Das Schaf gehört zu einer der ältesten Haustierarten und wurde bereits vor über 9000 Jahren im vorderen Orient gehalten. Ursprünglich vorwiegend wegen seines Fleisches gehalten, entwickelte sich das Urschaf mit Haaren durch seine Anpassungsfähigkeit an neue klimatische Umstände zu unserem heutigen Woll-/Haus-Schaf.

In unseren Breiten finden wir das Hausschaf und die damit verbundene Tätigkeit des Schafehütens bereits seit 6000 Jahren. Das Urschaf hatte vorerst noch lange Haare, welche während der Domestizierung immer länger wurden und kontinuierlich weiterwuchsen. Es veränderte sich von einem „normalen Fellwechsel“ (Sommerfell/Winterfell) zu einem dauerhaften Fell, welches sich kräuselte und zu Wolle wurde.

Von der Schafhaltung zur Wanderschäferei

Diese Entwicklung vom Haar- zum Wollschaf wurde von den Ägyptern durch entsprechende Zucht gefördert. Die Römer setzten diese Zucht fort und erhielten als Ergebnis ein feinwolliges Schaf. Von dort aus breitete sich das Wollschaf in ganz Europa aus. Auch im Mittelalter war die Schafzucht verbreitet, wenn auch eher für den eigenen Bedarf, aber auch hier stand zuerst der Fleischlieferant im Vordergrund. Der mit der Zeit erhöhte Bedarf an Wolle zu jener Zeit jedoch, intensivierte die Schafhaltung, so dass vermehrt hauptberufliche Schäfer gebraucht wurden, die die Schafbestände ganzer Dörfer unter ihre Fittiche nahmen. Dabei wurde der Schäfer in der Ständegesellschaft zu den „unehrlichen Berufen“ gezählt.

Erst im 14. Jahrhundert entwickelte sich aus der örtlich-gebundenen Schafhaltung die Wanderschäferei, bei der die Landbesitzer brach liegende Wiesen an die Wanderschäfer gegen Gebühr verpachteten, bis diese abgeweidet waren und der Schäfer weiterzog. Die Schafhaltung hielt in beiden Formen bis ins 19. Jahrhundert an, wurde dann jedoch durch die Einfuhr billigerer Wollerzeugnisse unrentabel. Erst seit ca. 1970 wurde die Schafhaltung auch bei uns wieder vermehrt.

Die Aufgaben des Schäfers sind dabei von jeher die selben geblieben: Bei Wind und Wetter ist der Schäfer bei seinen Tieren, umhegt und pflegt sie, zu früheren Zeiten schliefen sie sogar bei den Tieren. Viele hatten ihre Schäferwagen dabei, in den sie lebten. Zweimal jährlich werden und wurden die Schafe geschoren – einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Auch die Vorsortierung der Qualitäten gehört zu den Aufgaben des Schäfers und nicht wenige verbrachten ihre Zeit bereits mit dem Spinnen und mit der Naturkunde, die sich durch die naturverbundene Tätigkeit fast automatisch einstellte. Dies umfasst dabei nicht nur die Kenntnis von Wildkräutern und deren Heilwirkungen, sondern natürlich auch der Wetterkunde und die Herstellung von Produkten aus Schafsmilch.

Kuschelweiche Wolle

Die Entwicklung des Wollvlieses der Schafe zu immer feinerer Qualität setzt sich bis in die heutige Zeit vor. Doch bereits im Mittelalter hab es ganz besondere Züchtungen, so z.B. die Merinoschafe, auf welche Spanien bis 1751 das Monopol hatte. Die Ausfuhr von Zuchttieren dieser Rasse wurde sogar mit der Todesstrafe belegt. Das Wollvlies eines einzigen Schafes kann bis zu 5 kg wiegen (Merinoschafvliese sind jedoch leichter) und hat unterschiedliche Qualitäten, je nach Körperpartie. Nicht nur die Feinheit der Wolle ist dabei ein zusätzliches Qualitätsmerkmal, sondern auch die Kräuselung, da sich die Wolle besser und feiner spinnen läßt, je höher die Kräuselung ist.

Zum Spinnen wird die Wolle erst gewaschen, um das Wollfett, auch Lanolin genannt, zu entfernen. Dieses Nebenprodukt wird unter anderem später veredelter Wolle wieder zugesetzt oder aber auch in der Kosmetikindustrie sowie bei der Herstellung von Arzneimitteln (Salben, Cremes) verwendet.

Eine weitere Möglichkeit der Verarbeitung der Wolle ist das Filzen, wobei durch die Einwirkung von Feuchtigkeit, Wärme und Bewegung (Reiben) das Filz entsteht. Jeder, dem schon einmal ein Woll-Kleidungsstück in die Waschmaschine geraten ist, weiß, wie schnell sich dabei einzelne Wollfasern lösen und sich mit dem Rest des Gewebes „verfilzen“. Dieser Vorgang ist auch nicht rückgängig zu machen.

 

Schäfchen für die Fadenkorb-Püppchen. Foto: Fabienne Truffer/fadenkorb.ch
Foto: Fabienne Truffer/fadenkorb.ch

 
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