesopotamien und Ägypten bekannt. Die Römer hingegen brachten die Töpferkunst nach Germanien und förderte besonders im besetzten Rheinland die entstehenden Töpfereien. Auch lange nach ihrem Rückzug blieben die Töpfereien in diesen Gebieten erhalten und bildeten so einen Teil der Basis zum Beispiel für das bis heute bekannte „Kannenbäcker-Land“ im Westerwald.

Vom Ton mit Glasur bis hin zum Porzellan

Zunächst zu den „unehrlichen Berufen“ gehörend wurde der Töpfer dennoch im 14. Jahrhundert zu einem anerkannten Handwerkerberuf. Den ältesten Zunftbrief im mitteldeutschen Raum finden wir von Friedrich XI. von Schönburg bestätigt und wurde 1388 für die Waldenburger Töpfer ausgestellt. Hauptschwerpunkt lag zu dieser Zeit auf der Gebrauchskeramik und entwickelte sich langsam hin zur Salzkeramik (mit einer Glasur, welche mit Salz im Brennofen erzeugt wird).

Die Hafnerkeramik war bis ins 17. Jahrhundert weit verbreitet und hatte eine Bleiglasur, welche den Keramikgefäßen eine gewisse Metalloptik verliehen und somit die kostengünstigere Alternative zu Metallgefäßen herstellte. Es folgte – angeregt durch die Franzosen und Belgier – die zinnglasierte Keramik, die Fayencen. Diese neue Glasur machte die Keramik wasserundurchlässig und schaffte eine dichte, weiße Oberfläche, die auch die Bemalung vereinfachte.

Im Jahr 1701 finden wir hier auch den Ursprung des europäischen Porzellans: Auf Geheiß des Kurfürsten von Sachsen, August der Starke, wurde der Apothekergehilfe Johann Friedrich Böttger nach Dresden berufen, um Gold herzustellen, was diesem jedoch natürlich nicht gelang. Erst durch die Zusammenarbeit mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gelang letzterem 1706/1707 die Erfindung des europäischen Porzellans. Seine dokumentierten Ergebnisse wurden erst nach seinem Tod durch Böttger bekannt gemacht. Sie führten bereits 1710 zur Gründung der Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur Meißen, dessen Leitung Böttger übernahm – das heute noch bekannte Meißener Porzellan.

Heute hat sich die moderne Töpferei mit hochwertigen Keramikarbeiten auch in der angewandten Kunst einen Namen gemacht. Nicht nur Gebrauchskeramik, auch Keramikskulpturen, Reliefs und Keramikschmuck werden in den unterschiedlichen Techniken wie Majolika, Fein-Steinzeug und Rauchbrandkeramik angeboten.