Im Portrait: Martina Sturainer de Cueto – Mama Ocllo ®

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Unsere Portraitreihe führt uns in die Traditionen Perus: Nach dem Vorbild peruanischen Textilhandwerks bringt Martina Sturainer de Cueto den Geist von Mama Ocllo mit ihrer Marke nach Europa und bietet zauberhafte Babykleidung aus Pimabaumwolle in Bio-Qualität.

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Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Martina Sturainer de Cueto, ich bin 31 Jahre alt, bin Unternehmerin, Mama, überzeugte Vegetarierin und Verfechterin eines grünen Lifestyle. Vor gut zwei Jahren haben mein peruanischer Mann Gustavo und ich uns mit unserer eigenen Marke Bio Babymode aus Peru selbstständig gemacht.

Unter Mama Ocllo® bieten wir unseren anspruchsvollen kleinen Kunden Wickelbodys, Strampler, Kleider, Hosen und noch vieles mehr aus feinsten Naturmaterialien, darunter „vegane Seide“. Das ist die peruanische Pima Baumwolle in Bio Qualität. Pima ist eine der feinsten Baumwollfasern auf dem Markt und eignet sich besonders gut für sensible Babyhaut. Ihren Beinamen „vegane Seide“ oder auch „Seide Südamerikas“ hat sie erhalten, weil sie dank ihrer extra langen Baumwollfasern genauso schön weich und atmungsaktiv wie tierische Seide ist. Nur mit dem Vorteil eben, dass sie vegan ist und sich problemlos in der Maschine waschen lässt.

Unsere Babymode wird zu 100% in Peru hergestellt. Dies ist unser Weg, um zu einer nachhaltigen Entwicklung im Andenstaat beizutragen, denn auf diese Weise belassen wir den Mehrwert in Peru und schaffen dort Arbeitsplätze. Peru ist kein Billiglohnland, dafür aber ein Land mit einer jahrhundertelangen Textiltradition. So trugen bereits die Inka feine Stoffe aus natürlich farbig gewachsener Baumwolle, die auch wir heute in unsere Stoffe mit einweben lassen.

Und neben unsere Bio Babykleidung vertreiben wir handgestrickte Accessoires, wie Babyschühchen und Kuscheltiere, die wir in den Anden von Frauen aus sozial schwachen Verhältnissen stricken lassen. Arbeitgeber der Frauen ist eine feministische Non-Profit-Organisation, die sich für die Rechte der Frauen einsetzt und ihnen durch ihr Strickhandwerk den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit eröffnet.

Wie kamen Sie zu diesem Tätigkeitsfeld?

Fingerpuppen von Hand nach alter Tradition gefertigt
Fingerpuppen von Hand nach alter Tradition gefertigt

Im Jahr 2007 war ich zum ersten Mal in Peru, und zwar über ein Austauschprogramm meiner Universität. An der Uni in Lima lernte ich nicht nur Gustavo, sondern auch unsere französische Modedesignerin Telma kennen.

Wir drei hatten schon damals eine gemeinsame Vision. Und zwar träumten wir von einem Projekt, das zum einen eine Brücke zwischen Peru und Europa schlagen, zum anderen zur Wertschöpfung im Andenstaat beitragen würde.

Fünf Jahre später kreuzten sich unsere Wege erneut. Gustavo und ich hatten zwischenzeitlich geheiratet und wir befanden uns gerade in der Familienplanung. Zu diesem Zeitpunkt entstand die Idee, aus Perus „veganer Seide“ nachhaltige Bio Babymode für den europäischen Markt produzieren zu lassen. Das Know How in der Textil- und Biobranche brachten wir bereits mit. Auch wussten wir, wie man ein eigenes Unternehmen aufbaut. Und Telma kannten wir als eine ambitionierte Modedesignerin, die wir schnell für unsere Idee begeistern konnten.

Ja und damit war Mama Ocllo® geboren. Mama Ocllo ist übrigens die mythologische Gründerfigur des Inkareichs. Als Königin und Mutter eines großen Volkes, der es oblag, den Frauen die Kunst des Webens beizubringen, symbolisiert sie all jene Werte, die wir mit unserer Marke zum Ausdruck bringen wollen: eine liebende Mutter, den Reichtum Perus und den Erfahrungsschatz im Textilhandwerk.

