Baukünstler der besonderen Art

Zu einem der ältesten Berufe des Bauhandwerkes gehört neben dem Maurer und dem Ziegler ohne Zweifel der Steinmetz. Bereits bei den alten Ägyptern finden wir diese Tätigkeit, zwar mit vergleichsweise einfachen Werkzeugen, doch vielleicht gerade deswegen so beeindruckend, da sie die Grundvorrausetzungen mitbrachten, außergewöhnliche Bauten wie die Pyramiden zu ermöglichen. Auch in anderen Kulturen der Antike finden wir einzigartige Bauten, die teilweise bis heute überdauert haben und ohne die Mitwirkung von Steinmetzen wohl unmöglich gewesen wären: Die griechischen Tempel ebenso wie die Bauwerke des antiken Roms wurden ohne Mörtel, allein durch präzise behauene und ineinander gefügte Steine erschaffen.

In Mitteleuropa prägte die Steinbauweise erst spät, um 800 nach Chr. unter Karl den Großen, die allgemeine Architektur und findet einen ihrer ersten Höhepunkte in der Gotik. Noch heute zeugen viele in dieser Zeit entstandene Kathedralen in Deutschland und Frankreich von dieser Zeit. Die ersten Steinhauerzünfte sind gegen Ende des 12. Jahrhunderts belegt. Vergleichbar mit anderen Handwerksberufen wurde auch hier sämtliche Vorraussetzungen zu Beruf und Ausbildung geregelt und festgeschrieben.

So konnte beispielsweise ein ausgelernter Geselle sich nach seinen Wanderjahren des Meisterbetrieb für sein Meisterstück aussuchen um hernach als freier Meister in einen Steinmetzbetrieb einheiraten zu können. Doch wie allen Zünften brachte auch diesem Handwerk der Beginn des 19. Jahrhunderts das Ende und die Gewerbefreiheit beendete das Monopol der ortsansässigen Handwerker.

Eine besondere Form der Steinmetz-Tätigkeit ist die des Steinbildhauers. Seit jeher gehört er zu den Künstlern der Architektur und verschönt mit seiner Kunst nicht nur die Bauwerke früherer Zeiten. Heute würde man den Steinmetz im Großen und Ganzen wohl hauptsächlich noch im Bereich der Grabmäler suchen, doch sollte man sich dabei lediglich mal überlegen, wo überall mit Stein gearbeitet wird – vom einfachen Marmorfensterbrett bis hin zu hochwertigen Luxusbädern finden wir die Arbeit dieses Handwerkers.


Steinmetzzeichen

An fast allen mittelalterlichen Bauwerken – beziehungsweise vielfach auch beiBauwerken aus der Antike – findet man an den Gebäuden kleine, etwa fünf bis sieben Zentimeter große, geheimnisvolle Symbole: Die Steinmetzzeichen.

Bis heute scheint allerdings nicht genau geklärt, wie der jeweilige Meister zu seinem Zeichen kam. Größtenteils individuell gestaltet scheinen sich dennoch viele Zeichen in ganz Deutschland zu wiederholen. Man vermutet daher, dass der frischgebackene Meister sich ein Symbol aus einer ganzen Reihe aussuchen konnte, mit welchem er fortan seine fertiggestellten Arbeiten kennzeichnete. So fand man beispielsweise am Regensburger Dom insgesamt über 1000 verschiedene Steinmetzzeichen, deren Inhaber im Laufe dessen Errichtung und Ausschmückung mitgewirkt haben.

Nicht verwechseln sollte man jedoch das Steinmetzzeichen mit dem Steinzeichen. Dieses kennzeichnet die Gesteinslage, aus welcher der Stein gebrochen wurde.

 

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