Der Handwerker auf der Stör

Wie der Name schon andeutet, ist der Beruf des Sattlers eng mit dem Begriff Sattel und somit mit Pferden und deren Haltung verknüpft. Bereits vor 5000 Jahren begann die Zähmung von Pferden und deren Einsatz als Last- und Zugtiere. Ab 500 v. Chr. finden sich Hinweise auf die Nutzung von Pferden als Reittiere bei den Persern – und auch auf ledernes Zaumzeug und Sätteln. Doch nicht nur bei den Pferden finden sich die Aufgaben des Sattlers. Auch der Ochse brauchte ein Geschirr, um den Pflug des Bauern ziehen zu können.

So fand sich im Mittelalter in fast jeder zentraleren Ortschaft ein Sattler mit seiner Werkstatt in deren Umkreis jener auch „auf die Stör“ gingen – d.h., sie besuchten die umliegenden Dörfer und Gehöfe und erledigten die Arbeiten direkt vor Ort gegen Kost und Logie. Die Ausbildung zum Sattler dauerte zwischen drei und vier Jahren, in der die jungen Burschen lediglich mit Kleidung und Werkzeug bezahlt wurden.

Zahlreiche Erfindungen des Mittelalters brachten dem Sattler neuen Tätigkeitsbereiche.

Das Kummet ersetzte die bisdahin üblichen Jochkonstrukte für Ochsen und verlegte die Ziehkraft von den Hörnern des Ochsen auf den Hals – und ermöglichte zeitgleich den Einsatz von Pferden für die Feldarbeit. Außerdem verbreitete sich die Nutzung von Kutschen, deren Innenausstattung ebenso die Fertigkeiten des Sattlers beanspruchten, wie die späteren Riemen an der Aufhängung der Kutschen, mit denen auf holprigen Straßen die Stöße ein wenig abgefangen wurden. Natürlich erhöhte sich durch die leichtere Reisemöglichkeit auch der Bedarf an entsprechendem Reisegepäck, so dass der Sattler nun auch die Herstellung von Reisekoffern aus Leder übernahm.

Aus dem früher verbreiteten Beruf des Sattlers entstand zu späterer Zeit der sogenannte „Täschner„, welcher sich auf die Herstellung von Taschen und Koffern spezialisiert hat. In unserer moderneren Zeit findet sich der indirekte Nachfolgeberuf im Autosattler für die Herstellung von Lederausstattungen des Autoinneren (bisweilen auch Bootsausstattung). Der eigentliche Sattlerberuf ist heute vorwiegend im Reitsport zu finden.

 

Werbung