Welchen Aufgabenbereich
mögen Sie dabei besonders?

In erster Linie ist es der regelmäßige Kontakt mit Peru und den Menschen, die dort leben, der mein Herz höher schlagen lässt. Ich liebe es, neue Entwürfe von Telma zu bekommen und diese einige Wochen später als Kleidungsmuster aus Peru in den Händen halten zu dürfen. Der Entstehungsprozess eines eigenen Produktes, in dem so viel Herzblut steckt und mit dem jedes Mal aufs Neue eine ganz eigene Geschichte erzählt wird, ist eine wundervolle Erfahrung.

Auch liebe ich es, eine neue Warenlieferung beim Zoll abzuholen, unser Sortiment wachsen zu sehen und es auf unserer Website von seiner schönsten Seite zu zeigen. Man merkt vielleicht an meinen Worten, dass ich einen kreativen Part in unserem Unternehmen einnehme. Und das ist es, was mir gefällt und was mir liegt.

Doch eine der schönsten Aufgaben ist wohl, unsere Lieferanten vor Ort zu besuchen, die Gesichter hinter unseren Produkten zu sehen, mich über Produktionsverfahren auszutauschen und gemeinsam neue Produktentwicklungen zu besprechen. Regelmäßig fliegen wir, Gustavo, unser 18 Monate alter Miguel und ich, nach Peru.

Natürlich wird der Großteil unseres Aufenthalts unserer Familie gelten, doch werden Lieferantenbesuche nicht zu kurz kommen. Und genau das ist es, das ich am allermeisten liebe an meiner Arbeit. Familie und Arbeit lassen sich kombinieren und dies nicht nur in Hinblick auf unsere Familie in Deutschland. Nein, über unsere Arbeit erscheint die Distanz ins 16.000km entfernte Peru um ein Vielfaches kürzer.

Musterbesprechung in Paris
Musterbesprechung in Paris
Unsere Schneiderei in Lima; Fotos: Martina Sturainer de Cueto / Mama Ocllo®
Unsere Schneiderei in Lima; Fotos: Martina Sturainer de Cueto / Mama Ocllo®

 

Was gefällt Ihnen an der Nutzung von altem Wissen für mehr Nachhaltigkeit wie im Herbaversum?

Altes Wissen ist ein Schatz, der unbedingt bewahrt werden sollte. Denken wir nur an das wertvolle Wissen von Schamanen, die alternative Heilmethoden von Generation zu Generation weitertragen und damit Krankheiten heilen können, für die unsere moderne Medizin noch keine passenden Medikamente entwickeln konnte. Altes Wissen hat sich über lange Zeit hinweg bewährt, wurde und wird jedoch viel zu häufig unterschätzt oder in den Schatten von künstlich hergestellten Präparaten gestellt.

Unsere natürlich farbig gewachsene Baumwolle, die es übrigens einst sogar in Blau- und Lilatönen gab, wurde über lange Zeit in Peru verboten, um den rein weißen Baumwollfasern, die als schlichtweg hochwertiger erachtet wurden, Priorität einzuräumen. Beinahe hätte sich das Wissen um die farbigen Baumwollfasern gänzlich verloren, wären nicht Archäologen auf Textilreste gestoßen.

Wir wollen mit unserer Babymode dazu beitragen, das alte Wissen des peruanischen Textilhandwerks zu bewahren und mit Mama Ocllo® in die Welt hinaus zu tragen. Denn nur was man weiß bzw. kennt kann man nachhaltig vor der Vergessenheit bewahren.

Schön, dass es Magazine wie Herbaversum gibt, die ähnliche Visionen verfolgen und altes Wissen der Öffentlichkeit zugänglich machen.


Sie möchten mehr über Martina Sturainer de Cueto und Mama Ocllo erfahren?

Ihre Firmenwebseite finden Sie unter
https://www.mama-ocllo.com

sowie auf Facebook unter
https://www.facebook.com/mamaocllonews


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